Tatort-Kommissar im Recht Meldung

Als Tatort-Kommissar hat Mario Kopper an der Seite von Lena Odenthal einen guten Draht zur Justiz. Als Privatmann prozessiert Schauspieler Andreas Hoppe seit vielen Jahren um Schadenersatz für eine gefloppte Filmfondsbeteiligung - bislang vergeblich. Doch jetzt erzielte er vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einen entscheidenden Zwischenerfolg.

Verluste statt Sicherheit

Bei dem Beruf liegt die Investition in einen Filmfonds nahe. Doch bei aller Sympathie fürs Filmgeschäft: Andreas Hoppe ging es vor allem um Sicherheit und Rendite, als er 1999 nach einer Geldanlage suchte. Der Anlageberater versicherte: Der Fonds Cinerenta III ist sicher. Wenn die vom Fonds produzierten Filme floppen, springe eine Versicherung ein und fange etwaige Verluste auf. Andreas Hoppe beteiligte sich daraufhin an Cinerenta III. Die Fonds-Filme floppten tatsächlich, und die Versicherung entpuppte sich als Briefkastenfirma in Panama, die bereits insolvent war. Am Ende bekam Hoppe nur etwas mehr als ein Viertel seines Gelds zurück.

Klage gegen Treuhänder

Hoppe beauftragte die auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Kanzlei Rechtsanwälte Mattil & Kollegen. Auf den Rat der Rechtsanwälte hin erhob er Klage gegen den Treuhänder der Fondsbeteiligung, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Contor. Das Unternehmen hätte ihn über die Risiken korrekt aufklären müssen, ließ er die Anwälte argumentieren. Außerdem hätte er wissen müssen, dass die Vertriebsfirma Investor Treuhand stolze 20 Prozent Provision bekam, während im Prospekt nur 7 Prozent zuzüglich 5 Prozent Agio ausgewiesen waren. Außerdem: Sowohl an der Investor Treuhand als auch an der Cinerenta GmbH war ein und derselbe Mann entscheidend beteiligt: Mario Ohoven. Von der interessenkollissionsträchtigen Verflechtung erfuhren Anleger nichts.

Langjähriger Prozess

Zunächst blieb Hoppes Klage ohne Erfolg - wie viele andere Anlegerklagen auch. Das Oberlandesgericht München wies sie im März 2007 ab. Doch Hoppe zog vor den Bundesgerichtshof und beantragte Zulassung der Revision. Erster Hoffnungschimmer: Ende Mai urteilte der BGH in einem anderen Cinerenta-Fall anlegerfreundlich. Zwei Wochen später beschloss der BGH, Hoppes Revision zum großen Teil zuzulassen. Am Donnerstag vergangener Woche verhandelte der BGH den Fall. Am Ende verkündete der 3. Senat sein Urteil: Die Klageabweisung durchs Oberlandesgericht wird aufgehoben. Die Richter dort müssen den Fall jetzt unter Beachtung der Rechtsauffassung des BGH neu aufrollen und beurteilen. Rechtsanwältin Katja Fohrer, die das Urteil gemeinsam mit ihrer Kollegin Sarah Mahler erstritten hat, freut sich: „Anders als die Münchner Richter hat der BGH richtig erkannt, wie hier Anleger über die Verwendung ihrer Gelder getäuscht wurden. Wir sehen für Cinerenta-Anleger gute Chancen auf Schadenersatz.“ Sie vermutet: Letztlich werde die Haftpflichtversicherung der als Treuhänderin agierenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Schäden gerade stehen müssen. Es geht um viel Geld. Insgesamt rund 450 Millionen Euro Anlegergeld sammelten die Cinerenta Fonds I bis V von 1997 bis 2003 ein. Auch die Strafjustiz wird sich mit den Cinerenta Fonds noch eingehend befassen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben.

Bundesgerichtshof, Urteile vom 29.05.2008 und 06.11.2008
Aktenzeichen: III ZR 59/07 und III ZR 81/07

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