Telefonieren, Surfen, Fernsehen Test

Telefonieren, Surfen und Fernsehen aus einer Hand: Mit Tarifpaketen umwerben Telefon- und Kabelnetz­betreiber Kunden. Nicht alle Angebote zahlen sich aus.

Ein Ansprech­partner, eine Rechnung, ein Tarif – das klingt verlockend. Der Marketing­name solcher Sammel­angebote für Fest­netztelefonie, Internet­zugang und Fernsehen heißt Triple Play.

Wir haben uns Drei-in-eins-Tarife über­regionaler und regionaler Anbieter angesehen. Die Gesamt­kosten für ihre Mindest­lauf­zeit von 24 Monaten betragen zwischen 664 und 2 254 Euro. Kein Provider weist diese Gesamt­kosten aus. Meist werben sie mit monatlichen Grund­preisen. Die decken aber nicht alle Ausgaben und enthalten oft kurz­zeitige Rabatte. Wir haben berechnet, was auf Kunden finanziell wirk­lich zukommt. Nicht jedes Paket lohnt sich im Vergleich zu Einzel­verträgen.

Für einige besonders interes­sant

Spannend ist Triple Play vor allem für Kunden, die bisher über Kabel oder Internet fernsehen. Wer via Satellit oder Antenne in die Flimmerkiste guckt und bereits in die dazu erforderlichen Geräte investiert hat, macht mit einem Dreifach­paket Miese. Schließ­lich kann er seine Sat-Anlage nutzen, ohne eine Gebühr zahlen zu müssen. Das neue DVB-T2-Antennen­fernsehen kostet maximal 5,75 Euro im Monat. Bei den Drei-in-eins-Paketen kann die Grund­gebühr fürs Fernsehen dagegen monatlich bis zu 10 Euro betragen.

1. Telefonieren. Anrufe im deutschen Fest­netz sind inklusive.

1. Telefonieren. Anrufe im deutschen Fest­netz sind inklusive.

2. Surfen. Ein Internet­zugang gehört zum Paket. Hier zählt Tempo.

3. Fernsehen. Über 100 Sender sind bei den meisten Tarifen üblich. Die Extras machen den Unterschied.

Kann ich zu jedem beliebigen Anbieter wechseln?

Nein, nur die DSL-Tarife von 1 & 1, Telekom und Vodafone sind bundes­weit verfügbar. Alle anderen lassen sich ausschließ­lich für bestimmte Regionen buchen – auch die Tarife der Kabelnetz­betreiber. NetCologne etwa versorgt den Raum Köln/Bonn, M-Net ist in München und in Teilen Bayerns aktiv, EWE Tel unter anderem in Nieder­sachsen, Bremen und Brandenburg. Vodafone bietet seine Kabelnetz-Tarife in 13 Bundes­ländern an, aber nicht in Hessen, Nord­rhein-West­falen und Baden-Württem­berg, wo Unitymedia Platz­hirsch ist. Tele Columbus kümmert sich unter anderem um die östlichen Bundes­länder sowie um Nieder­sachsen und Teile von Nord­rhein-West­falen.

Was ist schneller: Empfang per DSL oder per Kabel?

Der Weg übers Kabelnetz ist der schnellste: Daten lassen sich mit bis zu 400 Megabit pro Sekunde empfangen. Bei DSL und dem schnel­leren VDSL sind maximale Download­geschwindig­keiten von 50 oder 100 Megabit pro Sekunde üblich. Heute bringen Kabelanbieter nicht nur Fernsehen ins Haus, sondern über einen Breitband­kabel­anschluss auch Telefon und Internet. Die Telefon­provider trans­portieren die Daten via DSL-Technologie per Telefon­anschluss. Bei vergleich­barer Surf­geschwindig­keit sind die Tarife regionaler DSL-Provider etwas teurer. Schnäpp­chenjäger sollten sich auf die bundes­weiten DSL-Anbieter und auf die Kabelnetz­betreiber konzentrieren.

Wie viel Geschwindig­keit brauche ich?

