Telefon 1 18 84, ohne Vorwahl ­ das klingt nach einem üblichen Auskunftsdienst, bei dem man Telefonnummern erfragen kann. Denn "118" als erste drei Ziffern einer Rufnummer sind den Telefonauskünften vorbehalten. Doch anders bei der 1 18 84. Hier meldet sich eine süße Stimme mit "Willkommen bei den Telemäusen". Die Firma vermittelt direkt zu Telefonsexdamen, die ihre Dienste mit dieser Nummer in einschlägigen Anzeigen anbieten. Die auf den ersten Blick unverfängliche Nummer kostet stolze 3,63 Mark pro Minute ­ so viel wie die teuersten 0190-Rufnummern.

Offiziell firmiert unter 1 18 84 der Auskunftsdienst Telix GmbH. Deren Mitarbeiterin erklärte uns, sie werde "auch schon mal als Telefonauskunft" angerufen, sei aber meist mit dem Vermitteln von Telefonsex beschäftigt: "Am Pool warten schon ein paar süße Mädchen auf dich." Der Hinweis "kostenpflichtig" war allerdings kaum zu hören. Und weil schon die Vermittlung einige Minuten dauerte, waren im Nu 15 Mark vertelefoniert.

Ein schlüpfriges Geschäft, das auf wackliger Rechtsgrundlage steht. Denn Telefonsex gilt als sittenwidrig (BGH, Az: XI ZR 192/97). Die Folge haben zwei Oberlandesgerichte jüngst klargestellt: Die Verträge sind nichtig. Weil kein rechtsgültiger Vertrag abgeschlossen werde, könne weder die Sexfirma noch die Telekom, die sich die Sittenwidrigkeit anrechnen lassen muss, eine Vergütung verlangen. Zumindest die Gerichte in diesen Oberlandesgerichtsbezirken sind an diese Rechtsprechung gebunden. In den vorliegenden Fällen ging es um 26.000 Mark (OLG Stuttgart, Az: 9 U 252/98) und um 16.070 Mark (OLG Düsseldorf, Az: 20 U 100/98).

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