Sonnen­creme & Sonnen­spray Test

FAQ Sonnen­creme: Leser fragen, test.de antwortet

23.06.2021

Zum Thema Sonnen­schutz erreichen die Stiftung Warentest viele Fragen von interes­sierten Lesern. Hier geben die Expertinnen aus dem Team Gesundheit und Kosmetik Antwort auf die wichtigsten und am häufigsten gestellten Fragen rund um Sonne, Sonnen­creme und Sonnen­spray.

Sonnen­creme & Sonnen­spray Test Testergebnisse für 26 Sonnen­schutz­mittel

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Inhalt
Alle Fragen im Überblick

UV-Strahlung und Licht­schutz­faktor

Was ist der Unterschied zwischen UVA- und UVB-Strahlung?

Die Abkür­zung UV-Strahlung steht für die ultra­violette Strahlung im Sonnenlicht. Sie wird unterteilt in längerwel­lige UVA- und kurz­wellige UVB-Strahlen. Die UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein und werden für früh­zeitige Falten­bildung und Hautalterung verantwort­lich gemacht, UVB-Strahlen können einen Sonnenbrand hervorrufen. Lang­fristig können sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen Haut­krebs verursachen. Um Verbrennungen und andere Hautschädigungen zu vermeiden, sollte die Haut vor allem in den sonnenreichen Monaten, etwa von April bis Oktober, stets gut geschützt sein – sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung.

Test Sonnencreme für Erwachsene
Test Sonnencreme für Kinder

Worin unterscheiden sich chemische und mineralische Sonnen­schutz­filter?

Organische Filter absorbieren die UV-Strahlung und wandeln sie in harmlose Wärme um. Mineralische Filter – auch physika­lische Filter genannt – bestehen aus Pigmenten, die wie unzäh­lige kleinste Spiegel auf der Haut UV-Strahlen reflektieren und so fernhalten. Erlaubt sind generell nur nachgewiesen gesundheitlich unbe­denk­liche Filter. In Einzel­fällen können sie wie alle Inhalts­stoffe Allergien oder Unver­träglich­keiten auslösen. Damit sich die mineralischen Filter nicht als weiß­licher Film auf der Haut ablagern, vermahlen Hersteller diese oft zu winzigen Nanop­artikeln. Sie müssen auf der Packung in der Liste der Inhalts­stoffe mit dem einge­klammerten Wört­chen „Nano“ gekenn­zeichnet werden (mehr unter Was ist mit mineralischen Filtern in Nanopartikelgröße?).

Was bedeutet der Sonnen- oder Licht­schutz­faktor (SPF/LSF) auf dem Sonnen­schutz­mittel?

Der Sonnen­schutz­faktor (kurz SPF: Sun Protection Factor) – auch Licht­schutz­faktor (LSF) genannt – gibt an, wie viel Mal länger als ohne Sonnen­schutz­mittel man sich mit dem jeweiligen Produkt auf der Haut ungefähr der Sonne aussetzen kann, ohne dabei einen Sonnenbrand zu bekommen. Die Angabe des Faktors bezieht sich nur auf UVB-Strahlen und wird europaweit von den meisten Herstel­lern einheitlich bestimmt.

Es gilt: Je größer die SPF-Zahl, desto länger die Schutz­dauer. Bei besonders hell­häutigen Menschen und Kindern kann sich ungeschützte Haut schon nach fünf bis zehn Minuten in der Sonne röten. Tragen Sie ein Sonnen­schutz­mittel mit Schutz­faktor 30 auf, verlängert sich diese Zeitspanne theoretisch um etwa das 30-fache – also auf 150 bis 300 Minuten.

Sie sollten diese Zeiten aber keinesfalls ausreizen, sondern spätestens nach rund zwei Dritteln der errechneten Schutz­zeit lieber raus aus der Sonne.

Wichtig: Selbst Nach­cremen kann die Schutz­wirkung nicht intensi­vieren oder die einmal errechnete Schutz­zeit gar verlängern. Die Haut braucht eine Pause von der Sonne.

Wie hoch sollte der Sonnen­schutz­faktor mindestens sein?

