Telefongeschäfte Meldung

Wenn Vermittler von Termingeschäftsfirmen zuschlagen, haben Kunden bereits verloren.

Anlagefirmen wie der Phoenix Kapitaldienst überreden ­Anleger zu Börsentermingeschäften. Sie kassieren so hohe Gebühren für ihre zweifelhaften Vermittlerdienste, dass ­Gewinne sehr unwahrscheinlich sind.

Bei Anruf Geld. Das ist das Ziel von Telefonverkäufern, die für Firmen wie den Phoenix Kapitaldienst in Frankfurt am Main arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, Menschen am Telefon zu beschwatzen, bis diese Geld für angeblich lukrative Optionsgeschäfte an der Börse überweisen. Die Firma spekuliert dann mit dem Geld der Anleger an der Börse. Sie setzt darauf, was Kaffee oder Öl, Devisen oder Aktienindizes zu einem vorher festgelegten Termin an der Börse wert sind.

Doch das kann leicht schief gehen. Setzen die „Profis“ der Vermittlerfirma zum Beispiel auf steigende Kurse im Ölmarkt, kann der Ölpreis bis zum festgelegten Termin eingebrochen sein. Das könnte etwa passieren, wenn die Preise für Öl sinken, weil ein Krieg gegen den Irak und damit eine Verknappung des Öls unwahrscheinlicher geworden ist. Da Terminanleger nicht warten können, bis sich der Markt wieder erholt hat, sondern bis zum festgelegten Termin verkaufen müssen, ist die Gefahr von Verlusten groß.

Kosten von über 50 Prozent

Doch selbst wenn die Firma alles vorausgesehen hat und der Markt zum richtigen Termin gut läuft, heißt das noch lange nicht, dass der Anleger auch Gewinn macht. Denn vom Gewinn an der Börse ziehen die Firmen, die die Optionsgeschäfte für die Anleger ausführen, oft so hohe Spesen ab, dass die Gewinne aufgezehrt werden.

Der Phoenix Kapitaldienst kassiert für seine Dienste zirka 50 Prozent der Summe, die tatsächlich an der Börse angelegt wurde. Hinzu kommen noch Brokerprovisionen, sodass die Kosten für Anleger auf etwa 53 Prozent steigen. Da sind Verluste programmiert.

Doch das merken die Opfer meist erst, wenn es zu spät ist. Fast alle fühlen sich betrogen. Denn eigentlich wollten sie gar nicht an der Börse spekulieren.

Verbotene Anrufe

Reingefallen sind die Ahnungslosen immer auf dieselbe Masche. Sie werden von Verkäufern angerufen, die ihre Nummer zum Beispiel aus Branchenverzeichnissen herausgesucht haben. Diese als „Cold Calling“ (kalter Anruf) bezeichnete Methode ist wettbewerbswidrig und daher verboten. Doch das schert die meisten Anbieter nicht.

Auch Irma Lampes* Verluste bei Phoenix begannen so. „Wie die an meine Nummer gekommen sind, weiß ich nicht“, sagt Frau Lampe. Immer wieder habe sie den Anrufer abgewimmelt. Dann habe plötzlich ein anderer Vermittler angerufen, der noch hartnäckiger war. Irgendwann habe sie sich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beim Hausbau überreden lassen. „Der Verkäufer versprach mir mindestens 180 Prozent Gewinn! Das hätte unsere Probleme gelöst.“ Kaffee sei eine absolut ­sichere Sache, weil der Kaffeemarkt brutal niedrig sei und demnächst steigen werde. Warum, das habe sie nicht verstanden. Ein Schaubild, das der Vermittler geschickt habe, hätte Gewinne bis zu 1 000 Prozent für einen steigenden Markt aufgezeigt.

Phoenix-Geschäftsführer Dieter Breit­kreuz bestreitet, dass er überhaupt Telefonverkäufer beschäftigt. Zudem sei seinen Mitarbeitern das „Cold Calling“ verboten.

Doch Berichte ehemaliger Phoenix-Telefonverkäufer sowie von Opfern bestätigen, dass der Fall Lampe typisch ist. Zudem ist Finanztest im Besitz von Telefonlisten, bei denen hinter den Namen Stichworte wie „nett“, „Skeptiker“ oder „lustiger Bursche, kann erst mal 10 000 Euro“ stehen.

