Teilzeitarbeit Meldung

Bettina Hübl überzeugte ihren Chef mit einem genauen Plan und hat ihre Arbeit im Reha-Zentrum reduziert. So kann sie sich gut um ihren Sohn kümmern. Für den ­Fototermin durfte der Kleine seine Mutter zur Arbeit begleiten.

Fast acht Millionen Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr Teilzeit gearbeitet. Der Arbeitgeber muss zustimmen, wenn dem Betrieb kein Schaden entsteht.

Als ihr Sohn acht Monate alt war, wollte Bettina Hübl wieder arbeiten. Die Kölner Sportlehrerin war zu diesem Zeitpunkt gerade im Erziehungsurlaub. Doch da sie eine gute Tagesmutter gefunden hatte, ging sie vorzeitig in das Reha-Zentrum zurück, in dem sie angestellt ist. Seither arbeitet sie Teilzeit.

Im März 2004 gab es rund 7,9 Millionen Teilzeitbeschäftigte. Fast zwei Millionen mehr als 1996, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. 42 Prozent aller berufstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, von den Männern sind es etwa 7 Prozent. Die meisten Befragten haben sich aus ­persönlichen und familiären Gründen für die reduzierte Arbeitszeit entschieden.

Bettina Hübl arbeitet seit ihrer Rückkehr in den Job an vier Tagen die Woche, montags von 15 bis 20 Uhr und dienstags bis donnerstags von 8 bis 13 Uhr.

Gesetzlicher Anspruch

Angestellte haben ein Recht auf Teilzeit, nicht nur als junge Eltern. Das steht im Teilzeit- und Befristungsgesetz.

Voraussetzung ist aber, dass sie bereits mehr als sechs Monate angestellt sind und dass der Chef in allen Filialen zusammen mehr als 15 Mitarbeiter hat. Dabei zählen Teilzeitkräfte mit, Azubis hingegen nicht.

Der Arbeitgeber kann Teilzeit nur aus betrieblichen Gründen verweigern. Etwa, wenn der normale Arbeitsablauf stark ­gestört würde oder unverhältnismäßig ­hohe Kosten entstünden.

Teilzeitmitarbeiter bekommen den glei­chen Stundenlohn wie Vollzeitkräfte. Gratifikationen wie Weihnachtsgeld sowie die betriebliche Altersvorsorge werden im selben Maße reduziert wie ihre Arbeitszeit.

Auch sonst stehen sie nicht schlechter da als Vollzeitkräfte. „Sie haben den gleichen Anspruch auf Urlaub, Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, sagt Rechtsanwältin Solveig Eckert von der Berliner Kanzlei Beiten Burkhardt. „Das durch die Teilzeit gekürzte Gehalt verringert aber den Schutz der Sozialversicherung.“ Das bedeutet: geringere Ansprüche auf Rente und Arbeitslosengeld.

Arbeitnehmer können auch mehrere Teilzeitjobs gleichzeitig haben – solange diese sich zeitlich nicht in die Quere ­kommen. Sie dürfen nur nicht in verschiedenen Konkurrenzbetrieben arbeiten.

Für Mitarbeiter in Teilzeit gelten dieselben Kündigungsfristen und sie genießen denselben Kündigungsschutz wie ihre Vollzeitkollegen.

So darf beispielsweise ein Arbeitgeber, der eine Teilzeitstelle wieder in Vollzeit besetzen will, dem Teilzeitmitarbeiter nicht einfach kündigen. Er muss ihm erst einmal die Vollzeitstelle anbieten oder prüfen, ob er nicht auch eine zweite Teilzeitkraft ­einstellen kann.

Drei Monate Frist für den Antrag

Will ein Mitarbeiter seine Arbeitszeit reduzieren, muss er das mindestens drei Monate vorher beim Arbeitgeber beantragen. Der Tag der Antragstellung zählt noch nicht zur Frist. Eine Begründung ist nicht notwendig, ebenso wenig die Schriftform.