Seit 2006 gibt es für Sonnen­schutz­mittel Kriterien zur Mindest­wirk­samkeit gegen UVB- und auch UVA-Strahlen. Ein Produkt gilt danach nur als Sonnen­schutz­mittel, wenn es mindestens den Sonnen­schutz­faktor 6 aufweist und der UVA-Schutz­faktor mindestens ein Drittel des angegebenen SPF beträgt. Ein Sonnen­schutz­mittel mit dem SPF 30 muss also mindestens einen UVA-Schutz von 10 aufweisen.

Mittel mit dem Sonnen­schutz­faktor von 6 bis 10 bieten einen leichten Sonnen­schutz, solche mit einem SPF zwischen 15 und 25 einen mitt­leren, die mit einem SPF von 30 bis 50 einen hohen Schutz.

Vorsicht: Wer nicht genug Creme verwendet, erreicht den angegebenen Schutz­faktor nicht (siehe auch Wie viel Sonnencreme sollte aufgetragen werden?).

Was ist der UV-Index?

Der UV-Index ist ein welt­weites Maß für die sonnenbrand­wirk­same UV-Strahlung. Ab Index 3 sollte man sich schützen. Als extrem gelten Werte ab 11. Im Juli liegt der UV-Index im Norden Deutsch­lands bei etwa 7, im Süden bei bis zu 10, ebenso auf Mallorca, in Italien und der Türkei. Eine Creme mit hohem Sonnen­schutz­faktor ist dann unbe­dingt ratsam. Unter www.uv-index.de sind die Werte täglich abruf­bar.

Wie hoch sollte der Sonnen­schutz­faktor für Kinder sein?

Kinder­haut braucht einen hohen bis sehr hohen Sonnen­schutz­faktor – mindestens 30, am besten 50+. Der Grund: Kinder­haut ist anders aufgebaut als die Erwachsener und besonders schutz­bedürftig. Außerdem ist die Sonnen­exposition in der Kindheit ein wichtiger Faktor für die spätere Entstehung von Haut­krebs. Manche Eltern befürchten, dass Sonnen­schutz­filter vor allem bei Babys und Klein­kindern Allergien auslösen könnten. Für derartige Annahmen liegen nach Einschät­zungen von Dermatologen jedoch keine ausreichend wissenschaftlichen Studien vor.

Haut­re­aktionen wie die umgangs­sprach­liche „Sonnenallergie“ können auch durch eine unge­wohnt hohe Dosis Sonnenlicht entstehen – etwa im Früh­jahr, wenn die Haut nach dem Winter nicht mehr daran gewöhnt ist. Eltern sollten keinesfalls auf umfassenden Schutz vor Sonnen­strahlen verzichten: Pralle Mittags­sonne, etwa zwischen 11 und 15 Uhr, ist für alle Kinder tabu.

Babys und Klein­kinder im ersten Lebens­jahr sollten am besten immer im Schatten bleiben. Darüber hinaus bietet vor allem Kleidung Schutz. Sie sollte aus dicht gewebtem, möglichst dunklem Stoff sein. Unbe­deckte Haut­stellen wie das Gesicht sollten mit einem Sonnen­schutz­mittel mit hohem oder sehr hohem Sonnen­schutz­faktor einge­cremt sein.
Test Sonnencreme für Kinder

Wer braucht außerdem noch hohen Schutz?

Hell­häutige. Haut­ärzte unterscheiden sechs Haut­typen. Die ersten beiden haben helle bis sehr helle Haut, die unge­schützt schnell verbrennt. Der keltische Haut­typ (Typ 1) hat meist hell­blondes bis rotes Haar, der nordische (Typ 2) oft blondes, teils braunes Haar. Beide haben häufig helle Augen und Sommer­sprossen. Wer unsicher ist, was seinen Typ angeht, kann ihn vom Haut­arzt bestimmen lassen.

Wasser­sportler. Noch in einem Meter Wasser­tiefe behalten UVB-Strahlen 50 Prozent ihrer Intensität, UVA-Strahlen 80. Schwimmer, Schnorchler, Surfer und Taucher bekommen sie meist über Stunden direkt ab.

Kranke. Immun­geschwächte, Organ­trans­plantierte und Menschen, die bereits an Haut­krebs oder einer Vorstufe davon leiden, brauchen einen hohen Sonnen­schutz.

Urlauber. Viele zieht es in den Süden. Je näher das Ferien­ziel am Äquator liegt, desto intensiver die UV-Strahlung und umso größer das Sonnen­brandrisiko.

