Tagesgeld- und Festzinsangebote Test

In der Finanzkrise gibt es viele Verlierer. Mit Tagesgeld oder Festzinsangeboten können sich Anleger auf die Gewinnerseite schlagen. Doch sie sollten sich die hohen Zinsen schnell sichern.

Wer sein Geld sicher und ertragreich anlegen will, hat es zurzeit schwer. Die drastischen Zinssenkungen der Notenbanken rund um den Globus lasten auf den Renditen von Staatsanleihen, die Anleger oft als letzte Bastion betrachten.

Wenn sie ihre Ersparnisse dem deutschen Staat anvertrauen, erhalten Sparer zwar maximale Sicherheit, aber nur mickrige Zinsen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen kaum mehr als 3 Prozent, Bundesschatzbriefe mit einer Laufzeit von sieben Jahren sogar weniger.

Doch es gibt einen Ausweg: Bei Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen sind Sicherheit und attraktive Konditionen kein Widerspruch.

Finanztest hat die Tages- und Festgeldkonditionen der wichtigsten Banken untersucht und jede Menge empfehlenswerte Angebote gefunden. In einem Umfeld sinkender Zinsen haben Anleger noch die einmalige Chance, sich für ein Jahr oder mehrere Jahre eine Fünf vorm Komma zu sichern.

Spitzenzins für Tages- und Festgeld

Zinsen von klar über 5 Prozent konnten Anleger Ende November für Tagesgeld bekommen. Das ist im Vergleich zu anderen sicheren Anlageformen äußerst attraktiv. Ein guter Maßstab ist die Tagesanleihe des Bundes, die Ende November eine Rendite von deutlich unter 3 Prozent bietet. Auch bei Festgeld haben Anleger, die sich ein Bankangebot herauspicken, gut lachen. Wer für drei oder sechs Monate abschließt, kann zurzeit ebenfalls eine Rendite von mehr als 5 Prozent herausschlagen. Ähnlich viel kassieren Anleger, die ihr Geld den Spitzenreitern aus unseren Tabellen für ein oder zwei Jahre anvertrauen.

Dass die Schere so weit auseinandergeht, hat einen simplen Grund. Viele Banken brauchen Geld und sammeln gern auch von Privatanlegern ein. Daher bieten sie attraktivere Konditionen als der Bund.

In den vergangenen Monaten haben sich zum Beispiel die Tagesgeldzinsen weitgehend vom allgemeinen Zinstrend abgekoppelt. Der Durchschnittszins für die jeweils 20 besten Angebote ging kontinuierlich nach oben, während die gängigen Marktzinsen längst in die andere Richtung zeigen (siehe Grafik). Davon können Anleger profitieren.

Allerdings sollten sie schnell handeln, denn die Konditionen können sich täglich verschlechtern. Wir haben in unseren Tabellen alle Veränderungen berücksichtigt, die uns bis zum Redaktionsschluss vorlagen. Anleger sollten aber unbedingt vor dem Abschluss eines Vertrags prüfen, ob die von uns angegebenen Konditionen noch gelten. Eine Garantie dafür können wir nicht geben. Dennoch: Die Zinsangebote bleiben selbst dann attraktiv, wenn die Banken an der Zinsschraube drehen.

Gute Karten für Neukunden

Wer bereit ist, ein neues Tagesgeldkonto bei einer „Fremdbank“ zu eröffnen, hat gute Chancen auf hohe Zinsen. Neukunden werden heftig umworben und erhalten oft zeitlich befristet attraktivere Konditionen als die Stammkundschaft.

Bei manchen Instituten gelten die Lockzinsen tatsächlich nur für Anleger, die vorher kein Konto hatten, bei anderen sind alle Gelder begünstigt, die vorher noch nicht auf einem Konto der betreffenden Bank deponiert waren. Wir haben die aktuellen Angebote dieser Art in einer Extratabelle zusammengestellt.

Aber Vorsicht: Einige Schnäppchen laufen nur für kurze Zeit oder gelten nur für geringe Anlagebeträge. Deshalb sollten sich Anleger vor dem Abschluss schlau machen, wo der Normalzins der Bank liegt und wie stabil ihre Angebote in der Vergangenheit waren.

Wir raten eher zu Banken, die sich durch eine dauerhaft gute Zinspolitik hervortun und ihren Kunden über die Jahre hinweg überdurchschnittliche Konditionen bieten (siehe Tabelle „Dauerhaft gut“).

Für jeden die passende Anlage

Bei den vielen attraktiven Zinsangeboten ist es für Anleger schwer, das für sie passende zu finden. Wir haben die interessantesten Tages- und Festgeldofferten nach Anlagezeitraum und Verfügbarkeit gruppiert.

Anleger müssen sich zunächst entscheiden, was sie konkret bezwecken. Soll das Geld jederzeit verfügbar sein, kommt nur Tagesgeld infrage. Bei der Frage, wie man sich heute festlegen sollte, spielt die Zinserwartung eine große Rolle: Wer von dauerhaft niedrigen oder weiter fallenden Zinsen ausgeht, sollte sich ein Angebot mit einer möglichst langen Laufzeit sichern. Wer dagegen einen Zinsanstieg für plausibler hält, ist bei Dreimonats- bis Zwölfmonatsgeldern richtig.

Interessant sind auch einige Alternativen zu „Bundesschätzchen“ (siehe Tabelle „Einmalanlagen mit vorzeitiger Ausstiegsmöglichkeit“). Bei Laufzeiten von bis zu sieben Jahren bieten manche deutlich mehr. Bei der Bausparkasse Mainz gibt es bei sechs Jahren Laufzeit sehr attraktive 5,16 Prozent. Und der Anleger kann sogar vorzeitig aussteigen.

