Test: Hi-MD-Player von Sony Schnelltest

Der Mini-Disc-Rekorder hatte Ende der Neunzigerjahre erfolgversprechend das Erbe des Walkmans angetreten. Sonys wegweisende Erfindung: Portable Player funktionieren digital statt analog, das Speichermedium ist eine optische Mini-Diskette und keine Kassette. Der Klang verbesserte sich enorm. Die Aufnahme- und Abspielfunktionen boten neue Möglichkeiten. Dann kam MP3 und revolutionierte den Umgang mit Musik erneut. Mittlerweile beherrschen MP3-Player den Markt der Audio-Spieler. Sony versucht nun den Spagat: Player mit Hi-MD-Technologie können Musik sowohl auf Mini-Discs abspielen und aufnehmen als auch vom PC laden. Der Sony MZ-NH600 im Test.

Das Kompressionsverfahren Atrac

Das Zauberwort der Hi-MD-Technologie heißt ATRAC. Das ist eine Kompressionstechnologie, die Sony entwickelt hat und mit MP3 vergleichbar ist. Der MZ-NH600 funktioniert auf der einen Seite wie ein MP3-Player. Über die USB-Schnittstelle schließen Nutzer den Player an den PC an. Mit der Software SonicStage kommuniziert der MD-Spieler mit dem PC. Nutzer verwalten damit ihre Songs und überspielen die Daten auf den Speicher des Players. Auch können sie sich kostenpflichtig Songs aus Sonys Internet-Musikladen Connect auf den Player ziehen. Der Unterschied zu iriver, iPod & Co: Die Musik ist immer mit dem Atrac-Verfahren komprimiert, wenn sie auf die Mini-Disc gelangt und lässt sich daher nur auf Sony-Geräten abspielen. Das ist ein Nachteil.

Billiger Wechsel

Doch der MZ-NH600 bietet auch einige Vorteile. Etwa den billigen Wechselspeicher: Eine leere Mini-Disc kostet nur sieben Euro. Auf ihr haben 1 Gigabyte komprimierte Daten Platz: egal, ob Video-, Bild- oder Audiodateien. Das sind etwa bei Musik bei einer hohen Kompressionsrate bis zu 16 Stunden Musik. Das Gerät speichert aber nicht nur Atrac-Dateien, sondern nimmt auch direkt über den Analog- und Digital-Eingang Audiodaten vom CD-Spieler, Radio, Fernseher oder Mikrofon auf. Die Qualität der Aufnahmen ohne Kompression reichen nahezu an die Qualität von CDs. Bis zu eineinhalb Stunden Abspielzeit sind in dieser unkomprimierten Form möglich.

Schwächen im Praxistest

Die vielfältigen Möglichkeiten zeichnen zweifelsohne die Hi-MD-Technologie von Sony aus. Allerdings zeigte der Player im Praxistest Schwächen. Der Ton ist manchmal nur „befriedigend“. Diese Schwäche tritt dann auf, wenn der Spieler etwa MP3-Dateien auf die Mini-Disc importiert. Dann wandelt er das MP3-Format in Atrac um, was einen erneuten Datenverlust zur Folge hat. Normalerweise sorgt Atrac für hochwertige Komprimierungsdaten, die qualitativ besser sind als MP3. Weitere Schwachpunkte sind die umständliche Bedienung, das kleine Display sowie die relativ lange Dauer, bis das Gerät an- und ausgeschaltet ist. Dafür glänzte der MZ-NH600 mit vielseitigen Anschlussmöglichkeiten und einer Spitzenbetriebsdauer von knapp 40 Stunden. Insgesamt kommt der Sony-Player nur auf ein „Befriedigend“. Das bedeutet ein Platz in den hinteren Reihen im MP3-Player-Test.

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