Telefonkunden können vorerst nicht auf niedrigere Preise für Ortsgespräche hoffen. Call-by-Call, die Auswahl des billigsten Anbieters über spezielle Vorwahlen bei jedem Telefonat, bleibt fürs Ortsnetz Zukunftsmusik.

Verantwortlich für diese wenig verbraucherfreundliche Entscheidung ist der Bundesrat. Er lehnte Mitte Juli die von der Bundesregierung geplante weitere Liberalisierung des Telefonmarkts ab.

Bei Fern- und Auslandsgesprächen ist Call-by-Call längst möglich. Im Ortsnetz dagegen hat die Deutsche Telekom noch eine Monopolstellung: 95 Prozent aller Ortsgespräche werden über die Telekom geführt.

Das Nein des Bundesrats könnte Deutschland teuer zu stehen kommen. Denn nach einer EU-Richtlinie hätten die Ortsnetze bereits zum 1. Januar 2000 ­liberalisiert sein müssen. Wenn die EU-Kommission wie angekündigt Klage erhebt, dann droht ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe.

Bei einer Verabschiedung des Gesetzes hätten Verbraucher bei Ortsgesprächen vor jedem Telefonat einen Anbieter neu wählen können (Call-by-Call) – so wie jetzt bei Ferngesprächen. Außerdem ­wäre es möglich gewesen, sich nur für Ortsgespräche für einen festen Anbieter zu entscheiden (Preselection), ohne den Telefonanschluss beim bisherigen Provider kündigen zu müssen.

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