Tagesgeldkonten Test

Trotz sinkender Zinsen bekommen Anleger für Tagesgeld noch gut 4 Prozent – oft auf Onlinekonten. Den Praxistest haben die Banken mit den besten Zinsen bestanden. Amsterdam Trade Bank und Advanzia Bank sollten allerdings nachbessern.

Das ist Musik in den Ohren der gebeutelten Sparer: Das Geld auf den Tagesgeldkonten in unserem Test ist schnell verfügbar, sicher vor Verlusten, die Kontoführung ist unkompliziert, und obendrein ist das Produkt einfach zu verstehen.

Leider senken zurzeit fast alle Banken die Zinsen. Das können sie bei Tagesgeld auch für laufende Konten jederzeit tun. Sie folgen mit ihrer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Mitte Januar den Leitzins zum vierten Mal in Folge herabgesetzt hat: um 0,5 Prozentpunkte auf nun 2,0 Prozent.

Zinsen von 5 Prozent für Tagesgeld werden damit seltener. Doch 4 Prozent sind immer noch drin.

Die besten Zinsen für Tagesgeld bieten häufig Direktbanken. Sie haben kein eigenes Filialnetz und sind für ihre Kunden nur per Internet erreichbar oder per Internet und Telefon, zum Beispiel die ING-Diba.

„Viele Sparer haben wegen der unsicheren Börsenzeiten mehr Geld auf Tagesgeldkonten zwischengeparkt“, sagt Pressesprecher Ulrich Ott von der ING-Diba. Bei der größten deutschen Direktbank wuchsen die Kundeneinlagen im vergangenen Jahr um 2 Milliarden Euro. „Überwiegend ging das Geld auf Tagesgeldkonten“, so Ott.

Auch die Mercedes-Benz Bank meldete im dritten Quartal 2008, dass die Spareinlagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro gewachsen seien.

Banken haben sich gut geschlagen

Finanztest wollte wissen, wie gut die Kontoverbindung bei diesen Direktbanken funktioniert: Drei Testkunden haben deshalb bei je 19 Banken insgesamt 57 Konten eröffnet. Sie haben Geld überwiesen und wieder zurückgeholt. Und sie haben ausprobiert, ob die Bank rund um die Uhr erreichbar ist.

Gleichzeitig haben wir geprüft, wie gut der Schutz vor Betrügern ist und wie sicher Überweisungen sind.

Die Auswertung hat den guten Ruf dieser Geldanlage bestätigt. Von 19 Banken erreichten 14 das Finanztest-Qualitätsurteil „Gut“. Sie haben sich damit in schwierigen Zeiten bewährt. Denn unser Praxistest begann im September 2008 mitten in der Finanzkrise. In dieser Zeit wurden die Banken wahrscheinlich mit Fragen ihrer Kunden überhäuft.

Für die DHB Bank, die Credit Europe Bank und Volkswagen Bank direct haben wir ein „Befriedigend“ vergeben. Schlusslichter nur mit einem „Ausreichend“ sind ausgerechnet die beiden Banken mit den besten Zinsen zum Stichtag 2. Februar 2009: Amsterdam Trade Bank (5 Prozent) und Advanzia Bank (4 Prozent).

Ärger über Mercedes-Benz Bank

Das gute Gesamtergebnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kunden bei der Kontoeröffnung Geduld haben müssen. Bei vielen Banken dauerte es einfach zu lange, bis unsere Tester vollen Zugriff auf ihr Konto hatten.

Die schnellsten Banken ermöglichten ihren Kunden den Zugang im Schnitt innerhalb von vier Tagen. Das schafften sowohl die ICICI Bank als auch die GE Money Bank . Beim Testsieger comdirect bank und bei sechs weiteren Banken mussten die Testkunden im Schnitt sechs bis sieben Tage warten – das ist noch akzeptabel.

Extrem lange Wartezeiten bei der Kontoeröffnung scheint es vor allem dann immer wieder zu geben, wenn eine Bank auf einmal einen ungewöhnlich hohen Zins bietet.

Mitte Januar beschwerten sich bei uns mehrere Leser über die Mercedes-Benz Bank. Sie klagten, dass sie die Bank nicht erreichen konnten und sich Auszahlungen lange hinzogen. Die Bank hatte zuvor mit einem sehr guten Festgeldangebot auf sich aufmerksam gemacht.

Anfang Februar stoppte die Autobank die Kontoeröffnung für Tagesgeld, Festzinsprodukte und Depots sogar „bis auf weiteres“. Die Anträge auf Kontoeröffnung hatten sich von November 2008 bis Januar 2009 verzehnfacht. Ihre Bearbeitung dauerte zuletzt etwa fünf Wochen.

Während unserer Testphase gab es die Probleme mit der Autobank noch nicht. Mit solchen Ausreißern hätte sie für Kontoführung und Kontoeröffnung wahrscheinlich allenfalls ein „Befriedigend“ erreicht.

Die Credit Europe Bank hatte im vergangenen Jahr ähnliche Probleme. Bei einem Spitzenzins von 5 Prozent war die Bank im Frühjahr vom Kundenansturm überfordert. Inzwischen klappt die Kontoeröffnung „gut“.