Auf Nummer sicher

Bleibt die entscheidende Frage: Wie sicher sind diese Zinsschnäppchen nun wirklich? Besteht vielleicht doch die Gefahr, dass Anleger ihr Geld verlieren? Bei allen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken die einer deutschen Sicherungseinrichtung angehören, können wir diese Frage guten Gewissens verneinen. Drei Sicherheitsnetze fangen nahezu alle Risiken ab (siehe auch Sicherheit von Geldanlagen).

Zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung gibt es den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken und die Sicherungssysteme der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Nun kommt auch noch die von der Bundeskanzlerin und dem Bundesfinanzminister ausgesprochene Garantie für Spargelder hinzu. In unserer Tabelle „Spargeld bei Sparkassen und Banken“ im Artikel Sicherheit von Geldanlagen zeigen wir, welche in Deutschland aktiven Banken welche Sicherungsgrenzen haben.

Bei den Top-Adressen für Tages- und Festgeld handelt es sich meist um ausländische Banken ohne Filialnetz in Deutschland. Sie haben hier allenfalls einzelne Niederlassungen, manche sind sogar nur übers Internet oder telefonisch erreichbar. Anleger sollten auf jeden Fall die jeweiligen Sicherungsgrenzen beachten.

Wer sein Geld dorthin überweist, sollte sich außerdem darüber klar sein, dass der Service nicht mit dem ihrer Hausbank vor Ort vergleichbar ist. Das beginnt bei der Erreichbarkeit und hört bei der Qualität von Informationsmaterial nicht auf.

Bei „Auslandsbanken“ gut abwägen

Wir haben alle Banken, die nicht der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung angehören, in den Tabellen separat aufgelistet. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist die Sicherheit von Einlagen.

Pro Anleger schützen die deutschen Sicherungssysteme Beträge in Millionenhöhe oder gar unbegrenzt. Bei den Banken aus den Niederlanden, aus Luxemburg und Österreich sind deutlich geringere Beträge geschützt. Hundertprozentig garantiert waren bisher 20 000 Euro pro Person.

Zwar werben vor allem einige Banken aus den Niederlanden eifrig mit einem neuen Höchstbetrag von 100 000 Euro, den die dortige Notenbank zugesichert hat. Doch erstens ist diese Summe nicht in ein Gesetz gegossen und zweitens auf ein Jahr befristet. Wir empfehlen Anlegern deshalb weiterhin, nicht mehr als 20 000 Euro pro Person bei diesen Banken anzulegen.

Hat eine Bank ihren Hauptsitz nicht in Deutschland, müssen sich Anleger im Falle einer Pleite womöglich auf umständliche Prozeduren gefasst machen. Sie hätten es dann eben nicht mit deutschen Behörden und Verbänden zu tun, um ihre Fragen und Forderungen vorzubringen.

Kunden der pleitegegangenen isländischen Kaupthing Bank können davon ein Lied singen. Sie wissen immer noch nicht genau, wann sie ihre angelegten Gelder zurückbekommen (siehe Meldung Kaupthing). Auf den isländischen Einlagensicherungsfonds können sie keinerlei Druck ausüben.

Entschädigung mit Haken

Unbehaglich ist auch Kunden der lettischen Parex-Bank zumute, seit diese Bank teilverstaatlicht wurde. Was wäre, wenn der Ernstfall einträte? Parex ist im Gegensatz zu Kaupthing sogar Mitglied im Einlagensicherungsfonds des deutschen Bankenverbandes, sodass Einlagen von bis zu 1,5 Millionen Euro pro Person garantiert werden.

Doch viele Anleger waren sich bei der Überweisung an das lettische Institut kaum der konkreten Folgen bewusst, die eine Pleite hätte. Die Sicherungseinrichtung des Verbandes springt nämlich nur für Beträge ein, die nicht von der lettischen Einlagensicherung erstattet werden.

Bei Banken mit Hauptsitz in Deutschland macht es für Anleger kaum einen Unterschied, welchen Anteil ihres Kapitals sie nun aus dem staatlichen oder dem privaten Sicherungstopf erhalten. Ungleich schwieriger dürfte es sein, sich mit Behörden in Lettland auseinandersetzen, um bis zu 50 000 Euro Schadenersatz einzufordern. Die kürzlich bekanntgegebene Erhöhung der lettischen Einlagensicherung von 20 000 auf 50 000 Euro ist für Parex-Anleger daher kein Grund zum Jubeln.

Bei der ICICI-Bank wären im Pleitefall gute Englischkenntnisse von Vorteil. Ihre deutsche Niederlassung ist der britischen Tochter des indischen Unternehmens zugeordnet. Also müssten sich Anleger zunächst einmal bis zu 50 000 britische Pfund aus Großbritannien zurückholen, ehe der Sicherungsfonds des deutschen Bankenverbands in die Bresche spränge.

Selbst Kunden von Cortalconsors wären auf grenzüberschreitende Rückzahlungen angewiesen, denn der Stammsitz ihrer Bank ist Frankreich. Seit die renommierte BNP Paribas den deutschen Direktbroker Consors übernommen hat, ist im Pleitefall für die ersten 70 000 Euro die französische Einlagensicherung zuständig.

Ein Grund zur Sorge für Sparer ist das aber nicht. Wir gehen davon aus, dass die Sicherungssysteme von langjährigen EU-Ländern genauso belastbar sind wie die in Deutschland.

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