Zwölf Tipps für Ihre Finanzierung

1. Eigen­kapital

Ihr Erspartes sollte auf jeden Fall die vollen Kauf­neben­kosten und außerdem mindestens 10 bis ­­­20 Prozent des Kauf­preises abdecken. Zu den Neben­kosten gehören die Grund­erwerb­steuer, Notar- und Grund­buch­kosten und die Maklerprovision. Zusammen sind das je nach Bundes­land bis zu 15 Prozent des Kauf­preises.

2. Kredit­anteil am Kauf­preis

Viele Banken verlangen hohe Zins­aufschläge, wenn der Kredit eine bestimmte Grenze von zum Beispiel 80 oder sogar 90 Prozent des Kauf­preises über­steigt. Fragen Sie immer, wie viel Eigen­kapital Sie zusätzlich aufbringen müssen, um einen güns­tigeren Zins­satz zu erhalten. Oft reicht es schon, wenige Tausend Euro mehr Eigen­kapital zu ­mobilisieren.

3. Förderung

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde oder beim Land­rats­amt, ob Ihr ­Bundes­land zins­verbilligte Darlehen ­anbietet. Nutzen Sie auch die güns­tigen Kre­dite der staatlichen KfW-Bank – zum Beispiel für den Kauf einer energetisch sanierten Wohnung oder für den Bau ­eines energieeffizienten Hauses (Unter­artikel Eigenheimförderung).

4. Tilgung

Nutzen Sie die nied­rigen Zinsen, um Ihren Kredit möglichst schnell zu tilgen. 2 bis 3 Prozent Tilgung im Jahr sollten Sie sich mindestens leisten können. Wollen Sie in 20 Jahren schuldenfrei sein, müssen es mindestens 4 Prozent sein. Wenn die eigene Immobilie Teil Ihrer ­Alters­vorsorge ist, sollten Sie spätestens zu Renten­beginn Ihre Schulden los sein.

5. Flexibilität

Vereinbaren Sie ein Recht auf Sondertilgungen von 5 bis 10 Prozent der Kreditsumme pro Jahr. Das kostet meist keinen Aufschlag. Besonders flexibel bleiben Sie, wenn Sie die Monats­rate nach­träglich ändern dürfen. Bei vielen Banken können Sie vereinbaren, den Tilgungs­satz inner­halb einer Spanne von beispiels­weise 2 bis 5 Prozent zu erhöhen oder zu senken. So haben Sie Spielraum, um die Kreditrate anzu­passen, wenn sich Ihr Einkommen ändert – zum Beispiel wenn Sie oder Ihr Partner nach der Geburt eines Kindes weniger arbeiten.

6. Zins­bindung

Sichern Sie sich die nied­rigen Zinsen lang­fristig. Für eine 15- oder 20-jährige Zins­bindung zahlen Sie zwar einen höheren Zins­satz als für kürzere Fristen, Sie ­haben aber deutlich mehr Sicherheit. Zehn Jahre nach der Auszahlung können Sie solche lang­laufenden Kredite zudem mit sechs ­Monaten Frist kündigen. Eine zehnjäh­rige Zins­bindung sollten Sie derzeit nur erwägen, wenn Sie mindestens 3 Prozent der Kreditsumme im Jahr tilgen können. Wann die kürzere oder längere Zins­bindung vorteilhaft ist, ermittelt unser Zinsbindungsrechner.

7. Voll­tilgerdarlehen

Sie wollen gar kein Zins­erhöhungs­risiko ­eingehen? Dann können Sie sich mit einem Voll­tilgerdarlehen feste Zinsen für die gesamte Lauf­zeit der Finanzierung sichern. Bei Lauf­zeiten bis zu 20 Jahren vergeben viele Banken diese ­Darlehen derzeit zu besonders güns­tigen Zinsen. Wermuts­tropfen: Zins­rabatte gibt es nur, wenn Sie sich fest zu einer relativ hohen Rate verpflichten.

8. Bauspar-Kombikredite

Eine ­Alternative zu Voll­tilgerdarlehen der Banken sind die Kombikredite der Bausparkassen, die aus einem Darlehen und einem Bauspar­vertrag ­bestehen. Auch bei Kombikrediten sind Zins­sätze und Raten in der Regel bis zum Ende der Lauf­zeit fest. Wichtig: Achten Sie auf den Gesamt­effektivzins, in den alle Kosten eingehen – auch die Bausparbeiträge. Nur so können Sie die Kombikredite unter­einander und mit Bank­krediten ähnlicher Lauf­zeit vergleichen.

9. Riester-Darlehen

Holen Sie auchAngebote für Riester-Kredite ein, wenn Sie Anspruch auf die Förderung haben. Es gibt sie von Post­bank/DSL und von den meisten Bausparkassen – oft auch über Vermittler und andere Banken. Wegen der Förderung sind Riester-Kredite erste Wahl – aber nur, wenn der Zins­satz nicht oder nur gering­fügig höher ist als für einen unge­förderten Kredit.

10. Bereit­stellungs­zinsen

Wenn Sie bauen, sollten Sie unbe­dingt darauf achten, ab wann und in welcher Höhe die Bank Bereit­stellungs­zinsen verlangt. Vom Vertrags­abschluss bis zur vollen Auszahlung des Kredits kann es schon mal ein ganzes Jahr und länger dauern. Das kann teuer werden. Denn viele Banken kassieren schon wenige Monate nach der Kredit­zusage 3 Prozent im Jahr oder 0,25 Prozent pro Monat auf die noch nicht ausgezahlte Kreditsumme – mitunter doppelt so hohe Zinsen wie nach der Auszahlung. Mit der richtigen Bank können Sie sich diese Ausgabe oft ersparen: Eine Reihe von Banken und Versicherern räumen eine Karenz­zeit von einem Jahr und länger ein, bevor sie Bereit­stellungs­zinsen berechnen.

11. Finanzierungs­plan

­Lassen Sie sich von den Banken stets einen Finanzierungs­plan erstellen. Das ist besonders wichtig, wenn die Finanzierung nicht nur aus einem einzigen Kredit besteht. Aus dem Plan muss die genaue Kreditsumme, die Zusammenset­zung der Finan­zierung, die monatliche Belastung und die voraus­sicht­liche Lauf­zeit hervorgehen. Bestehen Sie darauf, dass die Bank für die Zeit nach Ablauf der ersten Zins­bindung mit einer Zins­erhöhung auf beispiels­weise 5 oder 6 Prozent rechnet. So können Sie Risiken der Finanzierung ­erkennen. Wählen Sie eine längere Zins­bindung, wenn Sie sich die Rate nach ­einer solchen Zins­erhöhung voraus­sicht­lich nicht leisten könnten.

12. Verbraucherzentrale

Kein Bank- oder Bausparkassenberater wird die ­eigenen Produkte kritisieren oder Sie zur Konkurrenz schi­cken, wenn deren An­gebote güns­tiger sind. Für eine unabhängige und neutrale Beratung suchen Sie deshalb besser eine Verbraucherzentrale auf. Eine ausführ­liche Beratung zur Baufinanzierung kostet dort meist 100 bis 200 Euro (Verbraucherzentrale.de).

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