Das Microsoft Surface Pro X – im Test der Stiftung Warentest werden die hohen Erwartungen leider nicht erfüllt.

Vor dem Test des hoch­preisigen Microsoft Surface Pro X erhofften wir uns eine kleine Revolution. Denn der einge­setzte ARM-Prozessor könnte längere Akku­lauf­zeiten haben als die bisher einge­setzten Prozessoren von Intel – bei gleicher Leistung. Doch mit der versprochenen „ultimativen Mobilität“ ist es nicht sehr weit her. Wo der geprüfte Edel-Rechner Surface Pro X von Microsoft gut ist und wo er noch enttäuscht, zeigt der Schnell­test von test.de.

Display und Verarbeitung unver­ändert top

Die Test­ergeb­nisse des Microsoft Surface Pro X sind durch­wachsen. Klar im Plus sind Display und Verarbeitung. Im Vergleich mit den bereits getesteten mobilen Computern in unserer Testdatenbank rangiert das neue Gerät in der Produkt­gruppe „Detach­ables“ weit vorn in der Riege der Edel-Minis. Das Surface Pro X macht einen grund­soliden Eindruck und entspricht mit dem schmalen Rand um das Display modischen Erwartungen. Schon mit Computermäusen und Tastaturen zeigte der Software­gigant, dass er Hard­ware kann, er bleibt sich mit dem neuen Surface treu. Das Touch­display ist hell und auf dem Niveau des Surface Pro 7.

Positive Erwähnung: Die Kameras

Microsoft über­lässt die Pixel­jagd anderen Anbietern und baut statt rekord­verdächtiger Pixel­monster Kameramodule mit guter Bild- und Video­qualität ein. Die maximale Auflösung von 10,5 Megapixel für die Haupt­kamera erlaubt Videos mit bis zu 8,3 Megapixel. Das entspricht der Auflösung von UHD-Fernsehern, wie sie inzwischen Stan­dard sind. Fotos bei viel Licht wie auch Video­aufnahmen selbst mit hoher Auflösung sind sehr gut. Die Frontkamera hat weniger Pixel, aber allemal ausreichende 5 Megapixel bei Fotos und 2,1 bei Videos.

Tipp: Sie wollen eigentlich Tests von Kameras? Die Stiftung Warentest testet laufend Kameras.

Mit LTE und USB-C gut ausgestattet

Das einge­baute Mobil­funk­modem unterstützt UMTS (3G) und LTE (4G). Für mobile Daten können Nutzer noch eine echte Daten­karte im Nano-SIM-Format nutzen. Nötig ist das aber nicht: Im Surface Pro X steckt bereits eine eSIM. Da müssen Nutzer nur noch einen passenden Datentarif abschließen, eine physische SIM-Karte ist nicht erforderlich. Ebenfalls zeitgemäß ist die Ausstattung mit zwei USB-C-Buchsen. Beide sind gleich leistungs­fähig, Stich­wort Thunderbolt. Sie können zum Laden des Surface genutzt werden, mit entsprechenden Anschluss­kabeln über­tragen sie aber auch Daten – etwa zur Ansteuerung eines externen Monitors. Das war es aber schon: Eine klassische, große USB-Buchse fehlt genauso wie ein Kopf­hörer­anschluss. Für Musik ist Bluetooth angesagt, alternativ ein Adapter USB-C auf 3,5mm-Klinken­buchse. Damit funk­tionieren auch kabel­gebundene Kopf­hörer.

Fest­speicher und Steck­platz für Nano-SIM. Hinter einer kleinen Abdeckung finden sich der Steck­platz für eine Mobil­funk­karte sowie der Fest­speicher. Diesen dürfen laut Microsoft nur qualifizierte Techniker wechseln.

Akku­leistung des Surface Pro X geringer als erwartet

Der verbaute Prozessor Microsoft SQ1 entspringt einer Koope­ration mit Qualcomm. Das Unternehmen fertigt seit langem schon CPUs für Smartphones und Tablets. Die für mobile Geräte eminent wichtige Energieeffizienz realisieren Microsoft und Qualcomm nicht so gut wie erwartet. In der haus­eigenen Riege findet sich mit dem intel-basierten Surface Pro 6 Besseres: Es lief 5:40 Stunden beim Surfen mit maximaler Helligkeit beziehungs­weise 12:40 Stunden beim Video­gucken mit gedimmtem Display. Das neue Microsoft-Modell hält nicht ganz so lange durch. Wir ermittelten 4:50 Stunden beziehungs­weise 10:10 Stunden.

Wind­ows 10 läuft, aber nicht jede App

Dem Trend zu Apps mit leistungs­fähiger 64-Bit-Architektur folgt Microsoft etwas eigen­sinnig. Der verbaute ARM-Prozessor braucht eigens für diese System­architektur geschriebene Programme. Ein Emulations­programm macht Apps in ihrer 32-Bit-Version zwar lauf­fähig, etwa das beliebte Libre Office. Doch 32-Bit-Versionen gibt es nicht von jeder App – und die Emulations­software bremst. Microsoft weist darauf zwar hin. Doch wer das Klein­gedruckte nicht liest, wird von diesem Wind­ows-10-Rechner vielleicht über­rascht. Ob sich alle Anbieter auf Microsofts Sonderweg bei Win­dows-Apps einlassen, steht in den Sternen.

Schmalhans auch beim Betriebs­system

Installiert ist Windows 10 in der Home-Edition. Für den Haus­gebrauch reicht das sicherlich aus. Doch ein mobiles Gerät sollte Daten verschlüsseln. Den von Microsoft dafür auserkorenen „Bitlo­cker“ hat nur die Pro-Version von Wind­ows 10 dabei. Angesichts des Preises von mehr als 1 400 Euro mit Tastatur und Stift wirkt die Beschränkung auf Wind­ows 10 Home knauserig. Dass nur Business-Kunden die Pro-Version erhalten, ist bei Microsoft aber seit längerem Haus­politik.

Komponententausch nur als Service

Das Surface Pro X hat als Neuerung gegen­über seinen Vorgängern eine Wartungs­klappe. Doch „die Fest­platte darf nur von einem qualifizierten Techniker nach den von Microsoft bereit­gestellten Anweisungen gewechselt werden“. Die Nutzer selbst sollten davon die Finger lassen.

Das Fazit des Schnell­tests Surface Pro X

Display, Verarbeitung und Ausstattung des Surface Pro X sind wie von Microsoft gewohnt hoch­wertig. Der Wechsel von Intel- auf ARM-Prozessor hat aber einen Nachteil: Einige Wind­ows-Apps laufen nur mit Emulations­programm als 32-Bit-Version und dadurch lang­samer als 64-Bit-Apps. Die können nur installiert werden, wenn sie speziell für die ARM-System­architektur kompiliert wurden. Das Angebot ist zumindest derzeit lückenhaft. Das Surface Pro 7 mit Intel-Prozessor bietet mehr Leistung für weniger Geld.

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[Update 18.12.2020] Alle Ergeb­nisse in der Daten­bank

Die ausführ­lichen Test­ergeb­nisse des Microsoft Surface Pro X sind jetzt in unserer Online-Datenbank Laptops, Convertibles, Tablets mit Tastatur verfügbar. Dort gibt es Preise, Ausstattung und Testergbnisse für derzeit insgesamt 126 mobile Computer.

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