Telefonische Rechtsberatung Meldung

Der Weg zum Rechtsanwalt ist genau so weit wie bis zum nächsten Telefon. Der Bundesgerichtshof hat endgültig klar gestellt: Rechtsberatung per 0 190-Telefonhotline ist zulässig, obwohl das im Berufsrecht und in der Gebührenordnung für Rechtsanwälte nicht vorgesehen ist. Die Auskunft vom Anwalt ist schnell und bequem zu erreichen. Und kostspielig: 1,86 Euro je Minute sind bei den 0 190 8-Nummern fällig. Vorsicht: Komplizierte Fälle eignen sich nicht für die Telefonberatung. Hinzu kommt: Kein Anwalt kann jede Frage auf Anhieb beantworten. Und schließlich: Zuweilen ist die klassische Beratung beim Anwalt billiger als der Anruf bei der Hotline. Finanztest sagt, was Sie von der Rechtsberatung am Telefon erwarten können und wo Risiken lauern.

Ratlosigkeit bei Finanztest-Frage

Klar: Ungeeignet für den schnellen Rat vom Telefon-Anwalt sind alle Fälle, in denen es auf schriftliche Unterlagen ankommt. Beim Hotline-Anruf längere Passagen vorzulesen, ist nicht nur teuer, sondern birgt auch die Gefahr von Missverständnissen. Bei der Auslegung von Verträgen zählt jede Formulierung bis hin zum letzten Punkt. Doch auch bei überschaubaren Fällen müssen Rechtsanwälte zuweilen passen. Beispiel: Bei der Finanztest-Frage: „Fällt telefonische Rechtsberatung unter das Fernabsatzgesetz?“ blieb der Hotline-Anwalt ratlos. Richtig wäre ein klares Ja gewesen. Wichtige Folge: Der Telefon-Anwalt muss Anrufern bei Gesprächsbeginn Name und Adresse nennen und sie über die Kosten informieren.

Haftung auch am Telefon

Sinn macht die Hotline bei überschaubaren Fällen oder einfachen Fragen. Der Anwalt am Telefon ist dann genau so gut wie beim Kanzleibesuch. Kein Unterschied auch bei der Haftung: Bei Fehlern muss der Anwalt etwaige Schäden ersetzen - egal ob er telefonisch oder persönlich beraten hat. Allerdings muss der Anrufer den Lapsus nachweisen. Daher ist ratsam, mit Zustimmung des Anwalts jemanden mithören zu lassen.

Beratung mit Sparpotenzial

Bei den Kosten ist die Hotline meist im Vorteil, wenn sich die Frage in wenigen Minuten klären lässt. Doch schon nach gut 15 Minuten sind fast 30 Euro auf der Telefonrechnung. Dafür ist je nach Fall und Rechtsanwalt auch schon eine persönliche Beratung zu haben. Was eine Erstberatung tatsächlich kostet, lässt sich kaum vorhersagen. Die Gebührenordnung für Rechtsanwälte eröffnet einen großen Spielraum: Das Honorar für eine Erstberatung in einem Fall mit 2.000 Euro Streitwert bewegt sich zwischen 17,74 und 177,42 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Anwalt legt je nach Aufwand selbst fest, wie viel er tatsächlich kassiert. Sogar noch höhere Rechnungen sind möglich. Wenn allerdings der Anwalt mehr Geld will, als die Gebührenordnung hergibt, muss eine separate schriftliche Honorarvereinbarung vorliegen.

Gratis-Beratung ist möglich

Pluspunkt der Beratung gegen Rechnung: Wenn der Rechtsanwalt später tatsächlich Briefe schreiben oder gar Klage erheben soll, bleibt die Erstberatung kostenlos. Sie ist dann in den Gebühren insgesamt enthalten. Die Kosten für den Anruf bei der Anwalts-Hotline hingegen bleiben. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, einen Rechtsanwalt einzuschalten, sollte sich nicht erst an eine 0 190-Nummer wenden. Auch das gibts: Telefonberatung zum Pauschalpreis. Zahlreiche Anwälte bieten Telefonberatung auch ohne 0 190-Gebühren an. Beim Anruf in der Kanzlei kann der Preis für den schnellen Rat vereinbart werden. Auch per E-Mail bieten eine Reihe von Anwälten ihre Dienste an.

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