Auf Tagesgeldkonten oder in Geldmarktfonds können Anleger kurze Zeit Geld parken, bis sich die Lage an den Börsen bessert. Doch Fonds oder Konto – was ist die bessere Wahl?

Egal was für ein Wetter an den Aktienmärkten herrscht, Anleger, die in Geldmarkfonds oder Tagesgeldkonten investieren, schützen ihr Geld vor den Kursstürzen an den Aktienmärkten. Außerdem sind sie mit beiden Produkten flexibel und können börsentäglich über ihr Geld verfügen.

Eine üppige Rendite dürfen sie für diesen Komfort aber nicht erwarten: Gute Geldmarktfonds brachten in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 3,4 Prozent. Etwas besser schnitten einige Tagesgeldangebote ab. Im Jahresdurchschnitt lagen Top-An­gebote bei rund 3,8 Prozent. Damit waren die Renditen von guten Geldmarktfonds und Tagesgeldkonten höher als auf dem Sparbuch und mindestens genauso gut wie die von Festgeld über 30 oder 90 Tage.

Dieser Renditevorteil und vor allem die Börsenkrise tragen dazu bei, dass Geldmarktfonds boomen. In den ersten drei Quartalen 2002 verbuchten Euro-Geldmarkfonds einen enormen Zu­lauf: 9,5 Milliarden Euro haben Anleger neu in diese Fondsgruppe investiert. Mittlerweile verwalten Geldmarktfonds rund 60 Milliarden Euro. Das sind etwa 16 Prozent der deutschen Publikumsfonds.

Auch Tagesgeldkonten stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Anleger: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank ist das Vermögen von Privatpersonen, das hierzulande auf Tagesgeldkonten liegt, von Januar bis Oktober 2002 um rund 7 Prozent gestiegen.

Anbieter mit stabilen Zinsen

Die Zinsen für das Tagesgeld dürfen die Banken täglich ändern. Bei der Auswahl eines Tagesgeldkontos sollten Anleger daher nicht nur auf den aktuellen Zins achten, sondern eine Bank auswählen, die in der Vergangenheit kontinuierlich gute Zinsen geboten hat. Das gilt für die Diba, die Finansbank und die Garantibank. Ihre Angebote gehörten in den vergangenen zwölf Monaten immer zu den fünf besten am Markt.

Stabile Zinsen in der Vergangenheit sind keine Garantie für gute Zinsen in der Zukunft. Sie sagen aber durchaus ­etwas über die Geschäftspolitik einer Bank aus. Denn einige Banken nutzen gute Tagesgeldzinsen als Eröffnungsangebot, um am Markt bekannt zu werden und neue Kunden zu gewinnen. Nach kurzer Zeit senken sie die Zin­­sen dann wieder. Diese Strategie verfolgt zur Zeit die Direktbank der Mittelbrandenburgischen Sparkasse – kurz mbs direkt. Sie bietet seit November 2002 für Neukunden, die bis zum 31. Dezember das Extra-Zins-Tagesgeldkonto eröffnen, einen Zinsbonus von 1 Prozent. Der Nominalzins liegt für Summen ab 1 500 Euro bei 3,5 Prozent. Der Sonderbonus wird aber nur bis zum 31. Januar 2003 gezahlt.

Anschließend gelten wieder die herkömmlichen Tagesgeldkonditionen von derzeit 2,5 Prozent. Anleger, die bei der Direktbank der Mittelbrandenburgischen Sparkasse ein Konto eröffnen, müssen sich im Februar ein neues Tagesgeldkonto suchen, sofern sie weiter gute Zinsen kassieren möchten.

Die permanente Suche nach guten Angeboten und der Wechsel zu einem neuen Konto bleiben Anlegern von Geldmarktfonds erspart. Sie suchen sich einmal einen guten Geldmarktfonds aus und brauchen sich erstmal nicht weiter um ihr Investment zu kümmern. Lediglich ein- bis zweimal im Jahr sollten sie einen Blick auf die Entwicklung ihres Fonds werfen.

Fast keine Risiken

Auf Tagesgeldkonten können Anleger kein Geld verlieren. Einzig bei Banken, die nicht im deutschen Einlagensicherungsfonds sind, sollten Anleger nicht mehr als die gesicherten Summen anlegen. Das sind im Falle der Garantibank, der DHB Bank und der Finansbank nicht mehr als 20 000 Euro.

Bei Geldmarktfonds, die in Euro investieren, gibt es zwar ein geringes Verlustrisiko. Doch im dreijährigen Un­tersuchungszeitraum machte nur ein Fonds zeitweilige Verluste. Diese Ausnahme ist der H & A Universal-Geldmarktfonds. Er hat seinen Anlegern im Oktober 2002 einen Verlust von 0,8 Prozent beschert.

Die Ursache für dieses Minus lag in der Auswahl der Papiere. Der Fonds investiert auch in kurzlaufende Anleihen von Unternehmen oder Staaten mit niedriger Kreditwürdigkeit (Bonität), die aber höhere Zinsen bieten.