Brauchen Kinder spezielle Sonnen­cremes oder Sonnen­sprays?

Eigentlich nicht, denn grund­sätzlich können Kinder und Erwachsene dieselben Sonnen­creme verwenden. Ein paar Besonderheiten und Vorteile haben Kinder­sonnen­schutz­mittel aber: Sie haben meist einen besonders hohen Sonnen­schutz­faktor. In unseren Tests zeigte sich außerdem, dass sie häufiger parfum­frei sind als die Produkte für Erwachsene. Das ist für Kinder wichtig, die auf Duft­stoffe allergisch reagieren.

Häufig versprechen Produkte speziell für Kinder „extra wasser­fest“ zu sein (siehe auch Was bedeutet eigentlich wasserfest?). Diese Aussage kann Eltern zu sehr in Sicherheit wiegen, denn so gekenn­zeichnete Produkte müssen nach vier Mal 20 Minuten Baden nur noch mindestens 50 Prozent des Schutzes bieten. Verlassen Sie sich – auch bei Sonnen­schutz­mitteln für Erwachsene – lieber nicht allzu sehr auf die Auslobung „wasser­fest“ oder „extra wasser­fest“.

Nach­cremen ist nach jedem Badegang für Groß und Klein wichtig. Bei Kindern, die sich sehr ungern eincremen lassen, klappt es manchmal mit Lotion-Sprays besser als mit dickeren Cremes. Übrigens: Für Kinder aufgemachte und ausgelobte Sonnen­schutz­mittel eignen sich selbst­verständlich auch für alle Erwachsenen, denen die genannten Aspekte wichtig sind.

Was bringen spezielle Tages­cremes mit UV-Schutz?

Tagescremes mit UV-Schutz sollen der Gesichts­haut Feuchtig­keit spenden, sie pflegen und zusätzlich vor UV-Strahlen schützen. Häufig versprechen sie einen Sonnen­schutz­faktor (SPF) zwischen 15 und 30 – doch nicht immer bieten sie den versprochenen Schutz auch, wie unsere Tests zeigen. Im normalen Arbeits­alltag können zuver­lässige Produkte selbst Hell­häutigen genügend Schutz bieten. Eine etwa haselnuss­große Menge Creme fürs Gesicht sollte es aber sein, um den Schutz auch wirk­lich zu erreichen.

Wer sein Gesicht aber länger als nur eine kurze Mittags­pause in die Sonne hält, sollte besser auf richtige Sonnenschutzmittel mit UV-Schutz­faktoren von etwa 30 oder 50 setzen. Auch wer draußen arbeitet und dabei viel Zeit an der frischen Luft verbringt, braucht diesen umfassenderen Schutz.

Wenn Sie sich zusätzlich schminken wollen, gilt als Reihen­folge beim Auftragen der Produkte: Tragen Sie erst die Tagescreme mit UV-Schutz auf und anschließend das Make-up. Wer mehr UV-Schutz braucht, sollte zunächst das Sonnen­schutz­mittel auftragen und es gut einziehen lassen. Verwenden Sie dann gegebenenfalls eine herkömm­liche pflegende Tages­creme und danach Make-up.

Gesundheitliche Aspekte

Können UV-Filter der Gesundheit schaden?

In Kosmetika, die inner­halb der Europäischen Union (EU) hergestellt sind, dürfen nur Filter zum Einsatz kommen, die laut EU-Kosmetik­ver­ordnung offiziell als Sonnen­schutz­filter zugelassen sind. Und diese Zulassung erhalten sie nur dann, wenn sie den Nach­weis erbringen können, gesundheitlich unbe­denk­lich zu sein. Allerdings: Es ist nie auszuschließen, dass selbst zugelassene UV-Filter bei Menschen mit besonders empfindlicher Haut in Einzel­fällen Allergien oder Unver­träglich­keiten auslösen. Wenn Sie den Verdacht haben, wechseln Sie das Produkt.

Auf einigen Produkten steht „ohne Octocrylen“. Was ist davon zu halten?

Octocrylen ist ein zugelassener UV-Filter, zu dem es wider­sprüchliche Erkennt­nisse gab und gibt. Zunächst hatten Kritiker vermutet, dass er in das Hormon­system eingreifen könnte. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommis­sion (SCCS) hat dies im Früh­jahr 2021 über­prüft. Der Verdacht hat sich nicht erhärtet.

