Telefonieren übers Internet Test

Kostenlos telefonieren – überall auf der Welt: In der Werbung klingt Telefonieren übers Internet einfach sagenhaft. Ein Computer, ein schneller Internetzugang und ein Telefonprogramm öffnen die Tür zum Schlaraffenland. Die Anbieter heißen Skype, sipgate, PURtel und Co. Noch komfortabler werden die Gespräche durch Internet-Telefone und IP-Adapter. Sie ersetzen den PC. Die Stiftung Warentest hat drei Programme und zehn Geräte zum Telefonieren via Internet getestet. Ergebnis: Im Alltag verliert das Telefonieren via Internet seinen märchenhaften Reiz. So gut wie im Festnetz klingen die Gespräche nämlich nicht, und kostenlos sind sie nur selten. Trotzdem ist die Technik interessant. test.de zeigt Stärken und Schwächen von Voice over IP.

Technik der Zukunft

Es ist die Technik der Zukunft: Telefonieren übers Internet – Voice over Internet Protocol, kurz: VoIP. Weil das Internet immer schneller und leistungsfähiger wird, laufen heute auch Telefongespräche und Videokonferenzen über das Netz. Computer oder IP-Telefone wandeln das gesprochene Wort in Daten um, packen daraus kleine Pakete und verschicken sie über das Internet. Der Computer oder das IP-Telefon des Empfängers sammelt die Pakete und setzt sie wieder in Sprache um. Vorteil von Voice over IP: Die Gespräche sind günstig. Es braucht nur noch ein Netz zum Telefonieren und Surfen. Wer im Internet telefoniert, ist überall erreichbar: ob London, New York, Sidney, Tokio, Moskau oder Berlin. Überall wo es Internet gibt. Praktisch rund um den Globus. Irgendwann könnte das Internet die klassischen Telefonnetze ganz ersetzen.

Interne Gespräche kostenlos

Die einfachste Variante der Internettelefonie ist das Telefonieren über den PC. Ein Telefonprogramm und ein Headset aus Kopfhörer und Mikrofon machen den Computer zum Telefon. Jeder zehnte Deutsche nutzt das Verfahren bereits. Die Software gibt es kostenlos im Internet. Die Teilnehmer eines VoIP-Dienstes wie Skype, sipgate, freenet, web.de oder gmx telefonieren untereinander sogar kostenlos. Auch die Gespräche in Partnernetze sind frei. So kooperieren etwa freenet, sipgate, SIP-phone.com, Strato und web.de. Für die Gespräche zu herkömmlichen Telefonanschlüssen berechnen die Anbieter ein bis zwei Cent pro Minute. Internetgespräche zu Mobiltelefonen kosten bis zu 25 Cent. Bei einigen Anbietern kommt noch eine Grundgebühr dazu: rund drei bis zehn Euro im Monat. Bei Strato gibts einen Pauschaltarif: unbegrenzt telefonieren für 39,90 Euro.

Teurer als Call-by-Call

Unter dem Strich sind die Internetgespräche billiger als der Standardtarif der Telekom, aber teurer als ein Call-by-Call-Gespräch. Interessant ist die Internettechnik dagegen für Globetrotter und Handelsreisende. Voice over IP bietet neue Möglichkeiten. So sind VoIP-Kunden auf Wunsch weltweit unter ihrer Rufnummer erreichbar – egal wo sie sind. VoIP funktioniert auch vom Handy: zumindest mit einem Smartphone oder Pocket-PC. Voraussetzung: Ein W-LAN-fähiges Handy oder ein Pocket-PC mit dem Betriebssystem Windows Mobile, ein passendes Telefonprogramm und ein so genannter Hotspot – eine öffentliche Internetverbindung mit drahtloser Übertragung. Beispiel: Wer mit seinem W-LAN-Notebook oder Pocket-PC am Frankfurter Flughafen sitzt, kann über den dortigen Hotspot und seinen VoIP-Anbieter kostenlos mit New York telefonieren.

Komfortabler mit Telefon

Komfortabler als über den PC funktionieren die Gespräche allerdings mit einem Internet-Telefon oder einem IP-Adapter. Sie ersetzen PC und Telefonprogramm. Über den IP-Adapter lassen sich normale Festnetztelefone ans Internet anschließen. Vorteil: Sie sind jederzeit erreichbar – auch wenn der PC nicht läuft. Ein Problem ist jedoch die Installation des Adapters selbst. Die Stiftung Warentest untersuchte zwei Modelle von Grandstream und Linksys. Bei Grandstream fehlten Informationen. Linksys lieferte die Anleitung nur auf Englisch. Verwirrend ist sie obendrein. Für Anfänger eine Zumutung. Erst nach der Installation taugen die Adapter auch für Laien. Viel besser ist die AVM Fritz! Box Fon WLAN. Sie kombiniert DSL-Anschluss, W-LAN-Router und IP-Adapter. Analoge Telefone und ISDN-Geräte können direkt angeschlossen werden. Handhabung einfach – auch für Laien.

Nur Siemens ist gut

IP-Telefone brauchen keinen Adapter: Sie werden direkt an den Router oder das DSL-Modem angeschlossen. Im Test: zwei Modelle von Siemens und UTStarcom (schnurlos) und ein kabelgebundenes Telefon von Grandstream. Nur das Siemens Gigaset C450 IP überzeugt. Das schnurlose Telefon funktioniert im Festnetz und im Internet. Gute Wahl für beide Netze. Preis: etwa 100 Euro. Das WLAN-Telefon von UTStarcom klingt dagegen unruhig. Es setzt oft aus. Das Grandstream BudgeTone ist klobig und wenig komfortabel. Mittlerweile gibt es übrigens schnurlose Telefone, die im Festnetz, im Internet und als Handy funktionieren. Die Deutsche Telekom wirbt derzeit für ihr Modell Sinus TC300.

Schlechter als Festnetz

So gut wie ein Festnetzgespräch ist der Plausch übers Internet aber noch nicht. Vor allem die Gespräche über den PC klingen eher rauschig und dünn. Am schlechtesten funktioniert die Übertragung mit Skype – dem beliebtesten Angebot in Sachen Internet-Telefonie. Das Telefonprogramm der Ebay-Tochter klingt unruhig, dumpf und abgehackt. Doch auch VoIP-Adapter, VoIP-Telefone und VoIP-TK-Anlagen reichen nicht an die Sprachqualität im Festnetz heran. Ein Grund ist die Zeitverzögerung bei der Übermittlung. Im Internet brauchen die Sprachpakete im Schnitt 250 Millisekunden bis zum Empfänger. Das Festnetz ist zehnmal schneller: Es transportiert die Information in nur 25 Millisekunden von Telefon zu Telefon. Hier muss das Internet noch aufholen.

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