Asbest, Dioxin, toxisches Schocksyndrom – um Tampons ranken sich viele Befürchtungen. Wir haben 22 Marken untersucht und keine Schadstoffe gefunden. Große Preisunterschiede aber schon.

Die Periode der Frau ist wohl eher ein Thema, das die Männer nicht so interessiert. Es sei denn, sie sind 16 und müssen sich über alles lustig machen.“ Dieser Kommentar ist in einem Internet-Forum zu lesen. Dort diskutieren junge Mädchen in aller Offenheit, wie sie mit den so genannten Tagen umgehen. Der Sexualkundeunterricht in der Schule reicht da offenbar nicht. Im Internet können sich die Mädchen ganz anonym mit Altersgenossinnen austauschen: „Mit Schrecken erinnere ich mich an die Zeit der ersten Regelblutung, wo meine Mami mit einer Riesenbinde auftauchte, und ich dachte, dies sei mein bitteres Ende. Durch intensive Gespräche mit meinen Klassenkameradinnen wurde mir erst klar, dass es auch andere Alternativen gibt.“

Die Alternativen heißen Tampons. Rund 70 Prozent der Frauen aller Altersklassen bevorzugen sie mittlerweile. Tampons fangen die Blutung im Innern auf und machen so den Abschied von der Binde möglich. Für viele ist das eine Befreiung von lästigen Begleiterscheinungen der Monatshygiene.

Allerdings werden immer wieder verschiedenste Befürchtungen diskutiert. Da ist von Schadstoffen in Tampons die Rede, von Krebs errregendem Dioxin, vom toxischen Schock oder negativen Auswirkungen auf die Scheidenflora.

Wir sind dem nachgegangen und haben 22 Marken geprüft, darunter auch diejenige, die vor rund 50 Jahren den Boom der Tampons auslöste: o.b. Diese Abkürzung steht für „ohne Binde“. o.b. hat reichlich Konkurrenz bekommen: Praktisch jede Handelskette von Aldi und Drospa bis zu kd und Spar führt eine eigene Handelsmarke, die meist neben o.b. im Regal zu finden ist.

600 Frauen für den Test

Der Prüfaufwand für diesen Test war beträchtlich. Insgesamt 600 Frauen haben die Tampons in der Praxis geprüft. In Fragebögen gaben sie an, wie sich die Tampons auspacken und einführen lassen, wie sie sitzen, ob sie beim Tragen stören oder beim Entfernen krümeln oder fasern. Und natürlich am wichtigsten: Ob sie genügend Auslaufschutz bieten. Das erfreuliche Fazit: Alle Marken sind „gut“, o.b. kam sogar auf „sehr gut“ .

Voraussetzung für so viel Zufriedenheit ist, dass die Tampons richtig sitzen. Gerade bei Anfängerinnen klappt das nicht immer. Deshalb haben wir auch einen Applikatortampon in die praktische Prüfung genommen, den die Frauen überwiegend mit „sehr gut“ bewerteten. Solche Tampons minimieren den Fingerkontakt mit der Vagina, weil sie vor allem mithilfe zweier ineinander geschobener Pappröhren eingeführt werden. Die haben im Unterschied zu Tampons meist eine glattere Oberfläche, was mancher Frau das Einführen erleichtert. Applikatortampons gibt es von o.b., gelegentlich auch als billigere Handelsmarke.

Alle Tampons im Test wurden in der am häufigsten gekauften Größe benutzt: „normal“, auch mit drei Tröpfchen auf der Verpackung gekennzeichnet. Die symbolisieren die Saugkraft der Tampons. Und mit dieser mittleren Größe waren die Frauen im Großen und Ganzen auch sehr zufrieden. Wobei der Auslaufschutz an den abklingenden Tagen fast durchweg „sehr gut“ war. An den stärkeren Tagen zu Beginn der Periode sah das etwas schlechter aus, insgesamt aber immer noch „gut“. Hinter diesen Durchschnittsnoten verbergen sich jedoch größere naturgegebene Unterschiede: Einige Frauen fühlten sich auch an den starken Tagen „sehr gut“ geschützt, andere dagegen zu wenig. Für sie kann ein Wechsel zu größeren Tampons sinnvoll sein.

