Taxi Meldung

Auch so etwas Alltägliches wie eine Taxi­fahrt wirft erstaunlich viele Fragen auf: Darf der Passagier im Taxi regel­mäßig fotografiert werden? Darf ein Kunde einen Wagen auswählen, der weiter hinten in der Schlange steht? Muss der Fahrer Geld wechseln können? Das Special von test bietet eine kleine Rund­fahrt durch die Fragen des Rechts.

Alle 15 Sekunden ein Foto

Wer in Bremen in ein Taxi steigt, wird alle 15 Sekunden von einer kleinen Kamera fotografiert. Mit den Fotos wollen sich Taxifahrer vor möglichen Gewalt­taten schützen. Ein Zehntel aller Taxis meldet mindestens einen gewalt­tätigen Über­griff pro Jahr, betont der Deutsche Taxi- und Mietwagen­verband (BZP). Auch in anderen deutschen Städten sind vereinzelt Taxen mit Kameras unterwegs. Daten­schützer wehren sich gegen die Fahr­gast­bilder. Auch nicht jedem Passagier passt es, während der Fahrt ständig fotografiert zu werden.

Spezialkamera in der Sonnenblende

„Solche Fotos dürfen gemacht werden – verboten ist eine permanente Video­über­wachung von Fahr­gästen“, sagt Anwalt Markus Jahn, spezialisiert auf Verkehrs­recht in Berlin. Nach 24, spätestens 48 Stunden müssen Taxi­unternehmen die Fotos vernichten, es sei denn, es gab einen Vorfall. Die Wagen mit der Spezialkamera in der Sonnenblende müssen am Seiten­fenster oder auf der Tür auf die Aufzeichnung hinweisen. „Wer nicht fotografiert werden möchte, braucht nicht einzusteigen. Zwischen Taxifahrern und ihren Gästen besteht Vertrags­freiheit“, sagt der Anwalt. Fahr­gäste können ihr Taxi frei wählen. Im Gegen­zug dürfen auch die Fahrer potenzielle Gäste ablehnen, etwa wenn jemand einen stark betrunkenen Eindruck macht. „Es kommt immer wieder zu Zwistig­keiten zwischen Taxi­gästen und Fahrern. Sie landen aber fast nie vor Gericht,“ berichtet Markus Jahn. Der Streit­wert liege fast immer unter 100 Euro, da lohne sich keine juristische Auseinander­setzung. Ein Klassiker, der für viel Unmut sorgt, ist die Frage, ob der Fahrer den kürzesten Weg nahm oder Extra­runden durch die Stadt kurvte. Je weiter die Strecke, umso höher der Fahr­preis. Streit nutzt hier nichts.

Fahr­strecke lässt sich über­prüfen

Wer sich übers Ohr gehauen fühlt, sollte die Nummer des Taxis – steht rechts in der Front­scheibe – notieren. Dann lässt er sich eine Quittung ausstellen, auf der Start, Ziel, Datum und Uhrzeit der Fahrt stehen. Damit wendet er sich an die Taxi-Innung oder an die Polizei. Die Profis können die Stre­ckenführung über­prüfen und einen möglichen Betrug aufdecken.

Heikle Sache mit dem Wechselgeld

Besonders heikel ist die Sache mit dem Wechselgeld. „Ein Fahrer muss in der Regel keine größeren Geld­scheine wechseln können. Können größere Geld­scheine nicht gewechselt werden, geht dies zulasten des Fahr­gasts,“ heißt es zum Beispiel auf der Website des Taxi­verbands Berlin. Also lieber vorher fragen, ob der Fahrer auf einen 100-Euro-Schein heraus­geben kann. Sinn­voll ist es, wenn der Gast bereits beim Einsteigen oder Anruf in der Taxizentrale einiges klärt. Akzeptiert der Fahrer Kredit- oder ec-Karten? Ist er bereit, Funk und Radio abzu­stellen, damit der Passagier während der Fahrt in Ruhe telefonieren kann? So lassen sich bereits im Vorfeld Streitig­keiten vermeiden – und Fahrer wie Fahr­gast erreichen entspannt das Ziel.

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