In weniger als sieben Tagen ist die Kontoeröffnung für ein Tagesgeldkonto zu schaffen, denn in der Regel können die Kunden die Unterlagen aus dem Internet herunterladen. Bei der ING-Diba, die das Antragsformular per Post verschickt, dauerte die Freischaltung sogar nur sechs Tage.

Inakzeptabel ist es deshalb, wenn die Kunden länger als neun Tage warten müssen. Das war immerhin bei knapp der Hälfte der Anbieter der Fall.

Den längsten Atem mussten unsere Tester bei der Denizbank haben: Sie brauchte mehr als drei Wochen für die Kontoeröffnung. Aber auch bei der Santander Direkt Bank, der Volkswagen Bank direct, der Garanti Bank und der Amsterdam Trade Bank konnten unsere Tester erst nach über zehn Tagen Geld einzahlen.

Beim Schlusslicht unseres Tests, der Advanzia Bank, war bei zwei von drei Testern das Konto innerhalb von zwei Tagen freigeschaltet. Doch was wie ein einsamer Rekord aussieht, entspricht in der Abwicklung nicht dem in Deutschland geltenden Recht. Die Advanzia Bank hat ihren Sitz in Luxemburg und hat in ihren Bedingungen vereinbart, dass luxemburgisches Recht gilt.

In Deutschland muss bei der Kontoeröffnung die Identität des Kunden zweifelsfrei festgestellt werden. In Filialbanken legt der Kunde dafür einem Mitarbeiter seinen Personalausweis vor. Für Direktbanken ist das Post-Ident-Verfahren vorgeschrieben (siehe „Checkliste“). Das kann nur entfallen, wenn derjenige, der ein Tagesgeldkonto eröffnen will, bereits Kunde bei der Bank ist.

Der Advanzia Bank genügt es dagegen, wenn der Kunde eine Kopie seines Personalausweises zusammen mit dem Antrag verschickt. Dann schaltet sie sofort ein Konto für ihn frei.

Ein ähnliches Verfahren nutzt die Amsterdam Trade Bank. Für die Legitimation genügen die Kopie des Personalausweises und eine Überweisung vom Referenzkonto auf das Tagesgeldkonto. Allerdings nutzt dem Kunden das verkürzte Verfahren auch nicht viel: Die Kontoeröffnung dauerte trotzdem im Schnitt noch zwölf Tage.

Advanzia Bank mit E-Mail-Banking

Bei der Advanzia Bank unterscheidet sich auch die Führung des Kontos stark von dem bei deutschen Banken üblichen Weg.

Es gibt auf ihrer Internetseite keinen gesonderten Login-Bereich für das Onlinebanking. Deshalb ist es auch nicht möglich, den Kontostand per Internet abzufragen. Ein- und Auszahlungen werden über die allgemeine Website mit einem vorgegebenen Formular per E-Mail in Auftrag gegeben.

Die Legitimierung für Rückzahlungen erfolgt allein über das im Kontoantrag selbst gewählte Passwort. Eine Bestätigung über die Auszahlung bekommt der Kunde ebenfalls per E-Mail.

Einige Tester fanden diese Form der Überweisung einfach und schnell. Unsere Sicherungsanforderungen erfüllt das aber nicht ganz. Betrüger benötigen nur das eine Passwort, um eine Überweisung auslösen zu können.

Hohe Sicherheit fürs Tagesgeld

Die Sicherheit im Onlinebanking ist beim Tagesgeldkonto nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings ein deutlich kleineres Problem als beim Girokonto. Betrüger haben es schwer, an Geld zu kommen, weil bei den meisten Banken Überweisungen nur auf ein Referenzkonto möglich sind, das immer der Kunde festlegt.

Onlinebankingverfahren, die wir nur für eingeschränkt sicher halten, haben wir deshalb nur dann so schlecht wie bei Girokonten bewertet, wenn Überweisungen auch auf ein anderes als das Referenzkonto möglich waren. GE Money Bank und Ziraat Bank kassierten dafür schlechte Noten.

Genauso schlecht wie diese beiden Banken haben wir die DHB Bank, die Advanzia Bank und die Volkswagen Bank direct bewertet, weil sie ein unsicheres Onlinebankingverfahren verwenden. Aber immerhin ist bei diesen Banken eine Überweisung nur auf das Referenzkonto des Kunden möglich.

Verantwortung für Zugangsdaten

Auch zu einer guten Kontoeröffnung gehört ein verantwortungsvoller Umgang mit den Zugangsdaten.

Bei allen Banken kamen die Zugangsdaten, wie die persönliche Geheimnummer (Pin) und die Transaktionsnummern getrennt, entweder per Post oder per Post und E-Mail. Das erschwert es Betrügern, diese Daten abzufangen.

Der Sicherheit des Kontos dient es auch, wenn der Kunde sofort die Zugangsdaten ändert, nachdem er sie erhalten hat. So ist gewährleistet, dass die Pin tatsächlich nur ihm allein bekannt ist.