Breitkreuz hält nach Aussagen ehemaliger Mitarbeiter Seminare ab, in denen er unter anderem die „Einwandbehandlung“ per Telefon lehrt. Auf Einwände von Kunden wie „Ich habe kein Geld“ entgegnen geschulte Verkäufer dann Sätze wie: „Das verstehe ich. Ich habe auch nicht angenommen, dass sie schon Millionär sind. Ich möchte Ihnen aber gerne zeigen, wie sie es werden können.“

Viele Verlierer

Breitkreuz betont, dass seine Berater berichten, „dass sich zahlreiche Kunden ... für die gute Betreuung und die erzielten Ergebnisse ... bedankt haben“.

Das ist angesichts des Kostensystems kaum zu glauben. Finanztest sind allein fünf Kunden namentlich bekannt, die sich von Phoenix abgezockt fühlen. Weitere Geschädigte werden von der Anwaltskanzlei Meier und Marzillier in München vertreten. So auch Irma Lampe. Denn der Kaffeemarkt stieg nicht so wie vom Phoenix-Verkäufer erwartet. Sie verlor rund 10 000 Euro.

Mithilfe der Kanzlei erhielt sie 3 400 Euro zurück. Vor Gericht habe sie sich auf einen Vergleich einlassen müssen, sagt Frau Lampe. Sie konnte nicht nachweisen, dass sie die Phoenix-Aufklärungsbroschüre mit eindeutigen Risikohinweisen erst bekommen hatte, nachdem sie Geld überwiesen hatte.

Auf Anweisung des Telefonverkäufers habe sie auf einem Fax angekreuzt, dass sie über alles beraten worden sei, erklärt Frau Lampe. Als Anlagewunsch habe sie „spekulativ“ ankreuzen müssen, weil sie sonst nicht so hohe Gewinne mitnehmen könne. Bedenken habe der Vermittler ausgeräumt. Er würde Kaffee nicht anbieten, wenn das nach seiner Ansicht nicht ein absolut sicheres Geschäft sei. Sie müsse aber schnell machen, damit er ihren Auftrag noch „super platzieren“ könne.

Normalerweise erhalten Kunden die Broschüre mit den Risikohinweisen vor Abschluss eines Vertrags. Allerdings spekulierten Firmen wie Phoenix darauf, dass der Kunde die 30-seitige Broschüre gar nicht lese, erzählt ein ehemaliger Phoenix-Mitarbeiter. Wir haben immer gesagt: „Wer die Broschüre liest und trotzdem Geld überweist, muss einen Knall haben.“

Verluste wieder reinholen

Auch nach Verlusten sind Opfer vor den raffinierten Anrufern nicht sicher. „Wenn wir einen Kunde so richtig abgezockt haben, stecken wir ihn erst mal ein halbes Jahr in die Kiste“, sagt ein Exverkäufer. Anschließend rufe dann ein anderer Kollege an. Gerne werde dabei auf die 20-jährige Erfahrung von Phoenix als alteingesessenes Brokerhaus hingewiesen. Ein weiteres Argument ist die „ständige Qualitätssicherung durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen“. Das signalisiere Sicherheit, heißt es in Trainingsunterlagen.

Dann werde das Opfer zum Beispiel auf Zeitungsberichte über einen möglichen Irakkrieg hingewiesen: „Bei allem Mitleid mit den Opfern. Was glauben Sie, wo der Ölpreis hingeht, wenn die 'Enterprise' ihre Bugwelle in den Persischen Golf drückt. Da können wir Ihre Verluste kompensieren und zusätzlich noch einen hohen Gewinn erwirtschaften.“ Das sei zwar Schwachsinn, Anrufer fragten aber nur selten nach. Zögere der Angerufene, werde psychologischer Druck ausgeübt: „Wie wollen Sie die Verluste eigentlich Ihrer Frau erklären?“

Frustrierten Kunden, die schon mal mit dem Anwalt drohten, werde gesagt: „Rufen Sie Ihren Anwalt ruhig an. Aber denken Sie daran, dass sie eine Broschüre mit Risikohinweisen bekommen haben, und daran, dass wir auch gute Anwälte haben.“ Da sei es doch besser, dieses Geld dafür einzusetzen, um die Verluste wieder reinzuholen.

Frau Lampe hat das nicht gemacht. Sie wollte nicht länger das sein, was Phoenix-Verkäufer „Schlachtvieh“ nennen und über das im Tradingraum viel gelacht wird.

*Name der Redaktion bekannt.

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