Telefonbetrüger Meldung

Im Jahr 2000 besaßen laut Statistischem Bundesamt knapp 30 Prozent der Privathaushalte ein Handy. 2001 waren es schon 56 Prozent. Ende 2002 waren es Schätzungen zufolge bereits 78 Prozent.

Mit üblen Tricks machen Gauner über teure Servicenummern bei Handybesitzern Kasse. Wer nicht hereingelegt werden will, sollte Rückrufbitten von Unbekannten ignorieren.

Wer noch keins hatte, hat wahrscheinlich seit Weihnachten eins – ein Handy. Sogar Omas und Opas haben eins, ihre Enkel sowieso. Doch mit dem Handy telefonieren kann teuer werden. Dubiose Anbieter denken sich perma­nent neue Tricks aus, um Handybesitzer zu animieren, nutzlose, dafür aber sehr teure Servicenummern anzurufen.

Die Betrüger machen damit seriöse telefonische Beratungsangebote kaputt, deren Kosten bequem über die Telefonrechnung abgebucht werden. Denn wer nicht hereingelegt werden will, wählt die 0 190er-Nummern erst gar nicht.

Ab 2003 wird es noch häufiger richtig teuer werden. Die 0 190 -Vorwahl soll nach und nach durch die 0 900er-Nummer abgelöst werden. Für die 0 900 kann der Anbieter den Preis frei festlegen. Das war bisher nur für 0 190 0 möglich. Jetzt können Scharlatane mit nutzlosen Angeboten noch besser abkassieren. Die Regierung plant Gegenmaßnahmen.

Längst beschränkt sich die Abzockerei nicht mehr nur auf die 0 190er-Nummern. Auch über Vorwahlnummern in Übersee wird abkassiert. Wie vielfältig die Tricks der Telefonabzocker sind, zeigen die folgenden Beispiele.

Verbindung mit Freizeichen. Mit schriftlicher Kurzmitteilung (SMS) fordern Gauner Handybesitzer auf, sie ­zurückzurufen. Wer die Rückruftaste drückt, ohne die Nummer genau angesehen zu haben, bemerkt nicht einmal, dass er abgezockt wird. Denn er wird mit einer 0 190er-Nummer verbunden. Dort ist ein Tonband angeschlossen, das ein Freizeichen sendet. Je länger der Anrufer es klingeln lässt, desto teurer wird das Gespräch.

Rückrufaufforderung. Wieder versuchen Betrüger, Handybesitzer per SMS zu verleiten, eine teure Servicenummer anzurufen. Sie sprechen sie mit ihrem Vornamen an und bitten um Rückruf. „Hallo Sabine, habe schon versucht, dich zu erreichen, leider ohne Erfolg. Bin ab 17.30 unter folgender Nummer zu erreichen +78163451.“ Die persönlich angesprochene Sabine drückt nun die Rückruftaste. Dass ein Kreuz für 00, also für eine Auslandsverbindung, steht, merkt sie nicht. Die Kosten für den nutzlosen Anruf bei einem teuren Anrufbeantworter werden über die Handyrechnung abgebucht.

Free Call. Auch mit der so genannten Free-Call-Masche schinden unseriöse Anbieter Gebühren. Sie ködern zunächst mit einer kostenfreien 0 800er-Nummer und fordern den Anrufer dann auf, eine Zifferntaste zu drücken, um an ein spezielles Angebot zu kommen. Dabei wird dieser auf eine teure 0 190er-Nummer umgeschaltet.

Rückrufdienst. Besonders geschickt nahm die Telefongesellschaft prompt Kunden aus. Wer sich dort bei einer kostenfreien 0 800er-Nummer meldete und seine Rückrufnummer angab, wurde prompt unter einer 0 190er-Nummer zurückgerufen. Die Kosten für diesen angeforderten Rückruf fanden Anrufer unter dem Stichwort TeleInternet auf ihren Abrechnungen wieder.

Versteckte Nummern. Kaum erkennbar sind Gaunereien, wenn die kostenlose Telekom-Nummer einer teuren 0 190er-Nummer voranstellt ist. Dafür wählen Betrüger gerne Mobiltelefone an, die dem Besitzer „Anrufe in Abwesenheit“ anzeigen. Im Display erscheinen dann etwa Rufnummern mit der Netzvorwahl der Telekom (01033). Die wenigsten Handybesitzer merken, dass die Nummer 0 103 301 908 nichts anderes als 0 190 8 bedeutet und ein Anruf je nach Handytarif weit mehr als 2 Euro pro Minute kostet.

Casting-Hotline. Übel ist auch eine Masche, bei der Betrüger in Zeitungsannoncen und auf der Mailbox des Handys mit einer Rolle im Fernsehen locken. Wer mitmachen will, soll zurückrufen. Die Angabe „Sprachgesteuertes Menü, 0,93 Euro/Min. Berechnung erfolgt im Std.-Takt“ versteht kaum jemand richtig.

Im Stundentakt heißt, dass jede angefangene Stunde voll berechnet wird. Der Anruf bei dieser 0 190er-Nummer kostet – sobald sich der Sprachcomputer meldet – satte 55,80 Euro. Egal, ob der Anrufer eine Sekunde oder eine Stunde telefoniert.

Klingeltöne runterladen. Mit Kurzbotschaften, die neue tolle Klingeltöne, Sounds, Logos und Bilder fürs Handy versprechen, kassieren Anbieter bei Kindern und Jugendlichen ab. Langatmige Ansagen unter der angewählten Servicenummer lassen Kosten zwischen 3 und 8 Euro pro Anruf auflaufen.

Ganz übel sind die Methoden einiger Anbieter, die die Logos „gratis“ anbieten. Gefallen die Bilder den Jugendlichen nach dem Herunterladen nicht, müssen sie bei einem kostenpflichtigen „Löschlogo“ anrufen. Leser berichteten uns über Gesamtkosten von 8 Euro.

Abzocken mit Auftragsdienst. Auf eine weitere fiese Methode der Telefonabzocker wies kürzlich die Polizei hin. Gauner meldeten sich auf der Mailbox von Menschen, die eine Annonce aufgegeben hatten. Sie heuchelten Interesse und baten um Rückruf unter der Nummer 11 8 45. Wer dort anrief, wurde in eine aussichtslose Warteschleife geschickt. Es handelte sich um die Nummer eines Auftragsdienstes der Deutschen Telekom, die 1,99 Euro pro Minute kostet.

Gewinnmitteilung. Besonders dreist ist auch die Art, mit der Gewinnspielfirmen bei Handybesitzern abkassieren. Das Europäische Verbraucherzentrum in Kiel warnte vor persönlich aussehenden Kurzbotschaften. „Lieber Lars, du hast 100%ig eine Reise für 2 Personen nach Venedig gewonnen! Ruf uns rasch zurück, Euro 1,86/Min“ hieß es beispielsweise in einer SMS. Freudig rief Lars R. bei der angegebenen 0 190er-Nummer zurück. Zunächst hielt ihn eine freundliche Tonbandstimme minutenlang hin. Schließlich forderte sie ihn auf, sich „bei Fragen und Anregungen“ an die Postfach-Anschrift der Firma IVH in Wien zu wenden.

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