Wenn es Ärger mit der Rechnung gibt, stehen Kunden meist hilflos da.

Abderahmane Boussaid traute seinen Augen nicht: 37,39 Euro für eine Handy-Verbindung in die Schweiz? „Die habe ich nie gewählt, ich kenne die Nummer gar nicht“, beschwerte er sich. Zumal es um eine Swisscom-Verbindung ging – und weder Boussaid noch sein Handy waren in die Schweiz gereist. Fünf Monate später dasselbe, wieder die Schweizer Nummer. „Möglich, dass sich das Handy von allein einwählte“, antwortete T-Mobile dem erbosten test-Leser. „Sechsmal an einem Tag, jedesmal mit vier präzisen Schritten durchs Tastenmenü?“, fragte er. Doch die Antwort waren nur phrasenreiche Standardbriefe. Erst als er einen Anwalt einschaltete, machte T-Mobile einen Rückzieher.

Wie ihm geht es vielen Kunden. Wer sich wehrt, bekommt es mit der geballten Arroganz der Telefonriesen zu tun. Sie setzen darauf, dass die Kunden keinen nervenaufreibenden Prozess anfangen, sondern die meist kleinen Beträge zahlen.

„Überhöhte Telefonrechnungen sind ein Hauptthema in unserer Rechtsberatung“, berichtet Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin. Als der Mitteldeutsche Rundfunk letztes Jahr 200 Rechnungen prüfte, war jede elfte fehlerhaft.

Peter Sobotka von der Firma TCS Moers, die für Firmen Telefonkosten prüft, berichtet: „Einer unserer Kunden, eine Baufirma, zahlte monatelang die Rechnung einer benachbarten Anwaltskanzlei.“ Besonders bei Handy­rech­nungen findet der Profi oft Fehler. So sollte ein Kunde für ein Telefonat von Argentinien nach Deutschland 5,18 Euro pro Minute zahlen. „Laut T-Mobile hätten es nur 2,99 Euro sein dürfen“, schimpft Sobotka. Pikanterweise lag ihm eine andere Rechnung vor, wo zur gleichen Zeit „nur“ 3,98 Euro berechnet wurden.

Im Festnetz hingegen seien Fehler eher selten, meint Olaf Wüllenrath, vereidigter Sachverständiger für Verbin­dungspreis­be­rechnung. „Am ehesten passiert das bei Billigvorwahlen oder Sondertarifen mit schnell wechselnden Preisen.“ Die Daten würden von Menschen ins System eingegeben, und dabei könne schon mal etwas danebengehen. Er rät, die Einzelverbindungsnachweise zu prüfen, stichprobenartig auch mal mit dem Taschenrechner.

Kosten durch versteckte Dialer

Viel häufiger sind Schäden durch Dialer und Premium-SMS. Als sich test-Leserin Katharina Knaak einen Treiber für ihre Grafikkarte aus dem Internet laden wollte, öffnete sich plötzlich ein Fenster der Intexus GmbH. Sofort klickte sie „Schließen“, doch das Fenster blieb, der Rechner stürzte ab. Ein Abzockerprogramm hatte sich eingeschlichen. 29,95 Euro standen auf der Rechnung. Auf ihren Einspruch reagierte die Telekom mit Mahnungen.

Dabei hatte das Unternehmen letztes Jahr werbewirksam der Regulierungsbehörde (RegTP) mitgeteilt, es werde kein Geld für Fremd­an­bieter einziehen, wenn der Kunde den Betrag bestreitet. Nun hieß es aber auf Anfrage von test, das gelte nur für Dialer, die über andere Netzbetreiber kommen, beispielsweise Talkline oder Arcor, nicht aber für Dialer, die vertraglich an die Telekom gebunden sind.

Katharina Knaak suchte daraufhin im Internet im Dialerverzeichnis der RegTP. Und siehe da: Die Behörde hatte dem Dialer die Zulassung entzogen. Auch wenn dagegen noch Rechtsmittel möglich sind, ist das ein Indiz. „Die Intexus ist eine Tochterfirma von mainpeam, über die sich oft Verbraucher beschweren“, weiß test-Redakteurin Isabella Eigner.

Vor Gericht hätte Katharina Knaak gute Aussichten. Denn bei illegalen Dialern ist die Rechtsprechung klar: Verbraucher müssen nicht damit rechnen, dass sich die tückischen Wählprogramme in harmlosen Dateien verstecken, entschied der Bundesge­richts­­hof. In diesem Fall hatte der Internetnutzer den Dialer sofort gelöscht. Den­noch hatte der die Netzwerkeinstellungen schon so verändert, dass sich der Computer unter einer teuren 0190-Nummer einloggte. Damit, so die Richter, konnte der Nutzer nicht rechnen. „So lange kein Verdacht vorlag, musste er nicht routinemä­ßig den Computer auf Dialer prüfen, Schutzprogramme einsetzen oder alle Mehrwertdienstenummern sperren“ (Az. III ZR 96/03).

Tipps: Hat sich ein Dialer eingenistet, ziehen Sie sofort das Internetkabel und machen Sie Bildschirmausdrucke. Wer den Internetzugang entbehren kann, sollte den Dialer nicht löschen. Das erleichtert die Beweislage. Unter www.regtp.de führt die RegTP eine Datenbank: Ist der Dialer nicht zugelassen, müssen Sie auch nicht zahlen. Dasselbe gilt für Dialer, die keine 0190- oder 09009-Nummer haben. Aber auch eine Registrierung bedeutet nicht, dass der Dialer gesetzeskonform ist. Der Anbieter muss nur versi­chern, dass das der Fall ist. Die Regulierungsbehörde prüft dies nicht. Außerdem dürfen Dialer maximal 2 Euro pro Minute und 30 Euro pro Anwahl im Blocktarif kosten. Nach einer Stunde müssen sie die Verbindung trennen. Weitere Tipps stehen unter www.test.de/specials. Sehr hilfreich ist auch www.dialerschutz.de.

Schäden durch Premium-SMS

„Die größte Gefahr, vor allem für Jugendliche, sind derzeit Premium-SMS“, berichtet Anke Kirchner, Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit solchen Premium-SMS können Kunden Handytöne und -logos laden oder an Flirt-Chats teilnehmen.

Geworben wird dafür in Jugendsendern und -zeitschriften – die Preise sind meist kaum erkennbar. Schlimmer: Oft wird verschleiert, dass schon das Abschicken einer einzigen SMS ein Abonnement auslöst, das Hunderte Euro kosten kann. Auch eine normale SMS wie: „Ich hab dich im Bus gesehen, will dich treffen!“, führt in die Kostenfalle. Wer antwortet, ist schon hineingetappt.

Die rechtliche Situation ist unsicher. Es gibt keine speziellen Gesetze und kaum Urteile. Auch die RegTP greift nicht ein. Dennoch sollten Betroffene sich wehren. „Der Beweis eines Vertragsabschlusses per SMS dürfte fast unmöglich sein“, erklärt der auf Telekommunikationsrecht spezialisierte Augsburger Rechtsanwalt Hagen Hild, der bundesweit Betroffene betreut. „Zum Beispiel müssen die Abzocker belegen, dass sie auf die Kosten oder auf den Abovertrag hingewiesen haben.“

Tipp: Gehen Sie zur Verbraucherzentrale. „Wenn wir uns einschalten, ziehen viele Anbieter zurück“, hat Anke Kirchner von der VZ-NRW beobachtet.

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