Ein hohes Tempo ist vor allem beim Surfen im Internet und bei HD-Fernsehen übers Netz wichtig. Für Normalnutzer reichen 50 Megabit pro Sekunde völlig aus. Zwei Personen können gleich­zeitig einen HD-Film auf zwei Fernsehgeräten ansehen, ein dritter kann übers Internet ein Video streamen. Es wird nur eng, wenn jemand ein 4k-Youtube-Video in bester Qualität streamen will. Laut Youtube werden dafür allein 50 bis 60 Megabit pro Sekunde fällig. In Haushalten, in denen mehrere Personen gleich­zeitig viele Daten herunter­laden, ist eine höhere Über­tragungs­rate angebracht. Wie schnell Ihre Leitung aktuell ist, können Sie unter breitbandmessung.de messen.

Wichtig: Fragen Sie vor der Entscheidung für einen Tarif beim Anbieter Ihrer Wahl nach, wie viel Geschwindig­keit Ihr Anschluss zulässt. Sind das nur 50 Megabit, ist ein 200-Megabit-Tarif sinn­los. Etliche Anbieter zeigen auf ihrer Internetseite nach Eingabe der Wohn­adresse an, welche Tarife für Sie infrage kommen.

Worauf muss ich achten, um nicht auf ein Lock­angebot herein­zufallen?

Auf ihren Internet­seiten werben die Anbieter mit einem monatlichen Grund­preis, der jedoch meist nicht über die gesamte zweijäh­rige Mindest­lauf­zeit gilt. Oft gewähren sie in den ersten sechs oder zwölf Monaten einen attrakti­veren Preis, erhöhen ihn dann aber für die restliche Lauf­zeit. Bei Tele Columbus ist das besonders gravierend: Der Tarif 3er Kombi 400 kostet im ersten halben Jahr rund 30 Euro pro Monat, anschließend 100 Euro pro Monat.

Stimmt es, dass Fernsehen monatlich 10 Euro extra kostet?

Das hängt vom Tarif ab. Bei einigen ist der TV-Empfang inklusive, bei anderen kommt zum Grund­preis für Telefonie und Internet eine monatliche Fernsehpauschale von bis zu 10 Euro hinzu. Und es können weitere Zusatz­kosten entstehen. Zum Fernsehen ist oft ein Receiver des Anbieters notwendig – bei DSL-Tarifen in jedem Fall. Der ist jedoch nicht immer im Tarif enthalten. In einigen Tarifen kostet er zwischen 5 und 10 Euro Miete im Monat. Prüfen Sie, ob sich ein eigener Receiver nutzen lässt.

Ärgerlich: Ein Receiver versorgt nur einen Fernseher. In Haushalten mit mehreren Fernsehgeräten braucht jedes einen eigenen Empfänger – das wird teuer.

Wie viele Fernsehsender kann ich mit den Tarifpaketen empfangen?

Die meisten Tarife ermöglichen den Zugriff auf über 100 Sender. Bei Unitymedia 3play Fly sind es sogar 167, davon 60 in hoher Auflösung (HD). Bei vielen Anbietern kosten private HD-Sender wie Pro7, RTL und Sat.1 zusätzlich. Pay-TV-Kanäle und Spartensender lassen sich dazu­buchen. Einige Anbieter wie Telekom und Vodafone werben mit Zusatz­funk­tionen, wie dem Zugriff auf ihre kosten­pflichtigen Video­theken. Bei der Telekom lassen sich ausgewählte Sendungen bis zu sieben Tage später noch ansehen – unabhängig von den Sender-Mediatheken. Die meisten Provider eröffnen über den Fernseher auch einen Zugang zu Mediatheken.

Wichtig für Mieter: Prüfen Sie, ob Sie den TV-Anbieter über­haupt frei wählen dürfen. Viele Wohnungs­baugesell­schaften schließen lang­fristige Verträge mit einem bestimmten Provider. Zahlen Sie nicht doppelt!

Kann ich kostenlos in alle Netze telefonieren?

Nein. Im deutschen Fest­netz telefonieren Triple-Play-Kunden gratis. Gespräche vom Fest­netz ins Mobil­funk­netz kosten bis zu 21,9 Cent pro Minute, das ist happig. Telekom-Kunden können Call-by-Call-Vorwahlen nutzen und den Minuten­preis auf unter 2 Cent drücken. Alle anderen sollten über ihr Handy ins Mobil­funk­netz telefonieren.

