„Life­style-Bank­ing“ verspricht die neue Teo-App ihren Nutzern. Doch Teo geht vielen Anwendern eher auf die Nerven.

Zu Beginn des Jahres 2021 sollen viele Kunden von der Sparda- zur neuen Teo-App wechseln. Doch die Neuentwick­lung kommt bei etlichen Usern nicht gut an. Albern, über­laden, unseriös – so lauten die Vorwürfe. Die Finanz­experten der Stiftung Warentest haben die umstrittene App unter die Lupe genommen – und neben sinn­vollen Funk­tionen auch einige ärgerliche Mängel gefunden.

Aus der Sparda-App wird die Teo-App

Die Teo-App wurde vom Fintech-Dienst­leister Comeco entwickelt, der eng mit den Sparda-Banken Augs­burg, Baden-Württem­berg, Hessen, München und Nürn­berg koope­riert. Die bisher von den Kunden dieser Banken genutzte Sparda-App soll mittel­fristig nicht mehr unterstützt werden. Wer weiterhin auf dem Smartphone Online-Banking-Funk­tionen nutzen will, muss also die neue Teo-App herunter­laden, die App eines anderen Anbieters verwenden oder umständlich über den Browser navigieren. Nur die Sparda Hessen lässt weiterhin beide Apps zu.

Die Teo-App kann kostenlos in den App-Stores von Google und Apple herunter­geladen werden – die App läuft damit sowohl auf Android- als auch auf iOS-Geräten. Zusätzlich gibt es mit goteo.de auch eine Webversion von Teo, mit der Online-Banking auch am PC oder Laptop möglich ist.

Wichtig: Kunden der Sparda-Banken Berlin, Hamburg, Hannover, Ostbayern, Südwest und West sind von dem Wechsel nicht betroffen.

Zahlreiche unzufriedene Kunden

Auffallend waren die vielen negativen Bewertungen in den App-Stores von Google und Apple. Auch etliche Finanztest-Leser mit Sparda-Bank-Konto haben sich über die anstehende Abschaltung der gewohnten Sparda-App geärgert, die Stiftung Warentest ange­schrieben – und um eine Nach­unter­suchung zum aktuellen Banking-App-Test (Mai 2020) gebeten. Diesem Leser­wunsch kommen wir gern nach.

Was hat die Teo-App zu bieten?

Viele Funk­tionen. Die App bietet sehr viele, teils auch durch­aus sinn­volle Funk­tionen, wirkt insgesamt aber etwas über­laden. Nutzer können unter anderem Finanz­produkte und Versicherungen hinterlegen, Verträge für Gas, Strom oder Mobil­funk verwalten und sogar mit Erinnerungs­funk­tion zu Kündigungen versehen.

Multi­banking möglich. Eine deutliche Verbesserung zur Sparda-App: Mit Teo ist auch Multi­banking, also das Verwalten von Konten unterschiedlicher Banken möglich. Das ist praktisch für Menschen, die neben einem eigenen Konto bei der Sparda-Bank auch noch ein oder mehrere Konten bei anderen Banken haben.

Junge Zielgruppe. Einige Funk­tionen der App wirken bemüht jugend­lich. So läuft die Budgetplanung über sogenannte „Sparboxen“, und das „Finanzwetter“ zeigt an, wie die finanzielle Lage des Nutzers gerade ist. Läuft alles nach Plan oder besser, erscheint ein Sonnen-Icon. Bei einem eher mittel­mäßigen finanziellen Status sind Wolken zu sehen, bei Engpässen das Regen-Icon. So stellen sich die Teo-Entwickler offen­bar „die bunte Welt des Life­style-Bank­ings“ (Werbe­video) vor.

Mängel bei Daten­schutz und AGB

Weiterge­gebene Daten. Banking-Apps sollten unserer Ansicht nach spar­sam mit Daten umgehen. Die Teo-App setzt jedoch Webtracker ein, die Daten an Marketing-Analytiker senden. So erhält etwa das Markting-Analyse-Tool Webtrekk die Tracker-ID. Die Nutzungs­statistiken gehen an den Entwickler Comeco, die von Android-Nutzern zusätzlich auch an firebase-analytics.

Unwirk­same Klauseln. Bei den Allgemeinen Nutzungs­bedingungen (AGB) fanden wir deutliche Mängel und entdeckten mehrere unwirk­same Klauseln, unter anderem diese: „Für unentgeltliche Dienste besteht kein Anspruch auf eine unter­brechungs­freie Nutzung. Wir können nicht gewähr­leisten, dass der Zugang oder die Nutzung von TEO nicht durch Wartungs­arbeiten, Weiter­entwick­lungen oder anderweitig durch Störungen unterbrochen oder beein­trächtigt wird, die ggf. auch zu Daten­verlusten führen können.“ Mögliche Daten­verluste durch das Installieren einer App? Das sollte nicht sein.

Neugierige Cookies. Sehr deutliche Mängel zeigten sich bei den Daten­schutz­bestimmungen der Online-Banking-Website goteo.de. Durch Cookies erzeugte Informationen über die User werden an einen Server von Google in den USA über­tragen und dort gespeichert. Teo gibt an, dass in Ausnahme­fällen die volle IP-Adresse an einen Server von Google in den USA über­tragen wird. Allerdings werden die Ausnahme­fälle, in denen das passieren kann, nicht genannt. Damit bezieht sich die Website auf das Daten­schutz­abkommen Privacy Shield. Doch das kann nicht mehr als Rechts­grund­lage dienen, da es vom Europäischen Gerichts­hof (EuGH) inzwischen gekippt wurde (Privacy Shield: EuGH kippt Datenschutzabkommen mit USA).

Fazit: Über­ambitioniert, nicht daten­schutz­konform

Die Teo-App bietet enorm viele Funk­tionen. Das kann User über­fordern, die mit der App nur Über­weisungen machen und ihren Konto­stand checken wollen. Wer seine kompletten Finanzen mit einer App verwalten möchte, findet mit der Teo-App einen alltags­tauglichen Begleiter. Ob man „Sparboxen“ oder „Finanzwetter“ nun jugend­lich frisch oder eher dümm­lich findet, ist letzt­lich Geschmacks­sache. Kritisch sehen wir den Umgang mit Daten der App und die Nutzungs­bedingungen der Teo-Website.

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