Test Milch

Ist Milch, die fair heißt, wirk­lich fair?

Test Milch - Qualität meist gut – aber Biomilch-Kühe habens besser

Beim Bauern kommt mehr Geld an als gewöhnlich – das verspricht Milch, die sich als fair bezeichnet. Wir baten zwei Anbieter – Sternenfair und Die faire Milch – ihre Konzepte zu erläutern und zu belegen.

Test Milch

  • Testergebnisse für 18 Frische Voll­milch (länger halt­bar) 10/2017 Anzeigen
  • Testergebnisse für 18 CSR Milch 10/2017 Anzeigen
Inhalt

Geringe Milch­preise vernichten Existenzen

36 Cent – so lautete diesen Juli der Grund­preis für das Kilogramm Rohmilch. Es ist der höchste Stand seit Langem. Hinter den Milchbauern liegen schwere Jahre: 2015 war die Milchquote in der EU abge­schafft worden. Infolge stieg die Produktion an, die Preise fielen in den Keller– teils unter 20 Cent. Davon kann kein Milchbauer leben. Allein seit Ende 2016 gaben 1855 Betriebe auf, die meisten davon in Bayern. Als Minimum gelten Kilo­preise zwischen 35 und 40 Cent.

Zwei Konzepte unter der Lupe

„Faire“ Milch wirbt damit, Bauern einen Mindest­preis zu zahlen. Lohnt es, zu solchen Produkten zu greifen? Im Rahmen des Nach­haltig­keits­tests von Milch baten wir die Anbieter von Sternenfair und Die faire Milch, ihre Konzepte und Auszahlungs­mecha­nismen zu erläutern und zu belegen. Teil des aktuellen Waren- und CSR-Tests waren sie nicht. Der Grund: Beide werden als H-Milch, Sternenfair auch als traditionell hergestellte Frisch­milch angeboten. Im Test stand aber länger halt­bare Voll­milch.

Sternenfair über­zeugte mit guten Belegen

Sternenfair wird in Bayern, Baden-Württem­berg, Hessen und Nord­rhein-West­falen angeboten. Um sich beteiligen zu können, müssen Land­wirte einen Vertrag mit der MVS Milch­vermarktungs-GmbH abschließen und bestimmte Kriterien erfüllen: So müssen ihre Kühe Zugang zur Weide haben, gentechnikfreies Futter bekommen; der Kraft­futter­anteil wird auf 30 Prozent beschränkt und muss aus der EU stammen. Ihr Konzept belegte die MVS gut: Bauern erhalten pro Kilo Rohmilch mindestens 40 Cent, indem sie die Differenz zum regulären Milch­preis ausgezahlt bekommen. Die Krux: Nur ein Teil der Milch, die Vertrags­bauern an die Molkerei liefern, wird von MVS als Sternenfair vermarktet. Übers Jahr gesehen erhalten sie also nur etwas mehr Geld als Konkurrenten.

Die faire Milch entpuppte sich als schwer durch­schaubar

Die faire Milch ist landes­weit verfügbar. Sie ist eine Initiative des Bundes­verbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Dieser bewirbt sie so: „Faire Milch ist ein Schluck bessere Zukunft. Der faire Milch­preis trägt dazu bei, dass die Milch­wirt­schaft gerechter wird.“ Um das zu erreichen, legt der BDM in seiner Kostenkalkulation einen Grund­preis von 45 Cent pro Kilo zugrunde. Teilnehmen können BDM-Mitglieder, die Genossen­schafts­anteile kaufen und deren Milch weitere Kriterien erfüllt: Futter aus Übersee zum Beispiel ist nicht erlaubt, für den Futter­anbau sind nur bestimmte Pflanzen­schutz­mittel zugelassen. Land­wirte müssen sich außerdem an einem Tier­schutz- oder Umwelt­projekt beteiligen. Der Auszahlungs­mecha­nismus funk­tioniert anders als Käufer erwarten. Er entpuppte sich als kompliziert und wurde zudem nur lückenhaft belegt: Vertrags­bauern werden nicht nach verkaufter Menge bezahlt. Sie erhalten pro Jahr gemessen an der Höhe ihrer Genossen­schafts­anteile eine Gewinn­ausschüttung. Wie hoch diese ausfällt – dazu sahen die Tester keine Belege.

