Teldafax pleite Meldung

Ehemalige Kunden des pleite gegangenen Energielieferanten Teldafax wissen immer noch nicht, ob sie Geld zurück erhalten werden. Insolvenzverwalter Biner Bähr konnte dazu auf der ersten Gläubigerversammlung in Köln keine Angaben machen. Nach aktuellen Erkenntnissen sei das Unternehmen bereits 2009 insolvenzreif gewesen.

Mit 750 000 Gläubigern größtes Insolvenzverfahren

Länger als sechs Jahre wird das Insolvenzverfahren nach der Pleite Energieanbieters Teldafax voraussichtlich noch dauern. Gründe dafür sind nach Aussage des Insolvenzverwalters Biner Bähr die hohe Zahl von der Pleite betroffenen Teldafax-Kunden und die „Vielzahl von voraussichtlich zu führenden Rechtsstreiten“. Zu den Aussichten auf Rückerstattung von Geld wollte sich Bähr nicht äußern. Gemessen an der Zahl von rund 750 000 Gläubigern ist der Fall Teldafax das größte Insolvenzverfahren in der bundesdeutschen Geschichte. Das Unternehmen hatte sich als Billiganbieter von Strom und Gas einen Namen gemacht. Das Teldafax-Geschäftsmodell sah vor, dass Kunden dank spezieller Angebote günstig Energie beziehen, dafür aber Vorauszahlungen leisten. Mit dem Geld aus den Vorauszahlungen wollte der Energielieferant ausstehende Kosten begleichen.

Kunden gewinnen, egal was es kostet

Teldafax hatte am 14. Juni dieses Jahres beim Amtsgericht Bonn Insolvenz beantragt. Der Energieanbieter sei nach bisherigen Erkenntnissen bereits Mitte 2009 insolvenzreif gewesen, sagte Bähr. Nur durch fortlaufende Vorauszahlungen von Kunden, Darlehen von Gesellschaftern sowie „durch Beteiligte, die es Teldafax ermöglichten, hohe Rückstände aufzubauen“, habe das Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb noch zwei Jahre weiterführen können. Zu den Gründen für die Insolvenz erklärte Bähr, Teldafax habe in der Vergangenheit alles daran gesetzt, möglichst viele Energiekunden zu gewinnen. So habe der Energieanbieter für mögliche Investoren interessant werden sollen. Begleitet von umfangreichen Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten habe Teldafax seinen Kunden Tarife angeboten, die „vielfach deutlich unter den Einkaufspreisen“ gelegen hätten. Die Kundenzahl sei dadurch in kürzester Zeit angewachsen, ebenso aber auch die Verbindlichkeiten gegenüber Netzbetreibern, Stromlieferanten und dem Fiskus.

Forderung anmelden

Sollten Teldafax-Kunden bis zum 31.12.2011 nichts vom Insolvenzverwalter gehört haben, müssen sie ihre Forderung selbstständig anmelden. Spätestens bis 31.01.2012 müssen ehemalige Kunden und alle anderen Gläubiger ihre Forderungen an den Insolvenzverwalter geschickt haben. Dann endet die Anmeldefrist.

Die Anmeldung ist zu richten an:

RA Dr. Biner Bähr als Insolvenzverwalter
Forderungsanmeldung TelDaFax-Gruppe
Postfach
40248 Düsseldorf

Ehemaliger Vorstandschef aus Haft entlassen

Der ehemalige Vorstandchef und Aufsichtsrat von Teldafax, Michael Josten, ist seit Wochenbeginn wieder auf freiem Fuß. Wie die Staatsanwaltschaft Mannheim dem Handelsblatt bestätigte, wurde Josten nach weniger als zwei Dritteln seiner Gefängnisstrafe aus der Haft entlassen. „Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat entschieden, dass bei Herrn Josten eine günstige Sozialprognose vorliegt“, sagt Oberstaatsanwältin Christina Arnold in Mannheim. Dies habe die Entlassung auf Bewährung gerechtfertigt. Josten, der ehemalige Vorstandschef und spätere Aufsichtsrat von Teldafax war im März 2007 wegen Untreue in 176 Fällen und Gläubigerbegünstigung bei der Secur-Finanz-Gruppe zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Laut dem Urteil des Landgerichts Mannheim brachte Josten Tausende von Immobilienanlegern mit einem Schneeballsystem um ihr Geld.

Dieser Artikel ist hilfreich. 165 Nutzer finden das hilfreich.