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Eine Box für alles: Surfen, VoIP- und Analog-/ISDN-Gespräche

Eine Box für alles: Surfen, VoIP- und Analog-/ISDN-Gespräche

Die Revolution kommt und die Verwirrung wächst: Voice-over-IP (VoIP) strukturiert den Telefonmarkt völlig neu - sagen die Anbieter von Internet-Telefonie. Was bringt mir die Revolution und was wird sich ändern? - fragen sich die klassischen Telefonnutzer. Und bei diesen Fragen bleibt es nicht: Brauche ich ein neues Telefon? Kann ich meine alte Nummer behalten? Wie installiere ich die Voice-over-IP-Box? test.de erklärt, wie die Begriffe VoIP, Analog/ISDN-Anschluss, PC und TAE-Dose zusammenhängen.

1. Voraussetzung: DSL

Um überhaupt das Internet zum Telefonieren nutzen zu können, muss erst einmal ein DSL-Anschluss her. Den gibts bisher nur zusammen mit einem Telefonanschluss (Blauer Pfeil vom Telefonanschluss zur VoIP-Box). Die DSL-Leitung transportiert in hoher Geschwindigkeit Daten vom Computer ins Internet und von dort zurück (Blaue Verbindung vom Telefonanschluss über die Box zum Computer). Wer über einen DSL-Anschluss verfügt, braucht auch einen so genannten Provider. Der sorgt dafür, dass die Daten über die High-Speed-Leitung transportiert werden. Provider berechnen entweder die Zeit, die jemand im Internet verbringt oder die Menge der Daten, die jemand aus dem Netz gezogen hat. Vielsurfer mieten sich häufig eine Flatrate. Das bedeutet: Surfen und Dateien runterladen rund um die Uhr für eine feste monatliche Gebühr.

2. Voraussetzung: Flatrate

DSL in Verbindung mit einem Flatrate-Tarif: Genau für diese Leute ist Internet-Telefonie interessant. Warum? Erstens haben sie sowieso eine DSL-Leitung, die notwendig ist für Internet-Telefonie. (Blaue Verbindung vom Telefonanschluss über die Box und blaugrüne Verbindung zum Telefon) Zweitens müssen sie für den Datenverkehr, der während des IP-Telefonierens entsteht, nichts zahlen. Denn sie haben eine Flatrate. Es geschieht vom Datentransfer also praktisch nichts anderes als beim Versenden und Empfangen von Mails oder beim Surfen mit dem Webbrowser (VoIP-Päckchen und Internet-Päckchen nehmen den gleichen Weg: Blaue DSL-Verbindung). Bei der Internet-Telefonie ist es aber mit den Gebühren für den Provider nicht getan. Für IP-Gespräche bezahlt der Nutzer im ungünstigsten Fall doppelt: für den Transfer der Daten (wie beim Surfen über die blaue Internet-Verbindung) und für die Gespräche (wie beim Telefonieren). Es sei denn, er hat eine Flatrate. Dann fallen die Kosten für den Datentransfer weg.

Analog statt ISDN

Firmen wie AOL werben für ihr VoIP-Angebot mit Slogans wie „Alles bleibt, wie es ist“. Es kann aus Sicht des Nutzers allerdings vorteilhaft sein, wenn nicht alles bleibt, wie es ist. So kann zum Beispiel eine Änderung des Telefonanschlusses (Beige TAE-Dose) sinnvoll sein. ISDN-Nutzer sollten über einen Wechsel zum Analog-Anschluss nachdenken. Dann zahlen sie weniger Grundgebühr. Manche hatten sich bisher für den teureren ISDN-Anschluss entschieden, weil damit ein Nutzer zugleich surfen und telefonieren konnte. Oder etwa zwei Leute gleichzeitig telefonieren konnten. Das geht nun mit der Kombination DSL, Analog und VoIP auch.