Test-Fazit

Beide Milchen sind Nischen­produkte: Hinter Sternenfair stehen 100, hinter der fairen Milch rund 70 Land­wirte. Wer sie kauft, gibt vor allem konventionellen Bauern in Zeiten nied­riger Milch­preise Sicherheit. Kontinuierlich hohe Einnahmen garan­tieren beide Konzepte aber nicht. Dazu müssten sie ihren Vertrags-Land­wirten höhere Mengen Milch abkaufen. Bis heute können ihre Land­wirte nur einen Teil der erzeugten Milch­mengen als fair absetzen. Ob das übers Gesamt­jahr gesehen zu einem angemessenen Einkommen beiträgt, bleibt schwer zu beur­teilen.

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MHeise am 26.01.2018 um 02:23 Uhr
Angabe zu den Molkereibetrieben

@StiWa
Ihre Vorgehensweise ist wenig kaum tagulich.
Die Discounter schreiben teilweise gar keinen Betrieb oder eine Briefkastenfirma auf die Packung. Dazu kommt, dass die Nennung der Firma nicht Produktionsstätte identifiziert. Schauen Sie einmal nach, wie viele Produktionsstätten (in Deutschland !) Arla Foods hat: es sind wohl 12. Da ist die Aussage produziert von ARLA kaum tauglich.
Dazu kommt, dass - wenn diese eindeutig wäre - man im Laden mit seinem Smartphone die Betriebsnummer eingeben müsste um zu überprüfen, ob dann der von Ihnen angegeben Name herauskommt. Aber das wäre wie schon dargestellt immer noch nicht hinreichend.
Die Betriebsnummer ist ein eindeutiger Schlüssel, die Bezeichnung des Konzerns nicht. Bitte beim nächsten Mal angeben - Danke!

Nusatupu am 22.01.2018 um 09:57 Uhr
Leider nur ESL Milch

Wieder einmal wird leider nur ESL Milch gut geheißen.
Traditionell hergestellte Milch sei auf dem Rückzug.
Wenn immer beworben wird, daß die meisten Verbraucher das so wollen, dann kommt es vielleicht auch so.
Brechen Sie doch einmal einen Lanze für trasitionell hergestellte (Bio-) Milch.
Auch wenn die Werbung der Großkonzerne das negiert: Es gibt immer mehr Menschen, die sich gesund und ursprünglich ernähren wollen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.01.2018 um 10:58 Uhr
Angabe zu den Molkereibetrieben

@MHeise: Bei allen Eigenmarken des Handels, also auch bei Milchprodukten vom Discounter, geben wir jeweils den Hersteller in einer Fußnote an. Beim Milchtest ist der Hersteller sowohl im Produkttest über die Fußnote als auch beim CSR-Test direkt im Tabellenkopf genannt. (BR/PF)

MHeise am 13.01.2018 um 14:56 Uhr
Angabe Molkereiprodukteproduktionsstätten

Discounter-Milch wird meist in gleicher Verpackung von unterschiedlichen Betrieben hergestellt, da sowohl die Mengen als auch die Regionalität dies erforderlich machen. Oft wechselt der Discounter auch den Hersteller.
So ist es z.B. so, dass die Aldi-Süd-Bio-Milch (die vor mir steht) von der gläsernen Molkerei (genauer: Meierei Mecklenburg Gmbh) und nicht von Arla Foods hergestellt wird.
Meine Bitte: Geben Sie beim nächsten Test die Molkereiprodukteproduktionsstätte (den Code) und auch die Bezeichnung des Betriebs an. Sie haben die Nummer ja erläutert, aber so ist das Detektivarbeit.

ebbo am 06.11.2017 um 11:48 Uhr
Homogenisierung

"Traditionell hergestellte Milch wird wie fast jede Milch homogenisiert"
Die Aussage auf Seite 19 ist nicht richtig: Bio-Milch in Flaschen ist meist nicht homogenisiert: Andechser, Breisgau, Berchtesgardener und Dennree sind beispielsweise nicht homogenisiert. Dennree Mich ist auch im Tetrapack nicht homogenisiert. Die Aufrahmung hält sich bei fettarmer Mich in Grenzen und läßt sich meist durch kurzes Schütteln beseitigen. Geschmacklich und vielleicht auch gesundheitlich ist nicht nicht homogeniesierte Mich einfach besser !