Lieber kleinere wählen

Zu groß sollte der Tampon aber auch nicht sein, auch wenn er häufiges Wechseln ersparen könnte. Am besten ist: so klein wie möglich. Die Gründe:

  • Ganz junge Mädchen sollten mit kleineren Tampons beginnen, egal ob sie nun „mini“ oder „comfort“ heißen. So fällt es ihnen leichter, sie einzuführen.
  • Zu starkes Aufsaugen der Menstruationsflüssigkeit macht die Vagina trocken, das Entfernen des Tampons schmerzhaft und das Einführen eines neuen vorübergehend schlecht oder gar nicht möglich.
  • Blut ist ein ausgezeichneter Nährbo­den für Bakterien. Im Normalfall ist das kein Problem. Möglicherweise aber dann, wenn die Tampons zu lange getragen werden. Das wurde jedenfalls mit dem lebensgefährlichen toxischen Schocksyndrom (TSS) in Verbindung gebracht, das vor allem in den USA auftrat.

Schon deswegen sollte man sicherheitshalber öfter wechseln (am besten alle drei bis sechs Stunden) und keinesfalls einen möglichst großen Tampon nehmen, der dann deutlich länger als acht Stunden benutzt wird.

Die individuell richtige Größe zu finden, fällt nicht schwer. Fast alle Marken bieten Tampons in mindestens drei Größen klein bis ganz groß, von zwei Tropfen bis zu drei oder gar sechs. Zur Angabe der Saugfähigkeit in Tropfen haben sich die Hersteller mittlerweile international verpflichtet. Drei Tropfen stehen für die Fähigkeit, 9 bis 12 Gramm Menstruationsflüssigkeit aufzunehmen, pro weiteren Tropfen sind es jeweils 3 Gramm mehr.

Blutersatz im Labor

Menstruationsflüssigkeit ist kein Blut im herkömmlichen Sinn. Sie gerinnt nicht und führt Schleimhautpartikel aus der Gebärmutter mit sich. Tampons saugen diese Flüssigkeit problemlos auf, wie der Praxistest und die Laborprüfungen mit Testflüssigkeit und künstlicher Vagina (Syngina) gezeigt haben.

Baumwollwatte wird für Tampons nur noch selten verwendet. Meist ist es eine spezielle Viskose, die aus Holz gewonnen und mit Sauerstoff gebleicht wird. Rückstände, die auf eine Chlorbleiche und damit mögliche Dioxinbelastung hindeuten könnten, fanden wir nicht, ebenso wenig andere Schadstoffe. Auch die Rückholbändchen waren stabil, sie rissen weder im Praxis- noch im Labortest.

Weitere Alternativen

Jeden Monat wieder, und das gut und gern 40 Jahre lang – manche Frauen sehen das ganz nüchtern, andere sehr emotional. Kein Wunder, dass da außer Binden und Tampons noch andere Varianten der Monatshygiene existieren. Es soll sogar Frauen geben, die zu selbstgenähten Binden zurückkehren. Bei Marktrecherchen fielen uns noch auf:

  • Softtampons. Sie wurden für den „angenehmen und hygienischen Intimverkehr“ während der Menstruation entwickelt, sind ohne Bändchen, damit für den Partner nicht spürbar. Zum Entfernen empfiehlt der Hersteller, zwei Finger wie eine Pinzette zu nutzen und so den Tampon aus der Scheide zu holen (www.soft-tampons.de).
  • Naturschwämme. Sie werden bei jedem Wechsel mit Wasser ausgewaschen. Nach der Periode kommen sie zum Desinfizieren in Essigwasser. Zu haben beispielsweise über Bioläden, Pro Familia und den Waschbär-Versand.

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