Diese Strategie brachte dem Fonds in der Vergangenheit gute Ergebnisse: Noch vor gut einem Jahr lag er in der  Finanztest-Fondsanalyse an der Spitze. Mit 4,3 Prozent schlug er sogar den Index. Doch jetzt machen ihm die Papiere mit geringer Bonität zu schaffen. Für solche Papiere sind die Kurse gesunken, und dies lässt auch den Kurs des Geldmarktfonds sinken, im Falle des H & A Universal-Geldmarktfonds sogar ins Minus. Zum kurzfristigen Parken ist der Fonds daher nicht geeignet.

Nur ohne Ausgabeaufschlag

Die Renditeunterschiede sind bei Geldmarktfonds bei weitem nicht so groß wie bei Aktienfonds. Die Differenz zwischen dem besten Geldmarktfonds und dem schlechtesten sind lediglich 1,1 Prozentpunkte.

Im Dreijahresrückblick haben vier Fonds, nämlich der SEB Invest Money Market, der Commerzbank Money Market Euro, der Activest Euro-Geldmarkt Plus und der Pictet FIF Euro Cash Plus P Cap am besten abgeschnitten. Alle vier hatten in dieser Zeit eine Wertentwicklung von 3,9 Prozent pro Jahr.

Auffällig ist bei allen vier Fonds ihre vergleichsweise niedrige Verwaltungsgebühr. Sie liegt je nach Fonds zwischen 0,15 Prozent (Activest Euro-Geldmarkt Plus) und 0,25 Prozent pro Jahr (SEB Invest Money Market). Der schlechteste Geldmarktfonds, der Fidelity Euro Currency, verlangt dagegen jährlich 1 Prozent Verwaltungsgebühr.

Das Beispiel zeigt, dass es bei Geldmarktfonds einen engen Zusammenhang zwischen den Gebühren und der Wertentwicklung gibt. Ein halbes Prozent macht hier bereits den Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigem Geldmarktfonds aus. Denn angesichts der niedrigen Renditen fällt die Verwaltungsgebühr bei dieser Fonds­gruppe stärker ins Gewicht.

Als Faustregel für die Rendite von Geldmarktfonds gilt: Ein guter Fonds erwirtschaftet das allgemeine kurzfris­tige Zinsniveau abzüglich seiner Kosten. Fonds mit einer Verwaltungsgebühr von mehr als 0,5 Prozent pro Jahr und einem Ausgabeaufschlag sollten Anleger daher meiden.

Manche Fonds haben als Einstiegshürde hohe Mindestanlagesummen. Wäh­rend für den Pictet FIF Euro Cash Plus P Cap eine Mindestanlage von stattlichen 500 000 Euro gilt, müssen Neuanleger in den Commerzbank-Fonds 1 500 Euro, in den SEB Invest Market 20 000 Euro und in den Activest Euro Geldmarkt Plus 50 Euro einzahlen, sofern sie direkt bei der Gesellschaft kaufen. Bei den Direktbanken gelten aber häufig niedrige Mindestanlagesummen. So sind alle vier Spitzenreiter bei comdirect ab 1 500 Euro zu haben.

Geldmarktfonds oder Tagesgeld?

Sparer, die bei ihrer Bank einen guten Geldmarktfonds kaufen können, der in der Finanztest-Tabelle auf Seite 32 eine 3 vor dem Komma hat, sollten hier ihr Geld parken. Das ist bequemer als Tagesgeld, bei dem auch Top-Angebote durch Zinssenkungen zum Wechsel zwingen können. Ein Geldmarktfonds ist aber nur geeignet, wenn der Anleger schon ein Depot hat, in das er ihn kostenlos dazulegen kann. Extrakosten, wie etwa bei der DWS, wo jeder Fonds im nicht onlinegeführten Depot mindestens 8 Euro im Jahr kostet, mindern nur unnötig die Rendite.

Anleger, die bisher kein Fondsdepot haben oder weniger als die erforderliche Mindestanlagesumme parken möchten, sollten ein Tagesgeldkonto wählen. Auch für die eiserne Reserve sind Tagesgeldkonten besser geeignet. Hier bieten sich Banken an, die derzeit einen Nominalzins von mehr als 3 Prozent zahlen und auch im Jahresrückblick einen über dem Marktdurchschnitt liegenden Zins geboten haben. Im Gegensatz zu vielen Geldmarktfonds verlangen die meisten der guten Tagesgeldanbieter keine Mindestanlagesumme. Als Renditekiller wir­ken sich aber auch bei Tagesgeldkonten Zusatzkosten aus. Deshalb sollten An­leger kein Tagesgeldkonto eröffnen, für das Kontogebühren oder Portokosten anfallen. Die von Finanztest veröf­fentlichten Tagesgeldangebote erfüllen diese Bedingungen.

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