Ab 1. April 2001 riskieren Autofahrer ein Bußgeld, wenn sie mit dem Handy am Ohr umherfahren. Richtig teuer kann es werden, wenn Quasselstrippen einen Unfall bauen.

Österreich hat seine Erfahrungen bereits gemacht: Seit Mitte 1999 zahlen Autofahrer, die während der Fahrt mit dem Telefon in der Hand erwischt werden, umgerechnet 43 Mark Bußgeld. Doch so richtig will das Verbot nicht wirken. Die Zahl der Nutzer von Freisprechanlagen ist gering geblieben und selbst der frühere österreichische Verkehrsminister Michael Schmid, der seinerzeit das Verbot einführte, wurde schon mit dem Handy am Steuer ertappt.

Neuregelung in Deutschland

Düstere Erfolgsaussichten also für das Handyverbot hierzulande, denn auch die novellierte deutsche Straßenverkehrsordnung sieht mit 60 Mark eine milde Buße vor. In Polen kostet die Plauderei am Steuer hingegen umgerecht bis zu 2.250 Mark, in England können sogar 7.500 Mark fällig werden.

Nicht nur plaudern ­ auch das Verschicken von Textmitteilungen oder gar das Handy-Surfen im Internet ist tabu. Im Auto gehören die Hände ans Steuer. Das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung oder Headset und Handyhalterung bleibt daher erlaubt. Für Motorradfahrer gilt das Verbot natürlich auch, ebenso für Radfahrer, die aber nur 30 Mark zahlen müssen.

Kaskoschutz gefährdet

Wer aufs Bußgeldrisiko pfeift ("nur 60 Mark..."), denkt nicht weit genug: Quasselstrippen gefährden nicht nur andere Verkehrsteilnehmer, sondern riskieren in der Teil- oder Vollkasko auch ihren Versicherungsschutz. Viele Versicherer zahlen nicht für Schäden am eigenen Auto, wenn Fahrer Unfälle durch grobe Fahrlässigkeit verursacht haben. Verkehrsrowdys sollten bedenken, dass Richter im Strafverfahren ­ etwa nach einem heftigen Verkehrsunfall ­ sogar die Offenlegung der Telefondaten vom Handy-Netzbetreiber verlangen dürfen.

Streitfälle um den Kaskoschutz bei unachtsamen Fahrern sind bereits häufig zu Ungunsten des Versicherten entschieden worden. So musste ein Fahrer nach einem Unfall trotz Versicherung selber zahlen, weil er hektisch nach einem Handy auf dem Beifahrersitz gegriffen hatte (OLG Düsseldorf, Az. 10 U 213/95). Auch einem Lkw-Fahrer, der durch ein Telefonat so abgelenkt war, dass er eine Ampel übersah und in den Querverkehr rauschte, bescheinigten die Richter grobe Fahrlässigkeit (BAG, Az. 8 AZR 221/97).

Haftpflichtschutz bleibt

Nicht bangen müssen Handysünder aber um ihre Haftpflichtversicherung. Die muss den Schaden des Unfallgegners auch bei grober Fahrlässigkeit des Telefonierenden zahlen. Der Versicherer kann sich das Geld beim Unfallverursacher nur dann zurückholen, wenn der Fahrer eine so genannte Obliegenheitsverletzung begangen hat. Dazu gehört beispielsweise Alkohol am Steuer ­ nicht hingegen das Telefonieren während der Fahrt.

400 Meter Blindfahrt

Unabhängig von Bußgeld und Versicherungsärger: Autofahrer sollten bedenken, dass Telefonieren die Unfallgefahr rapide erhöht. Untersuchungen der Zeitschrift test haben ergeben, dass Fahrer selbst beim Eingeben der Telefonnummer an einer Freisprechanlage über 14 Sekunden lang abgelenkt sind. Bei Tempo 100 heißt das: rund 400 Meter Blindfahrt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 432 Nutzer finden das hilfreich.