Die in der EU-Kosmetik­ver­ordnung fest­gelegte Höchst­konzentration für Octocrylen in Kosmetika gilt weiterhin als sicher. Sie liegt bei 10 Prozent vom Gesamt­produkt. Seit 2018 wurde sie von keinem Sonnen­schutz­produkt in unseren Tests über­schritten. Bei den Test­ergeb­nissen geben wir in unseren Tabellen an, welche Produkte welche UV-Filter enthalten.

Im Früh­jahr 2021 kamen neue warnende Worte von Wissenschaft­lern der französischen Universität Sorbonne: Sie hatten octocrylenhaltige Kosmetika im Labor künst­lich altern lassen, um heraus­zufinden, ob und wie sich die Produkte dadurch verändern. Das Ergebnis: Sie enthielten Benzophenon – vermutlich ein Abspalt­produkt des Octocrylens.

In Tier­versuchen hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Benzophenon – in größeren Mengen aufgenommen –, möglicher­weise die Entstehung von Krebs begüns­tigen kann. Um die Daten besser einordnen zu können, baten wir das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) um eine Einschät­zung. Das Institut entwarnte: Eine gesundheitliche Beein­trächtigung der Verbraucher sei durch die Produkte nicht zu erwarten (So schätzt das BfR den UV-Filter Octocrylen ein).

Warum steht der Sonnen­schutz­filter Homosalat in der Diskussion und was weiß man über ihn?

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) untersucht derzeit, ob Homosalat hormon­artig wirkt. In einer vorläufigen Stellung­nahme heißt es, dass die bislang gesammelten Daten eine solche Wirkung nicht bestätigen. Eine Studie an Ratten hat den Ausschuss aber zu der Empfehlung veranlasst, die maximal zulässige Konzentration in Kosmetik­produkten vorsichts­halber von derzeit 10 auf 1,4 Prozent zu senken.

Wir haben daher zusätzlich das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) um eine Einschät­zung gebeten: Es sieht für Verbraucher keine akute Gefähr­dung durch die derzeit auf dem Markt befindliche Kosmetik­produkte mit Homosalat.

Sind Nanop­artikel in Sonnen­schutz­mitteln unbe­denk­lich?

Laut Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) geht nach derzeitigem Wissens­stand von Nano­teilchen in Kosmetika keine gesundheitliche Gefahr aus, wenn die Produkte auf gesunde oder auch sonnen­verbrannte Haut aufgetragen werden. Für wunde oder verletzte Haut gibt es hingegen keine Entwarnung, da hierzu keine gesicherten wissenschaftlichen Erkennt­nisse vorliegen. Weitere Forschungs­arbeit ist nötig.

Laut dem Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) der EU-Kommis­sion deuten Tests zudem darauf hin, dass einge­atmete Nanoteilchen die Lunge schädigen und krebs­er­regend wirken könnten (siehe EU-Publikation Sonnenschutzmittel mit Titandioxid in Nanopartikelform). In sprüh­baren Mitteln, wie zum Beispiel Sonnen­sprays aus Aerosol-Dosen, sollten sie daher vorsorglich nicht einge­setzt werden.

In unseren vergangenen Tests waren in Aerosol­sprays laut Inhalts­stoff­listen auf den Verpackungen keine UV-Filter in Nano-Größe enthalten. Die Gefahr, dass Nanop­artikel aus Cremes und Lotionen über die Atemwege in den Körper gelangen, ist generell als gering einzuschätzen.

Was ist mit anderen kritischen Stoffen?

Seit unserem Test vom Juli 2018 über­prüfen wir die Inhalts­stoff­listen der Produkte auf Stoffe, die der SCCS – der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU – als kritisch bewertet hat. Sofern diese Stoffe enthalten sind, über­prüfen wir auch deren Konzentrationen. In den Fokus geraten ist unter anderem der Duft­stoff Lilial (Butylphenyl Methyl­propional).

Lilial steht im Verdacht, beim Menschen die Fort­pflan­zungs­fähig­keit zu beein­trächtigen. Der Duft­stoff wird voraus­sicht­lich in die Liste der verbotenen Stoffe nach EU-Kosmetik­ver­ordnung aufgenommen. Wir bewerten den Stoff schon länger als kritisch und sind der Ansicht: Hersteller sollten vorsichts­halber darauf verzichten.