Soll ich den WLan-Router beim Provider leihen oder lieber selbst kaufen?

Für die Internetnut­zung ist ein Router erforderlich. Einige Anbieter integrieren die Ausgaben für das Gerät in den Grund­preis, andere rechnen es monatlich ab. Kaufen Sie sich einen eigenen Router, wenn der Anbieter für seinen extra kassiert – damit fahren Sie güns­tiger. Die monatliche Leih­gebühr summiert sich etwa bei der Telekom in 2 Jahren auf knapp 120 Euro. Im Handel gibt es preis­wertere Router. Einen aktuellen Routertest finden Sie in der test-Ausgabe: 5/2017.

Auch einmalige Kosten von bis zu 130 Euro sind für viele kein Pappen­stiel – dazu zählen Ausgaben für die Akti­vierung des Anschlusses durch einen Techniker. In der Tabelle weisen wir alle Einzel­kosten neben den Gesamt­kosten aus. Achtung: Wer erst­mals einen Kabel­anschluss nutzt, muss zusätzlich für die Bereit­stellung zahlen.

Sind Drei-in-eins-Pakete güns­tiger als einzelne Verträge?

Telefonieren, Surfen, Fernsehen Test

Extra­kosten. Internetrouter und Fernsehreceiver rechnen einige Anbieter zusätzlich ab.

Nicht immer. Jeder sollte ausrechnen, was er derzeit zahlt, und die Summe mit dem Paket­preis vergleichen. Ein Beispiel: Wer bisher einen preis­werten Fernseh­tarif nutzt, für kleines Geld telefoniert und surft, etwa über den Vodafone-Tarif Red Internet & Phone 16 DSL, kommt mit keinem Triple-Play-Angebot in der Tabelle besser weg. Am güns­tigsten sind derzeit Tarife von 1 & 1 und Vodafone. Der 1 & 1-Aktions­preis endet jedoch bereits am 31. März. Es gibt aber immer wieder lukrative Rabatt­aktionen der Provider.

Lauern Fallen in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen der Anbieter?

Unser Rechts­experte hat die allgemeinen Geschäfts­bedingungen geprüft. Erfreulich: Bei Vodafone fand er keine Mängel, bei allen anderen Providern nur geringe oder sehr geringe Verstöße.

Endet mein Vertrag nach der 24-monatigen Mindest­lauf­zeit?

Alle Verträge verlängern sich nach 24 Monaten auto­matisch, einige zu schlechteren Konditionen. Kündigen Sie daher unbe­dingt frist­gerecht. Wenn Sie bei Ihrem Anbieter bleiben wollen, handeln Sie vor Ablauf der Kündigungs­frist mit dem Kunden­service bessere Konditionen aus.

Kann ich auch ein Paket mit Hand­ytarif abschließen?

Ja, das ist möglich. Von den Tarifen unserer Tabelle integrieren die von 1 & 1 als vierten Baustein einen Hand­ytarif. Telefonate außer­halb des Fest­netzes und des 1 & 1-Mobil­funk­netzes kosten knapp 10 Cent pro Minute, dazu gibt es rund 7 Megabit pro Sekunde Geschwindig­keit und 100 Megabyte Daten­volumen – nicht gerade üppig.

Wer sämtliche Dienste bei einem Anbieter bündelt, sollte aber bedenken: Bei einem Total­ausfall geht nichts mehr – mit Glück kann er dann übers Handy noch den Störungs­dienst anrufen.

Zuerst erledigen!

  • Informieren Sie sich, welche Anbieter an Ihrem Wohn­ort verfügbar sind.
  • Finden Sie heraus, wie viel Tempo Ihr Internet erreicht und legen Sie fest, wie viele Megabit pro Sekunde Sie brauchen.
  • Vergleichen Sie die Tarife in der Tabelle mithilfe des Gesamt­preises – er enthält alle Zusatz­kosten.
  • Kaufen Sie sich einen eigenen Internetrouter, statt ihn teuer beim Anbieter zu mieten.

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