Mehr als einer

Nehmen wir an, ein Nutzer hat einen DSL-Anschluss mit Flatrate und einen Analog-Anschluss mit einem Telefon. Dann kann er gleichzeitig surfen (Blaue DSL-Verbindung) und telefonieren (Grüne Analog-Verbindung). Das geht bei ISDN zwar auch. Doch durch VoIP kommt eine weitere „Leitung“ hinzu (Blaue Analog-Verbindung). Dann können schon drei Leute parallel telefonieren und surfen. Beispiel: Das Kind surft über die DSL-Leitung. Der Vater telefoniert mit einem Gerät über das Internet, die Mutter mit einem Apparat über den Analog-Anschluss. VoIP-Interessierte sollten sich also überlegen, wie vielfältig sie eine VoIP-Lösung nutzen wollen, bevor sie sich für ein Internet-Telefonie-Angebot entscheiden.

Box für Telefon und PC

Am einfachsten ist eine All-in-One-Box (Orangefarbene VoIP-Box) wie etwa die AVM DSL Fritz! Box Fon. In ihr stecken ein DSL-Router und -Modem, ein VoIP-Adapter und Anschlüsse für Analog-Telefone.

  • DSL-Modem. Ist notwendig, um mit dem PC via DSL surfen zu können.
  • DSL-Router. Koordiniert das Surfen und Telefonieren auf der DSL-Leitung.
  • Analog/ISDN-Adapter. „Schleift“ die klassischen Telefon-Signale des Analog/ISDN-Telefons durch bis zur TAE-Buchse, wo üblicherweise das Telefon angeschlossen ist (Beige Dose). Das bedeutet: Das normale Telefon kann an die Box angeschlossen werden und funktioniert genauso wie vorher (Blaugrüne Verbindung).
  • PC-Anschluss. Box und PC werden mit einem Netzwerkkabel verbunden (Blaue Internet-Verbindung). Das Surfen im Internet über die Box funktioniert weiterhin wie gewohnt.

Freie Wahl

Diese Variante hat mehrere Vorteile:

  • All-in-one. Eine Box enthält alle wesentlichen Funktionen, die Sie als Surfer und Internet-/Analog-Telefonierer brauchen. Falls Sie ein Fan des kabellosen Surfens sind: Es gibt auch Boxen mit WLAN-Funktion.
  • Analog+VoIP. Sie sollten auf die Möglichkeit nicht verzichten, weiterhin auch analog telefonieren zu können. Denn sie bezahlen sowieso die Gebühr für den analogen Telefonanschluss. Und etwa bei der Wahl von Notrufnummern brauchen Sie die herkömmliche Variante. Über den VoIP-Anschluss können sie etwa 112 oder 110 nicht wählen. Welche Art der Telefonie sie nutzen wollen, entscheiden Sie entweder über die Box. Dort programmieren Sie beliebige Vorwahlen oder Nummern ein, die per VoIP vermittelt werden sollen. Bei manchen Boxen genügt sogar eine Ziffernfolge am Apparat zu wählen, der Sie dann entsprechend via Internet- oder Analog-Anschluss verbindet.
  • Synchron. Wenn Sie ein zweites Analog-Telefon an die Box klemmen, können zwei Leute gleichzeitig telefonieren: Der eine über den Analog-Anschluss, der andere via Internet.
  • Computer. Sie müssen den PC nicht anschalten, wenn Sie über die Box Internet-Gespräche führen wollen. Das Surfen funktioniert so, wie Sie es gewohnt sind (Blaue Internet-Verbindung).
  • Telefonnummer. Sie sind nach wie vor unter ihrer bisherigen Telefonnummer erreichbar. Allerdings bekommen Sie von ihrem VoIP-Anbieter eine Internet-Telefonnummer. Die müssen alle Anrufenden immer dann wählen, wenn Sie via VoIP mit Ihnen telefonieren wollen. Das ist etwa dann von Nutzen, wenn der Anrufer beim gleichen VoIP-Anbieter angemeldet ist wie der Angerufene. Denn diese Gespräche sind kostenlos.

Selbst wenn Interessierte die bestmögliche Variante gefunden haben, sollte ihnen klar sein: Die Sprachqualität ist besten Fall gerade mal so gut wie beim Handy. Dazu kommen des öfteren Einwahlprobleme.

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