Teleshopping Test

Sie locken mit exklusiven Angeboten und drängeln mit begrenztem Vorrat: Fernsehverkäufer fordern das schnelle Geschäft. Mit Erfolg. Rund 1,3 Milliarden Euro setzten die Teleshops 2006 in Deutschland um. Die Fangemeinde wächst. Shoppingkanäle haben längst Stammpublikum. Das bekommt guten Service, aber nur mäßige Produkte. Die Stiftung Warentest hat mitgeshoppt.

Labern ohne Ende

„Wow, was für ein Detail!“ Gabriele Garsoffky vom RTL Shop ist völlig aus dem Häuschen. Das vanillefarbene Grandios-Shirt mit dem Raffgardinen-Effekt hat es ihr angetan. Das „bringt den Busen so gut zur Geltung“. Minutenlang trällert die Moderatorin Loblieder auf das Kleidungsstück. „Ein bisschen ziehen“, sagt sie, „und es hat eine total andere Optik“. Die Begeisterung scheint überzuschwappen. Frau Garsoffky vermeldet, dass es in Größe 56/58 langsam knapp wird. „Wenn es weg ist, ist es weg“, sagt die Moderatorin, „bitte, meine Lieben, seid ganz schnell.“ So oder ähnlich laufen sie immer ab: Die Produktpräsentationen á la Teleshop. Labern ohne Ende, loben, schön reden, Spannung aufbauen und langsam den Druck verstärken.

Karstadt auf Sendung

Die Shoppingsender haben längst ihr Stammpublikum. Am größten ist die Fangemeinde von QVC. Die Tochter der amerikanischen Liberty Media hat im vergangenen Jahr 674 Millionen Euro umgesetzt. 75 000 Anrufe zählt der Sender pro Tag - und 40 000 Pakete. QVC ist Marktführer. HSE24, die Nummer zwei, setzt nicht halb so viel um. Auf Platz drei folgt RTL Shop mit Gabriele Garsoffky und Walter Freiwald, dem Urvater des Teleshoppings (siehe Foto oben). Jahresumsatz von RTL Shop: etwa 98 Millionen Euro. Die Aussichten sind gut: „Teleshopping zählt zu den wachstumsstärksten Vertriebsformen im Einzelhandel“, sagt der Karstadt-Quelle-Konzern. Die Herren der Warenhäuser und Versandgeschäfte sind nun selbst auf Sendung. Im Mai übernahm der Karstadt-Quelle-Konzern, der sich heute Arcandor nennt, den Shoppingkanal HSE24.

Ich seh shoppen

„Ich seh shoppen“ lautet das Motto bei HSE24. Einkaufen vom Sessel aus. Hauptsache bequem. Die Stiftung Warentest hat es ausprobiert. Mit Fernbedienung, Telefon und Maus gingen die Tester auf Einkaufstour. Bei HSE24, QVC und RTL Shop bestellten sie Uhren, Schmuck, Gesichtscremes, Staubsauger und Digitalkameras. Einige Produkte gingen gleich ins Testlabor. Andere schickten die Tester dagegen zurück, um die Anbieter zu testen.

Service überzeugt

Ergebnis: Der Service der großen Shoppingkanäle ist gut. Genügend freie Telefonleitungen und übersichtlich aufgebaute Webseiten: Das Bestellen funktioniert bequem. Alle Shops im Test bieten den Kauf per Rechnung an. Das ist sicher für den Kunden. Die Ware kommt im Schnitt nach drei bis fünf Tagen ins Haus. Auch bei der Rückgabe gibt es keine Probleme. In allen Paketen liegen Vordrucke für die kostenfreie Rücksendung. Dem Gesetz nach hat der Kunde dafür 14 Tage Zeit. Positiv: HSE24, QVC und RTL Shop geben sogar 30 Tage Zeit. Die Anbieter erstatteten den Kaufpreis. Das funktioniert im Test gut. Nach etwa einer Woche ist das Geld wieder auf dem Konto verbucht. Am besten funktioniert die Rückgabe bei HSE24: Der Anbieter bucht das Geld beim Kauf per Bankeinzug erst nach 14 Tagen vom Konto des Kunden ab. Widerruft der Kunde inzwischen, entfällt das lästige Hin- und Herbuchen.

Produkte enttäuschen

So gut wie der Service, so enttäuschend sind die Produkte. Die drei Staubsauger liefern im Testlabor eine jämmerliche Vorstellung: Sie saugen schwach und blasen viel Staub in die Raumluft zurück. Extrem laut sind die beutellosen Bürstsauger obendrein. Von den Lobeshymnen der Moderatoren bleibt nur heiße Luft. „Ideal für Allergiker“, wie es beim Aigger-Staubsauger noch auf der Verpackung heißt, sind die Dreckschleudern nicht. Testurteil: mangelhaft. Auch die Digitalkameras aus den Teleshops sind kein guter Kauf. Das Modell vom RTL Shop unterbietet sogar alles, was die Stiftung Warentest an Digitalkameras bisher getestet hat: Mangelhaft. Die Jenoptik von QVC und die Maginon von HSE24 sind etwas besser, aber nicht gut. Für 150 Euro gibt es im Einzelhandel und im Internet deutlich bessere Digitalkameras.

Keine Schnäppchen

Fazit: Die Teleshops liefern im Test bestenfalls Durchschnittsware. Schnäppchen sind nicht dabei. Manchmal aber teurer Schrott. Immerhin: Die Gesichtscremes machen diesmal keine Pickel. Sie sind annehmbar. Dass es bessere und billigere Produkte gibt, zählt für eingefleischte Teleshopper nicht. Es ist wohl die seltsame Faszination dieser Fernsehgemeinschaft von Kunden und Moderatoren, die Stammkäufer an ihren Teleshop bindet. Die Sender fördern das, indem sie zufriedene Kunden via Telefon ins Programm holen. Botschaft: Wir sind eine große Gemeinschaft und wir sind alle gut drauf. Walter Freiwald, Direktor Moderation bei RTL Shop, formuliert das so: Er liebe den Job, weil es „so schön menschelt“.

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