Tchibo Energie-Konzepthaus Schnelltest

Tchibo bietet ein massives Eigenheim als Energie-Konzepthaus an. Gebaut wird es von dem Hersteller Heinz von Heiden und ist in der billigsten Variante ab 180 000 Euro zu haben. test.de hat gemeinsam mit den Baurechts-Experten der Verbraucherzentrale Bremen die Verträge geprüft.

Grundstück muss Bauherr bereitstellen

Tchibo bietet derzeit das Energie-Konzepthaus des Unternehmens Heinz von Heiden in drei Varianten an. Ab einem Preis von 179 990 Euro können Kunden ein massives Fertighaus mit einer Wohnfläche von 163 Quadratmeter erwerben. Das gehobenere Haus Style mit 165 Quadratmetern Wohnfläche kostet mindestens 214 990 Euro. Das Haus hat nach Herstellerangaben einen Energieverbrauch nach dem KfW-Effizienzhaus-Status 55. Das heißt, das Haus soll mindestens 45 Prozent weniger Energie benötigen als ein Standard-Neubau. Stimmen die Angaben, wäre es extrem gut wärmegedämmt. Tchibo hatte bereits im Jahr 2011 drei Massivhäuser von Heinz von Heiden im Angebot. test.de hatte vor mehreren Kostenfallen gewarnt.

Verbesserte Vertragsbedingungen

Tchibo hat auf die Kritik reagiert an den Verträgen einiges geändert und verbessert:

  • Heizung. Statt mit einer finanziell kaum kalkulierbaren Erdwärmeheizung werden die Räume des Tchibo-Hauses nun von einer Holzpelletheizung erwärmt. Die Energie für Warmwasser kommt im Sommer aus Solarkollektoren und im Winter mit Unterstützung des Pelletofens.
  • Rücktritt. Dem Bauherren werden nun Rücktrittsrechte vom Vertrag eingeräumt, falls kein Grundstück vorhanden ist, der geplante Verkauf einer anderen Immobilie oder falls das Finanzierungskonzept scheitert.
  • Zahlungsplan. Eine Änderung gibt es im Zahlungsplan: Die Baufirma hat hier den Hinweis aufgenommen, dass der Bauherr einen Anspruch auf die gesetzliche Sicherheit in Höhe von 5 Prozent der Bausumme hat. Ob Heinz von Heiden sie tatsächlich automatisch bereitstellt oder ob sie der Bauherr einfordern muss, ist allerdings nicht klar.
  • Versicherungen. Der Käufer ist nicht mehr verpflichtet, ein Versicherungspaket für Policen abzuschießen, die nur wenig Schutz bieten.
  • Entsorgung. Verpackungsreste und restlichen Bauschutt entsorgt nun die Baufirma.

Rücktrittsrechte sind Warnsignale

Die neuen Rücktrittsrechte könnten für Kunden eine lockende Vertragsneuerung sein. Doch sie sollten im Gespräch mit dem Verkäufer keinesfalls den Ausschlag geben. Mit den Rücktrittsrechten für den Fall, dass kein Grundstück vorhanden ist oder die Finanzierung scheitert, könnte der Verkäufer leicht vernünftige Kunden-Bedenken wegwischen nach dem Motto: „Sie können ja immer noch zurücktreten“. Ein Rücktritt ist aber immer an Bedingungen geknüpft und es entstehen Kosten, sofern die Baufirma schon Leistungen erbracht hat. Im Falle einer fehlenden Finanzierung darf Heinz von Heiden sogar Angebote anderer Banken einholen, so dass der Bauherr möglicherweise eine Finanzierung zu schlechteren Konditionen eingehen muss – anstatt sich vom Vertrag lösen zu können. Bauherren sollten deshalb erst dann einen Vertrag unterscheiben, wenn sie einen genauen Plan haben, wie und wo das Haus errichtet werden soll und die Finanzierungsfrage geklärt ist.

Ratenzahlungsplan mit unzulässiger Klausel

Heinz von Heiden verlangt laut Zahlungsplan die erste Rate in Höhe von 2 Prozent der Bausumme – und zwar für Beratungen zum Ausfüllen eines Bauantrags oder einer Bauanzeige. Das widerspricht einem Grundsatz in der Baubranche, wonach die Firma hier in Vorleistung geht. Auch bei einem Rücktritt vom Vertrag bekommt der Kunde die Beratungskosten nicht zurück. Die Schlussrate in Höhe von 2 Prozent des Gesamtpreises sieht der Zahlungsplan nach Hausübergabe und nach im Wesentlichen mangelfreier Abnahme vor. Diese Abschlagszahlung ist unwirksam. Denn jeder Bauherr hat einen gesetzlichen Anspruch auf Vertragserfüllung und kann damit fünf Prozent der Vergütung als Sicherheit behalten.
Tipp: Mehr über kundenunfreundliche Klauseln in Bauverträgen erfahren Sie im Report Bauvertrag: Tipps für faire Klauseln.

Nur für Bauherren mit Überblick

Käufer, die bisher noch keine weiteren Angebote von Baufirmen oder Architekten für ein Eigenheim eingeholt haben, sollten nicht vorschnell einen Vertrag für das Tchibo-Haus unterschreiben. Haben sich Bauherren allerdings schon einen Marktüberblick verschafft und wissen sie, was andere Unternehmen bieten, dann können sie sich auch vom Tchibo-Haus überzeugen lassen. Vor Mehrkosten sind sie allerdings auch bei diesem Angebot nicht geschützt. Bei Bauvorhaben fallen für den Baugrund häufig Zusatzkosten an. Und die Bausumme steigt auch dann, wenn Bauherren Sonderwünsche für bestimmte Bauteile haben.

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