Bei zwölf Banken wird er sogar zu seinem Glück gezwungen, die Änderung ist Pflicht. Bei der comdirect bank, der ING-Diba, der norisbank und der 1822direkt wird das immerhin empfohlen.

Wenn unsere Testkunden das Konto erst einmal eröffnet hatten, klappte die Kontoführung bei drei von 19 Banken „sehr gut“ und bei zehn Banken „gut“. Die anderen fünf schafften nur ein „befriedigend“.

Probleme gab es zum Beispiel bei Überweisungen vom Tagesgeldkonto zurück auf das Referenzkonto. Schlecht dran waren die Testkunden bei der Oyak Anker Bank und der Denizbank: Von vier Überweisungen wurden einmal zwei und zweimal drei nicht sofort ausgeführt. Die Denizbank entschuldigte sich immerhin beim Testkunden für den Fehler.

Zur Kontoführung gehört auch, wie die Bank reagiert, wenn der Kunde Anfragen per E-Mail oder Telefon stellt. Das klappte sowohl bei den allgemeinen Fragen nach anderen Sparprodukten oder der Abgeltungsteuer als auch bei technischen Fragen. Brauchen Onlinekunden eine ISDN-Leitung? Geht Onlinebanking auch mit IPhone oder PDA? Die Mitarbeiter am Telefon antworteten meist richtig.

Komplikationen gab es bei acht Banken, als die Tester den Onlinezugang telefonisch sperren lassen wollten. Sie hatten den Verdacht geäußert, das Dritte die Zugangsdaten einsehen konnten.

Die comdirect bank verweigerte in einem Fall die Sperrung mit der Begründung, dass Überweisungen schließlich nur auf das Referenzkonto möglich sind. Trotzdem halten wir eine Sperre für nötig. Wer bei der comdirect bank im Besitz der Zugangsdaten ist, kann das Referenzkonto nämlich ändern.

Andere Banken wie zum Beispiel die Garantibank, die ICICI Bank oder die Mercedes-Benz Bank nahmen bei einigen Testpersonen die Sperre des Kontos am Telefon zwar entgegen, führten sie aber nicht aus, sodass die Tester mit den alten Zugangsdaten weiter Zugriff hatten.

Sichere Überweisungen

Sichere Verfahren für Überweisungen vom Tagesgeld auf das Referenzkonto bieten sechs von 19 Banken. Weitere sechs Banken haben zumindest ein eingeschränkt sicheres Verfahren für das Onlinebanking. Bei allen Banken muss der Kunde aber selbst aktiv werden, damit er das bestmögliche Verfahren nutzen kann.

Bei der 1822direkt Bank und der Deutschen Skatbank können Kunden mit dem derzeit sichersten Verfahren HBCI mit Chipkarte Überweisungen freigeben. Voreingestellt ist bei der 1822direkt aber nur das unsichere einfache Pin/Tan-Verfahren, bei der Skatbank ist es immerhin das eingeschränkt sichere iTan-Verfahren (siehe „Onlinebanking“).

Wann Banken haften

Ein Missbrauch von Tagesgeldkonten ist bisher nicht bekannt. Wir erwarten dennoch eine faire Haftungsregelung für den Fall, dass doch einmal etwas passiert.

Auch hier fallen die Advanzia Bank und die Amsterdam Trade Bank negativ auf. Im Streitfall gilt luxemburgisches beziehungsweise niederländisches Recht. Das macht Kunden aus Deutschland die Sache schwer.

Außerdem wollen beide Banken nur haften, wenn sie grob fahrlässig gehandelt haben. Bei leichter Fahrlässigkeit muss der Kunde den Schaden selbst tragen. Was grob und was leicht fahrlässig ist, müssten im Einzelfall erst die Gerichte klären.

Würde das Konto von Betrügern missbraucht, trägt bei beiden Banken der Kunde das Risiko.

Drei Sicherheitsnetze

Bei allen Banken im Test ist das Geld bei einer Pleite geschützt. Anleger müssen aber bei einigen ausländischen Banken Grenzen beachten.

Für Einlagen bei deutschen Banken gilt zuerst die gesetzliche Einlagensicherung. Sie schützt 90 Prozent einer Kundeneinlage, maximal 20 000 Euro. Zusätzlich ist das Spargeld durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken oder die Sicherungssysteme der Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Millionenhöhe abgesichert. Im Ernstfall würden sie für die Einlagen geradestehen, die die 20 000-Euro-Grenze übersteigen.

Selbst wenn auch dieses Sicherheitsnetz nicht ausreicht, können Anleger noch auf die Staatsgarantie bauen.

Bei den Banken aus unserem Test mit Sitz in Österreich (Denizbank), den Niederlanden (Amsterdam Trade Bank, Credit Europe Bank, DHB Bank, Garanti Bank) oder Luxemburg (Advanzia Bank) sollten vorsichtige Anleger nicht mehr als 20 000 Euro pro Person und Bank anlegen. Zwar gelten in einzelnen Länder inzwischen höhere Sicherungsgrenzen. Sie sind aber teilweise zeitlich befristet, und manchmal ist es zweifelhaft, ob der Staat im Ernstfall zahlungsfähig wäre.

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