Kann die Haut auch gesund bräunen?

Nein: Bräunung ist eine Schutz­reaktion der Haut. Zwar erhöht sie die Eigen­schutz­zeit nicht einge­cremter Haut gering­fügig. Doch selbst wenn die Haut nicht verbrennt, kann sie beim Bräunen Schäden davon­tragen. Um Haut­krebs zu entwickeln, sind keine Sonnenbrände nötig. Schon geringere Dosen UV-Licht – vor allem auf Haut­stellen, die sonst bedeckt sind – reichen, um Haut­zell­mutationen auszulösen. Auch Sonnen­creme oder Sonnen­spray liefern keinen Frei­brief für endlose Sonnenbäder. Sie verlängern nur den Zeitraum, bis das Sonnen­konto voll ist.

Kann die Haut trotz Sonnen­schutz Vitamin D herstellen?

Ja – wenn auch weniger. Der Körper braucht UV-Strahlen, um das für den Knochen­aufbau wichtige Vitamin D zu bilden. Wie viel davon der Einzelne bildet, wenn er einen Teil der UV-Strahlung mit Sonnen­schutz­mitteln abblockt, ist nicht geklärt. Weitere Infos finden Sie in den FAQ Vitamin-D.

Ich gehe regel­mäßig ins Nagel­studio. Muss ich meine Hände dort mit Sonnen­creme schützen?

Wer Wert legt auf lackierte und modellierte Nägel vom Profi, sollte im Nagel­studio tatsäch­lich auf Sonnen­schutz für die Hände achten. Der Krebs­informations­dienst warnt vor der ultra­violetten Strahlung der Lampen, die zur Härtung des Nagellacks genutzt werden – sie könnte das Risiko für weißen Haut­krebs erhöhen. Forscher sind uneins, wie hoch das individuelle Krebs­risiko ist, raten aber unisono zu vorbeugenden Maßnahmen: Schützen Sie Ihre Hände mit fingerlosen Hand­schuhen oder Sonnen­creme mit hohem Licht­schutz­faktor.

Die richtige Anwendung

Wie viel Sonnen­creme sollte aufgetragen werden?

Bei Sonnen­creme gilt: klotzen statt kleckern. Um den angegebenen Sonnen­schutz­faktor zu erreichen, braucht eine 1,80 Meter große Person etwa 40 Milliliter für den ganzen Körper – ungefähr drei Esslöffel. Wer kleiner ist, entsprechend weniger. Bei einem Sonnenbad pro Tag also reicht zum Beispiel eine 200-Milliliter-Flasche für fünf Tage – höchs­tens: Da beim Baden, Abtrocknen und Schwitzen der Schutz verloren geht, sollte stets nachgecremt werden. Für 14 Tage Strand­urlaub heißt das: mindestens drei Flaschen ins Gepäck.

Wie lässt sich die Kopf­haut am besten schützen?

Grund­sätzlich bieten Hut, Mütze oder Tuch den besten Schutz und sind bei Kindern unver­zicht­bar. Eine Kopf­bedeckung beugt nicht nur einem Sonnenbrand, sondern im Zweifel auch einem Sonnen­stich vor. Breite Krempen schützen auch Ohren und Nacken. Insbesondere eine Glatze sollte stets gut vor UV-Strahlung geschützt sein – wer für diesen Bereich ein Sonnenschutzmittel verwendet, wählt am besten einen hohen Sonnen­schutz­faktor. Bei schütterem Haar kann ein Aerosol, also ein Spray aus der Dose, Schutz bieten. Wer es aufsprüht, sollte es aber auch auf dem Kopf gut verreiben.

Welchen Sonnen­schutz brauchen die Lippen?

Die zarte Haut der Lippen kann keinen natürlichen Sonnen­schutz durch Verdicken der Horn­schicht bilden. Deshalb: Beim Eincremen mit Sonnen­schutz­mittel die Lippen nicht vergessen oder extra Pfle­gestift mit Licht­schutz­faktor nehmen. Das Fett darin verhindert auch, dass Lippen rissig werden. Da sie keine Schweiß- und kaum Talgdrüsen haben, ist ihre Haut fast fett­frei. Licht­schutz­faktor 50 ist für die Lippenhaut sinn­voll. Cremen Sie gerade auf den Lippen auf jeden Fall nach: Durch Schweiß oder Speichel geht der Schutz verloren.

