Nach gut einem Jahr ohne größere Änderungen bei den Krankenkassenbeiträgen kommt jetzt Bewegung in die Branche: Die vier Millionen Mitglieder starke Techniker Krankenkasse erhöht ihren allgemeinen Beitragssatz von 12,8 auf 13,2 Prozent. Versicherte zahlen dadurch jährlich je nach Einkommen bis zu 85 Euro mehr als bisher. Begründung für die Preissteigerung: Die Ausgaben für die Klinikbehandlungen und Arzneimittel seien drastisch gestiegen. Zudem musste die Techniker Krankenkasse 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr als Risikostrukturausgleich zugunsten anderer Kassen zahlen.

Auch GEK-Versicherte zahlen drauf

Mehr Beitrag kassiert ab sofort auch die Gmünder Ersatzkasse GEK. Bei ihr steigt der Beitragssatz sogar um 0,8 Prozentpunkte. Insgesamt rund eine Million Mitglieder und ihre Arbeitgeber müssen jetzt insgesamt 13,6 Prozent vom Bruttolohn an die Kasse zahlen. Bei einem Versicherten mit einem Bruttojahresgehalt 42 750 Euro und mehr ist das zu einer Beitragssteigerung 342 Euro pro Jahr. Die Hälfte davon hat der Versicherte selbst zu zahlen. Der Rest kommt vom Arbeitgeber. Beitragssatzerhöhungen melden auch folgende Kassen: BKK Fahr +0,4 Punkte auf jetzt 12,9 Prozent, Sancura BKK +0,6 auf 13,6, BKK Pfalz + 0,5 auf 13,2 und BKK Gruner + Jahr + 0,7 auf 13,1. Die letztgenannte Beitragssatzerhöhung ist zwar beschlossen, aber noch nicht vom Bundesversicherungsamt genehmigt und steht damit unter Vorbehalt.

Milliarden Loch im ersten Quartal

Auch andere Krankenkassen klagen über steigende Ausgaben. Im ersten Quartal dieses Jahres hätten sie gut 1,2 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Zusätzliche Belastung für die Krankenkassen: Sie bekommen weniger Geld von den Tabaksteuereinnahmen als früher. Zu weiteren Ausgabensteigerungen führt die Erhöhung der Mehrwertsteuer im kommenden Jahr. Experten gehen davon aus, dass zahlreiche weitere Kassen ihre Beitragssätze erhöhen werden. Nach ihren Schätzungen steigt der Krankenkassenbeitragssatz um durchschnittlich gut 0,3 Prozentpunkte.

Chance zum Sparen

Viele gesetzlich Krankenversicherte haben die Chance, durch den Wechsel zu einer preiswerteren Krankenkasse zu sparen. Der Wechsel ist immer innerhalb von zwei Monaten nach einer Beitragserhöhung möglich oder unabhängig davon nach 18 Monaten Mindestmitgliedschaft möglich. Gesetzlich Versicherte haben freie Wahl unter allen für ihre Region geöffneten Krankenkassen. Anders als bei privaten Versicherungsunternehmen dürfen die Kassen keinen Antrag ablehnen. Einschränkungen gelten allerdings für Privatversicherte. Sie können in der Regel nur dann zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln, wenn sie wegen Arbeitslosigkeit oder sinkenden Gehalts wieder unter die Versicherungspflicht fallen. Ab einem Alter von 55 Jahren ist der Wechsel von privater zu gesetzlicher Krankenkasse völlig ausgeschlossen.

Krankenkassenbeiträge: Alle aktuellen Daten

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