Übers Internet statt übers Festnetz zu telefonieren, kann kräftig Kosten sparen. Es funktio­niert nicht nur mit Computer, sondern auch mit Telefon und Zubehör. Nur eine glasklare Ton­qualität gibt es noch nicht.

Warum sollte jemand plötzlich anfangen, über das Internet zu tele­fonieren? Schon jetzt blickt im Dickicht von Telefonanbietern und Tarifen kaum jemand durch. Und doch, irgendwas muss dran sein an der Technik, die auf Englisch Voice over Internet Protocol (VoIP, Stimme über Internetprotokoll) heißt. Jeder zehnte Erwachsene plaudert bei uns schon über das Internet, und es werden immer mehr. Ihre Gründe: Günstige Alternativen zum Festnetz finden, damit zum Beispiel telefonwütige Kinder nicht weiter die Telekom-Rechnung in die Höhe treiben. Außerdem sind VoIP-Nutzer über ihre Internet-Rufnummer weltweit überall erreichbar.

Mit einer Nummer um die Welt

Tatsächlich können Dienstreisende oder Urlauber über die VoIP-Nummer trotz zum Beispiel Hamburger Vorwahl – wo immer sie gerade sind, sagen wir in Rom oder Rio de Janeiro – kostenlos anrufen und angerufen werden. Dazu brauchen sie nur einen PC mit Telefon-Software und einen Zugang zum Internet. Diese Möglichkeit nennt man nomadische Nutzung. Bei vielen Softphones kann anstelle einer Telefonnummer auch über einen Benutzernamen kommuniziert werden.

Plaudern für 0 Cent?

„Andere überall auf der Welt kostenlos anrufen. Unbegrenzt“ – so wirbt zum Bei­spiel Skype, die Telefondienst-Tochter von ebay, für sich. Für Tele­fonate zu anderen „Skypern“ stimmt der Slogan. Aber nur für sie. Für andere Gespräche muss jedoch gezahlt werden: Ins Festnetz verlangt Skype 2 Cent pro Minute, in Mobilfunknetze 23 Cent. Damit ist Skype etwas günstiger als der klassische Telekom-Tarif: Mit ihm kosten Ferngespräche in der Woche je nach Tageszeit 3,3 bis 5,5 Cent, aufs Handy bis zu 25,6 Cent (siehe auch Testergebnisse auf der linken Seite).

Der Skype-Vorteil schmilzt also, je mehr ins Festnetz oder auf Handy telefoniert wird. Bei vielen solcher Gespräche zahlt ein Kunde des VoIP-Anbieters Strato deutlich weniger: Unser Tarifvergleich ergab, dass er gegenüber dem klassischen Telekom-Kunden die Hälfte sparen kann (siehe Tabelle „VoIP-Tarife“). Es lohnt sich also zu vergleichen, bei welchem der insegsamt über 50 VoIP-Anbieter Telefonate wirklich günstig zu haben sind.

In der Regel gilt: Kostenlos plaudern können Nutzer desselben Anbieters. Auch Anrufe in Partnernetze gibts für 0 Cent. Kostenpflichtig dagegen sind Telefonate ins Festnetz oder Mobilfunknetz. Die oft lästige Suche nach Billig-Vorwahlen (Call by Call) entfällt.

Nicht ohne DSL

Mit den VoIP-Gebühren allein ist es aber nicht getan. Auch die Kosten für ­einen schnellen Internetzugang (DSL) müssen einkalkuliert werden. Der ist ein absolutes Muss, denn mit VoIP werden Te­le­fonate in Datenpakete zerlegt, als Bits und Bytes auf die Reise geschickt. Damit alle Worte zügig beim Gesprächspartner ankommen, empfiehlt sich ein Breitbandanschluss mit einer Down­load-Geschwindigkeit von zwei Megabit pro Sekunde (DSL 2000). Dann kann man beim Reden gleichzeitig surfen. Die meisten Anbieter stellen ihn für rund 20 Eu­ro im Monat zur Verfügung. Viel­tele­­­­fonierer fahren mit einer unbe­schränk­­ten Flatrate, also ­einem monat­lichen Pauschaltarif, am besten.

Mit PC oder Telefon

Unabhängig vom Anbieter: Wie funktioniert Internet-Telefonie eigentlich? Eine Möglichkeit besteht darin, eine Telefon-Software wie Skype auf dem Computer zu installieren. Oder aber es wird ein Festnetz-Telefon oder ein Internet-Telefon mit den entsprechenden Adaptern und Routern angeschlossen (siehe Grafik). Unser aktueller Test zeigt, dass die Übertragung der Gespräche übers Internet im Vergleich zum Vorjahr insgesamt stabiler geworden ist (siehe test 8/05: Internet-Telefonie).

Installation nichts für Laien

Dagegen war die Installation der meisten Adapter und Telefone wie im Vorjahr alles andere als einfach. Selbst unsere technisch geübten Prüfer hatten oft Probleme, die getesteten Apparate zum Laufen zu bringen: Mal fehlte die Anleitung, mal war nichts vorinstalliert, die Hilfesuche im Internet zeitraubend und gefundene Infos ein Kauderwelsch aus Englisch und Technik. Kurz, eine Zumutung für jeden Laien. Im Prüfpunkt Handhabung hagelte es darum schlechte Noten für die Geräte von Grandstream, Linksys und UTStarcom. Schnell herunterladen und einrichten ließen sich immerhin die Telefon-Softwares im Test: Freenet, Nero und Skype.

