Telefonieren ohne Geld Meldung

Früher bekannt, dann lange vergessen: das R-Gespräch. Moderne Call-by-Call-Anbieter haben das alte Angebot neu aufgelegt. Nicht der Anrufer zahlt, sondern der Angerufene. Kostenlos telefonieren heißt das ganz modern. Aus dem R-Gespräch ist ein R-Talk geworden. Mit saftigen Preisen: Der Angerufene zahlt bis zu 1,50 Euro pro Minute. test.de zeigt die Stärken und Schwächen der neuen Angebote.

R wie Rückwärts

“Der Telefonhit aus den USA jetzt endlich auch in Deutschland.“ So wirbt der Anbieter 01058-Telecom für seinen R-Talk. Eine Wiederauflage des alten R-Gesprächs. R steht für „reverse charged“. Auf deutsch etwa: rückwärts berechnet. Für das Gespräch zahlt nicht der Anrufer sondern der Angerufene. Vorausgesetzt er stimmt zu. „Ein R-Gespräch für Sie“, meldete früher das Fräulein vom Amt. „Möchten Sie annehmen?“, fragt heute ein Computer.

Zustimmung per Tastendruck

Moderne R-Gespräche werden automatisch vermittelt: Der Anrufer wählt eine kostenlose Servicenummer mit der Vorwahl 0800. Das funktioniert von jedem Telefon. Auch von Handys und aus Telefonzellen. Einzige Bedingung: Das Telefon muss auf Tonwahl geschaltet sein. Es piepst bei jedem Tastendruck. Unter der Servicenummer meldet sich ein Computer mit Sprachmenü. Der Anrufer gibt die gewünschte Rufnummer mit Vorwahl ein und nennt seinen Namen. Der Computer wählt die gewünschte Rufnummer und kündigt das R-Gespräch an. Wenn der Angerufene den Anruf annehmen will, drückt er die „1“, und die Teilnehmer werden verbunden. Der Preis für das Gespräch wird auf die Telefonrechnung des Angerufenen gebucht.

Mondpreise aus der Telefonzelle

Ein teures Vergnügen. Zumindest beim R-Talk von 01058-Telecom. Ein R-Talk aus der Telefonzelle kostet den Angerufenen stolze 1,50 Euro pro Minute. Ein R-Talk vom Handy ist ebenso teuer, und vom Festnetz kostet das Gespräch immerhin noch 0,48 Euro pro Minute. Bis Mitte August 2003 waren die Gespräche über R-Talk sogar noch teurer. Der Anbieter berechnete die Gespräche pro Sekunde. Beispiel: 2,9 Cent für jede Sekunde vom Handy ins Festnetz. Minutenpreis somit: 1,74 Euro.

Gut fürs Ausland

Vorteil des teuren Angebots: R-Talk funktioniert auch aus dem Ausland. 24 Länder sind derzeit im Angebot. Gut für Familien mit älteren Kindern. Die globetrottenden Jugendlichen können zuhause anrufen: ohne Kleingeld, ohne Telefonkarte. Die Eltern zahlen. Mehr als ein kurzes Hallo ist allerdings teuer: Auch der Anruf aus dem Ausland kostet bei R-Talk 1,50 Euro pro Minute. Bis Mitte August sogar 1,74 Euro.

Deutschland Direkt

Auch die Deutsche Telekom bietet R-Gespräche an. Mitunter sogar billiger als die private Konkurrenz. Der Dienst heißt Deutschland Direkt. Er funktioniert innerhalb Deutschlands und aus dem Ausland. Preis: 3,99 Euro für die Vermittlung durch einen Operator plus Minutenpreis. Innerhalb Deutschlands ist auch die automatische Vermittlung über den Computer möglich. Preis: 2,50 Euro pro Verbindung. Minutenpreis – je nach Land – 0,29 bis 1,64 Euro. Ein 5-Minuten-Gespräch aus Spanien kostet mit Deutschland Direkt 6,49 Euro. Der private Anbieter 01058-Telecom kassiert für den R-Talk aus Spanien 7,50 Euro.

Billiger als der Standardtarif

Deutlich billiger sind R-Gespräche bei 01058-Collect Call. Minutenpreis ab 20 Cent. Das Angebot gilt aber nur innerhalb Deutschlands. Für Anrufe aus der Telefonzelle ist es die bessere Wahl: Statt 1,50 Euro bei R-Talk, kostet der Anruf mit 01058-Collect Call nur 80 Cent pro Minute. Dabei ist der Anbieter derselbe: 01058-Telecom. Der Konkurrent 01081-Telecom hat seinen R-Gesprächsdienst inzwischen eingestellt. Schade, denn die R-Gespräche über 01081-Collect Call waren viel günstiger. Ein Ferngespräch zwischen zwei Festnetztelefonen in Deutschland kostete 5 Cent pro Minute. Billiger als der Standardtarif der Telekom.

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