Sandra S.* ist Single und weiß, wann und wohin von ihrem Telefon angerufen wird. Ihre Telefonrechnung war ihr trotzdem ein Rätsel. Stadtgespräche für 9,40 Mark ­ in Ordnung. Der Betrag von 269 Mark für einen 0190-Dienst aber ­ "Kann nicht sein!"

Sie beschwerte sich und bestellte einen Einzelverbindungsnachweis (EVN). So sah sie den Zeitpunkt des seltsamen Gesprächs. Doch da war Frau S. beim Arzt, der das schriftlich bestätigte. Mit wem Frau S. gesprochen haben sollte, blieb unklar. Die letzten drei Ziffern der 0190-Nummer im EVN waren unkenntlich. Aus Datenschutzgründen darf die Telekom die volle Nummer nur nennen, wenn dies zuvor beantragt wurde.

Die Antwort der Telekom auf die erneute Beschwerde von S.: Es gebe keine Hinweise auf Störungen oder Rechnungsfehler. Frau S. möge zahlen. Zwei Briefwechsel später zahlte S. dann. Die Drohung, der Anschluss werde abgeklemmt, hatte gewirkt. Frau S. könnte klagen, doch auch vor Gericht sitzt die Telekom am langen Hebel. Meist wird dort zunächst von einer korrekten Telefonrechnung ausgegangen, wenn "keine Anhaltspunkte für technische Fehler vorliegen" (Landgericht Mainz, Az. 1 O 39/99). Hohe Rechnungsposten oder die Behauptung, jemand könnte den Anschluss manipuliert haben, reichen nicht, um diesen für die Unternehmen angenehmen "Anscheinsbeweis" zu erschüttern.

Der Fall von Frau S. wäre jedoch nicht chancenlos. Die Arztbescheinigung, ihr Singledasein und die Tatsache, dass sie kurz vor und kurz nach dem umstrittenen Telefonat keine anderen Gespräche geführt hatte, sprächen für sie und könnten wiederum die Telekom in Beweisnot bringen.

Einfacher ist für Frau S. ein Anruf bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Unter 0 30/22 48 05 00 wird geklärt, ob ein Fall nicht bequemer von der Schlichtungsstelle der Behörde behandelt werden könnte. Häufig sind die Unternehmen nach Anrufung des Schlichters kulant, fast immer kommt es zu einer Einigung.

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