„Verpasst der Mitarbeiter die Frist, ist der Antrag aber nicht ungültig“, beruhigt Anwalt Felix Oelkers von der Berliner Kanzlei Luther Menold. „Der Beginn der Teilzeit verschiebt sich nur entsprechend.“

Im Antrag muss konkret stehen, um wie viel die Arbeitszeit verkürzt werden soll. Der Antrag einer Angestellten, die eine Verringerung auf „17 bis 20 Stunden“ wollte, war deshalb unwirksam.

Wie die Arbeit umverteilt werden kann, muss noch nicht genau beschrieben sein. Das kann der Mitarbeiter später mit dem Chef besprechen. In jedem Fall sollte sich der Angestellte aber bereits zu Beginn nicht nur überlegen, welche Arbeitszeitverkürzung er will, sondern auch, welche für den Arbeitgeber machbar ist.

„Will etwa ein Kernphysiker seine Arbeitszeit um ein Viertel reduzieren, dürfte die Suche nach einer gleich qualifizierten Ersatzkraft für die frei gewordene Viertelstelle schwierig sein“, sagt Oelkers. Das weiß auch der Chef. Bei so einem Antrag ist Streit daher programmiert.

Meist folgt auf den Antrag eine Verhandlung mit dem Arbeitgeber. Gute Argumente helfen, ihn zu überzeugen. ­Er kann aber auch ohne Gespräch und ohne Begründung zustimmen oder ablehnen.

Bettina Hübl hatte bereits im Vorfeld mit ihren Kollegen besprochen, wie die Arbeitszeit unter ihnen verteilt werden könnte und konnte ihrem Chef ein fertiges Konzept präsentieren. Er stimmte ohne Probleme zu. Reagiert ein Arbeitgeber bis einen Monat vor Teilzeitbeginn nicht oder lehnt er den Antrag nur mündlich ab, gilt dies als Zustimmung.

Streit vor Gericht

Verweigert der Arbeitgeber die Teilzeit mit Hinweis auf betriebliche Gründe, wird es schwierig. „Letztlich hängt diese Frage vom Einzelfall ab und ist vom Mitarbeiter nur schwer einzuschätzen“, sagt Eckert.

Die Änderung der Arbeitszeit darf zum Beispiel nicht zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Organisation oder des ­Arbeitsablaufs führen. Mit diesem Argument lehnte das Bundesarbeitsgericht den Teilzeitwunsch der Mitarbeiterin eines heilpädagogischen Kindergartens ab (Az. 9 AZR 542/02). Dort gehört eine ganztägige Betreuung der Kinder zum Konzept und die Mitarbeiter dürfen daher nicht Teilzeit arbeiten.

Der Chef eines Möbelhauses hatte weniger Erfolg. Er verweigerte Teilzeitarbeit, weil in seinem Haus jeder Kunde immer denselben Verkäufer als Ansprechpartner haben sollte. Da dieses Konzept bei Öffnungszeiten von 60 Stunden pro Woche auch mit Vollzeitmitarbeitern nicht erreichbar wäre, erlaubte das Bundesarbeitsgericht die Teilzeit (Az. 9 AZR 665/02).

Auch unverhältnismäßige Kosten, die für den Arbeitgeber wirtschaftlich nicht mehr tragbar sind, können Teilzeitwünsche verhindern.

Schaltet der Chef auf stur, bleibt nur der Weg vor das Arbeitsgericht. „Nach unserer Erfahrung haben Arbeitnehmer hier meist gute Karten“, erläutert Arbeitsrechtsexpertin Eckert. „Trotzdem scheuen Mitarbeiter oft den Konflikt mit dem Arbeitgeber“, ­berichtet Anwalt Oelkers.

Einen Anspruch, später wieder Vollzeit zu arbeiten, haben Teilzeitmitarbeiter nicht. Der Chef muss sie aber bei der nächsten freien Vollzeitstelle anderen Bewerbern gleicher Qualifikation vorziehen. Doch darüber macht sich Bettina Hübl noch keine Sorgen. Sie will auch nach der Elternzeit weiter Teilzeit arbeiten

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