Wie lange sind Sonnen­schutz­mittel halt­bar?

Wenn kein Mindest­halt­barkeits­datum drauf steht, geben Aussehen und Geruch Hinweise darauf, ob das Mittel noch brauch­bar ist. Exemplarische Prüfungen der Stiftung Warentest ergaben: Sieht das Produkt noch so aus wie nach dem Kauf, hat es sich also in Konsistenz und Geruch nicht verändert, hält es den Sonnen­schutz­faktor normaler­weise ein. Entsorgen Sie dagegen Produkte, deren Bestand­teile sich voneinander absetzen, die ausflocken oder komisch riechen.

Welchen Schutz bietet Kleidung?

Kleidung ist – neben weniger Sonnen­zeit – laut Studien der beste Schutz vor schädigenden Sonnen­strahlen. Der Stoff sollte dicht gewebt und dunkel gefärbt sein.

Polyester­fasern eignen sich besonders gut. Dagegen bieten beispiels­weise weiße, fast durch­sichtige Kleidungs­stücke aus feiner Baumwolle fast keinen Schutz, auch wenn sie bei großer Hitze angenehm zu tragen sind. Oberteile sollten mindestens die Schulter­partie bedecken, dort entsteht besonders schnell ein Sonnenbrand. Trägerhemd­chen schützen da nicht.

Mit Hüten, Mützen oder Tüchern zum Binden sollten vor allem Menschen mit wenig oder dünnem Haar ihre Kopf­haut bedecken. Das ist auch bei Kindern unver­zicht­bar.

Kann Parfüm in Verbindung mit Sonne Flecken auf der Haut verursachen?

Ja, das ist möglich. Die Kombination von Sonnenlicht und Parfüm oder Deo kann lang anhaltende, unschöne Verfärbungen auf der Haut bewirken. Wer plant, in die Sonne zu gehen, sollte mit Parfüm zurück­haltend sein.

Wie lassen sich auf der Kleidung Flecken durch Sonnen­schutz­mittel vermeiden?

Solche oft gelb­lichen Verfärbungen lassen sich nur schwer auswaschen. Verursacher sind häufig die chemischen UVA-Filter, offen­bar auch in Verbindung mit Schweiß, Haut­fett und Wasser. Durch Waschen der Kleidung können sich die Flecken noch verstärken. Wir haben auch nach intensiven Recherchen kein Test­verfahren gefunden, solche Flecken repro­duzier­bar zu erzeugen. Wie gut sie sich bei den geprüften Mitteln wieder auswaschen lassen, können wir daher nicht testen.

Verhindern lassen sich Verfärbungen am ehesten mit etwas Geduld: Ziehen Sie sich nach dem Eincremen nicht sofort an, sondern warten Sie, bis das Sonnen­schutz­mittel gut in die Haut einge­zogen und getrocknet ist. Fleckig gewordene Kleidung möglichst bald bei mitt­lerer bis nied­riger Temperatur und mit Wasch­mittel ohne Bleiche waschen.

Spray, Stick, Tube

Sind Sprays eine Alternative zu Lotionen und Cremes?

Ja, wenn Sie das Spray gut verteilen. Allerdings ist die Gefahr groß, zu wenig zu nehmen. Deshalb: Doppelt gesprüht schützt besser – einmal den ganzen Körper besprühen, verreiben, trocknen lassen, danach ein zweites Mal sprühen und wieder auf der Haut verteilen. Kinder sollten Aerosol­sprays aber nicht selbst benutzen, weil sie versehentlich in Mund und Augen sprühen oder das Spray einatmen könnten. Sprühen Sie in die Hand – nie ins Gesicht – und reiben Sie das Mittel dann ein.

Es gibt auch Sonnen­schutz-Stifte. Was sollte man bei ihrer Anwendung beachten?

Sonnen­schutz­mittel in Stiftform machen vor allem Kindern Spaß und sind praktisch für unterwegs. Die leicht wachs­artige Konsistenz sorgt dafür, dass nichts tropft, kleckert, klebt oder in der Tasche ausläuft. Die Stifte eignen sich eher zum Schutz kleinerer Hautflächen – etwa im Gesicht, auf den Ohren oder Fußrücken. Wichtig ist auch hier: Mit dem Stift zunächst eine reichliche Menge des Produktes auf die Haut streichen und anschließend mit den Händen gut verreiben.