1. „Skype“ doch mal: VoIPen über den PC

Telefon-Software, auch Softphone genannt, lässt sich meist kostenlos aus dem Internet herunterladen. Gehört und gesprochen wird in der Regel über ein Headset, einen Kopfhörer mit Mikrofon. Großer Schwachpunkt der Softphones ist ihre selten zufriedenstellende Tonqualität. Die Übertragung der Sprachsignale dauerte beim Probetelefonieren zehnmal länger als über Festnetz, im Schnitt 250 Millisekunden. Das behindert spürbar den Gesprächsfluss. Vor allem Telefonate über Skype beschrieben die Testpersonen als unruhig, dumpf und abgehackt.

Trotzdem gilt Skype als das angesag­teste Softphone. Weltweit nutzen es schon 70 Millionen Menschen. Kein Wunder, dass „Skypen“ als Synonym für die Internet-Telefonie benutzt wird. Im Vergleich zu den anderen beiden Softphones im Test, Freenet und Nero, bietet Skype allerdings keine kostenlosen Anrufe in Partnernetze.

Wer mag, kann über alle drei Programme Videotelefonie nutzen und so von seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Welt gesehen werden. Dazu muss er nur eine kleine Kamera (Webcam) nah am Bildschirm befestigen und über eine Software auf dem Rechner installieren.

Fazit: Softphones eignen sich als Ergänzung zum Festnetz, vor allem für Leute, die oft online sind. Viele sprechen so auch günstig mit Freunden im Ausland. Für Vieltelefonierer scheinen sie weniger geeignet: Die Headsets und Hörer im Test waren nicht wirklich komfortabel. Außerdem muss der Computer immer laufen (Kosten für den Strom einkalkulieren!).

2. Aus Alt mach neu: VoIPen übers Festnetz-Telefon

Sogar mit einem klassischen Telefon kann man Voice over IP nutzen. Dazu muss es an einen VoIP-Adapter angeschlossen werden, der mit einem DSL-Router verbunden ist. Beide Geräte gibt es auch kombiniert, zum Beispiel in Form der Fritz!Box von AVM. Die elegante Box bietet eine Menge an Anwendungsmöglichkeiten und ist leicht zu handhaben. Dagegen ist die Telekommunikationsanlage von DeTeWe eher etwas für Profis. Gute Noten gabs auch für das Dect-Telefon Gigaset C450 IP von Siemens. Seine Besonderheit: Es lässt sich als Festnetz- und als Internet-Telefon verwenden.

Fazit: Eine komfortable Lösung, um ohne Computer zu telefonieren. Sie funktioniert aus praktischen Gründen am einfachsten mit einer Flatrate: Wer jederzeit über VoIP telefonieren will, muss immer online sein. Sie ist für den klassischen Telefonierer geeignet, der sparen will und bei der Sprachqualität leichte Abstriche in Kauf nimmt. Die Adapter und Router sind sehr unterschiedlich ausgestattet. Deshalb sollte man die Anschlussmöglichkeiten vor dem Kauf prüfen. Viele VoIP-Anbieter geben die Geräte bei Vertragsschluss verbilligt oder kostenlos dazu.

3. Weniger Geräte: VoIPen übers Internet-Telefon

Wer sich ein spezielles Internet-Telefon zulegt, braucht nur noch einen DSL-Router. Das Grandstream Budge-Tone 102 im Test konnte jedoch nicht überzeugen: wuchtig, umständliche Bedienung und keine bessere Tonqualität als normale Telefone. Das teure WLAN-Telefon von UT Starcom konnte erst nach sehr langem Herumtüfteln zum Laufen gebracht werden. Für die Handhabung und auch die Tonqualität gabs nur „ausreichend“.

Fazit: Diese Lösung scheint am wenigsten ausgereift. Nur das Siemens Gigaset C450 IP erzielte im Test gute Ergebnisse. Wer auf diesem Weg ins Internet telefoniert, sollte sich eine Flatrate zulegen.

In Zukunft ganz ohne Festnetz?

Wer über die DSL-Leitung surft und telefoniert, braucht im Grunde kein Festnetz mehr. Weil aber die Trennung von Telefon- und DSL-Leitung, die Entbündelung, bei uns nur schleppend vorankommt, bezahlen die meisten VoIPer noch für einen Festnetzanschluss (zum Beispiel T-Com analog ab 15,95 Euro). Breitband getrennt vom Telefon bieten erst einige wenige Firmen an, wie Broadnet, QSC, Tiscali. Ihre VoIP-Flatrates kosten etwa genauso viel wie die Grundge­bühren der Telekom für Telefon und DSL 1000 zusammen (33 Euro).

Konkurrenz droht dem Festnetz auch von seiten der Kabelbetreiber, die Telefon, Fernsehen und Internet gebündelt anbieten (siehe Triple Play), wenn auch vorerst nur in bestimmten Regionen. Die Zukunft von VoIP bleibt spannend. Vor allem dann, wenn es der Technik gelingt, die Sprachqualität zu steigern. Wer die Stimme des anderen authentisch hören will, wird sich mit dem jetzigen Niveau nicht zufriedengeben.

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