Am Ende bleibt immer ein Rest Sonnen­schutz­mittel in der Tube zurück. Ist das nicht Betrug?

Es stimmt, dass es am Ende oft schwierig wird, Sonnen­cremes, Sprays und andere Kosmetika bis zum letzten Rest aus der Tube oder Flasche zu holen. In der Vergangenheit haben unsere Tests aber ergeben, dass die Anbieter dies berück­sichtigen: Sie füllen ihre Produkte deswegen meist in so ausreichend großen Mengen in die Verpackungen, dass sich die sogenannte Nenn­füll­menge – das ist die auf der Packung angegebene Menge – auch tatsäch­lich entnehmen lässt.

Sonnen­creme und Baden

Was bedeutet eigentlich „wasser­fest“?

Die Stiftung Warentest sieht Versprechen zur Wasser­festig­keit von Sonnen­schutz­mitteln kritisch. Der Grund: Anbieter dürfen ein Sonnen­schutz­mittel schon dann als wasser­fest bezeichnen, wenn es nach zweimal 20 Minuten Baden noch die Hälfte des ursprüng­lich gemessenen Schutzes bietet. Der Begriff „wasser­fest“ kann Verbraucher also zu sehr in Sicherheit wiegen.

Seit Juli 2017 prüfen wir die Wasser­festig­keit nicht mehr. Statt­dessen ziehen wir bei so gekenn­zeichneten Produkten Punkte bei den Werbeaussagen ab. Für Sonnen­anbeter gilt stets: Nach dem Baden, Abtrocknen oder Schwitzen nach­cremen. Auch wenn Sie beispiels­weise Ihren Kindern Gesicht und Hände zwischen­durch mit feuchten Tüchern oder Wasch­lappen reinigen cremen Sie lieber nach.

Test Sonnencreme für Erwachsene
Test Sonnencreme für Kinder

Heißt „Wet Skin“ auto­matisch auch wasser­fest?

Nein. Wet-Skin-Produkte sollen auch auf nasser oder verschwitzter Haut gut einziehen können, sie sind nicht zwingend wasser­fest.

Sonnen­schutz­mittel und Umwelt

Gefährden chemische UV-Filter in Sonnen­schutz­mitteln die Umwelt?

Hawaii will die chemischen Sonnen­schutz­filter Octinoxat und Oxybenzon aufgrund von einigen Studien ab 2021 verbieten. In den Unter­suchungen geht es um mögliche hormon­ähnliche Effekte der Filter auf Wasser­lebewesen wie etwa Korallen, Fische oder andere Wasser­organismen. Die Studien­daten werden derzeit inner­halb der EU geprüft. Reichen sie aus und bestätigt sich die hormonelle Wirkung der Stoffe, kann das auch in Europa zu einem Verbot der UV-Filter führen.

Eine akute Gefahr für eine Tier­art oder ein Ökosystem hier­zulande besteht laut Umwelt­bundes­amt nicht (siehe auch Interview: „Wer lange Sonnenbäder meidet, hilft auch der Natur“). In den Tropen sei eine lokale Gefähr­dung nicht auszuschließen, sagt Prof. Dr. Claudio Richter vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Er hält aber groß­räumigen Belastungen wie Über­düngung, globale Erwärmung und Versauerung der Meere für weit­aus problematischer für Meereslebewesen.

Oxybenzon wird bei uns gar nicht mehr für Sonnen­schutz­mittel verwendet, Octinoxat – das in der Inhalts­stoff­liste als Ethylhexyl Methox­ycinnamate auftaucht – nur selten.

Sind mineralische Filter in Nano­partikelgröße umwelt­schädlich?

Filter wie Titan- und Zink­oxid werden von Herstel­lern häufig zu Nanop­artikeln vermahlen, damit sie sich nicht als weißer Film auf der Haut ablagern. Es hängt von Beschaffenheit, Form und weiteren Eigenschaften ab, welche schäd­lichen Effekte diese Partikel in der Umwelt haben. Bislang ist das aber noch nicht ausreichend erforscht. Zum Teil fehlen dazu die Test­methoden. Mehr Informationen zum Thema Nano­technologie in unserem Special Nanoteilchen: Das sollten Sie wissen.

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