Anleger verdienen mit kurzfristigen Zinsanlagen zurzeit genau so viel wie vor zwei Jahren, und das trotz historisch niedriger Zinsen.

Eine drei vor dem Komma ist möglich, doch dann ist Schluss. Höhere Zinsen dürfen Anleger, die ihr Geld sicher anlegen wollen, zurzeit nicht erwarten. Das zeigen die Ergebnisse des Zinstests von Finanztest.

Anleger, die sich für drei Jahre festlegen, erhalten beim Spitzenreiter, der Santander Consumer Bank, 3,5 Prozent Zinsen pro Jahr (siehe Tabelle „Einmalanlagen ohne vorzeitige Verfügbarkeit“). Längere Laufzeiten bringen kaum höhere Zinsen.

Wer auf Flexibilität Wert legt, muss sich mit noch weniger zufriedengeben: Für Geldanlagen, die Anleger während der Laufzeit kündigen können, bietet die NF Bank selbst für fünf Jahre nur eine Rendite von 2,72 Prozent pro Jahr.

Zins ist nicht gleich Zins

Trotz trauriger Zinslandschaft gibt es eine gute Nachricht: Anleger haben von ihrer Geldanlage heute statistisch gesehen genau so viel wie beispielsweise vor zwei Jahren, und das obwohl die Tagesgeldzinsen von Spitzenanbietern damals über 4 Prozent lagen.

Der Grund hierfür ist die derzeit niedrige Inflationsrate. Grundsätzlich gilt: Je höher die Inflationsrate, desto stärker verliert das Geld des Anlegers an Wert. Nur ein hoher Anlagezins kann dies ausgleichen.

Umgekehrt können Anleger auch bei einer niedrigen Inflationsrate gut verdienen, und das selbst dann, wenn ihre Anlagen nur gering verzinst werden. Genau dies ist zurzeit der Fall.

Die Inflationsrate lag im Monat Dezember bei 0,8 Prozent und für das ganze Jahr 2009 sogar nur bei 0,4 Prozent. Das ist im Zehnjahresrückblick betrachtet sehr wenig. Hier verlor das Geld im Schnitt 2 Prozent pro Jahr an Kaufkraft.

Tagesgeld- und Festzinsangebote Test

Zieht man die Inflationsrate vom Anlagezins ab, ergibt sich der Realzins. Er ist der entscheidende Maßstab, um den Ertrag einer Geldanlage zu beurteilen. Der Realzins für Top-Angebote unseres Tagesgelddauertests lag vor zwei Jahren bei etwa 1,2 Prozent, obwohl der Durchschnittszins bei rund 4 Prozent lag. Heute beträgt der Realzins dank der niedrigen Inflationsrate ebenfalls rund 1,2 Prozent.

So viel erhalten aber nur Anleger, die in ein Top-Zinsangebot investiert haben. Solche Angebote gibt es normalerweise nicht bei der Hausbank um die Ecke. Meistens sind es eher unbekannte Direktbanken wie die Yapi Kredi Bank Nederland oder die Bank of Scotland, die unsere Bestenlisten anführen (siehe Tabellen „Attraktive Festgelder“, „Tagesgeldkonten“).

Um den Realzins auszurechnen, haben wir von dem Durchschnittszinssatz der zwanzig besten Tagesgeldkonten die durchschnittliche Inflationsrate abgezogen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht. Die individuelle Inflation kann etwas anders ausfallen (siehe „Unser Rat“).

Minus mit dem „Plus Sparen“

Wir haben in unserem Test auch viele Angebote gefunden, deren Zins gerade einmal die aktuelle Inflationsrate ausgleicht. Mit dem „Plus Sparen fest“ der Hypovereinsbank machen Anleger sogar Minus: Hier erhält der Sparer für eine feste Laufzeit von einem Jahr nur 0,4 Prozent Zinsen. Das ist weniger als die Inflationsrate vom Dezember 2009.

In diesem Jahr rechnen Experten mit einem geringen Anstieg der Inflation. „Wir erwarten eine Inflationsrate von durchschnittlich 0,6 Prozent und von 0,8 Prozent für 2011“, sagt Wolfgang Nierhaus vom Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (ifo). „Diese Prognose gilt aber nur, wenn die Regierung die Mehrwertsteuer nicht erhöht.“ Ansonsten würde die Inflationsrate höher ausfallen.

Das Gerücht der drohenden Inflation

Obwohl die Zahlen eine andere Sprache sprechen, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass eine Superinflation drohe. Finanztest hat in den vergangenen Monaten Zuschriften von Lesern erhalten, die Angst vor einer stark steigenden Inflation haben und sich fragen, wie sie ihr Geld schützen können.

Diese Sorgen kennt auch Kerstin Bernoth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gut: „Die Deutschen sind beim Thema Inflation besonders sensibel. Dahinter steckt eine Art vererbte Angst aus den 20er Jahren, als große Teile der Bevölkerung ihre Ersparnisse verloren haben.“

Geschürt werden Inflationsängste auch dadurch, dass die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank viel Geld in die Finanzmärkte gepumpt haben, um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Es war sogar schon vom „Anwerfen der Notenpresse“ die Rede. So mancher Anleger schließt daraus: Es gibt immer mehr Geld, die Zahl der Güter bleibt aber ungefähr gleich. Das könne nur zu einer Inflation führen.

„Das stimmt so nicht“, sagt Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) . „Man muss zwischen Zentralbankgeld und dem Geld, das tatsächlich im Umlauf ist, unterscheiden. Nur das Zentralbankgeld hat sich stark erhöht.“ Die Geschäftsbanken können dieses Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) abrufen, um beispielsweise Kredite an Unternehmen zu vergeben.

„Voraussetzung für eine Inflation ist aber, dass die für Waren und Dienstleistungen relevante Geldmenge übermäßig steigt. Und das ist nicht passiert“, sagt Oliver Holtemöller. „Die Sparer können davon ausgehen, dass die EZB das Zentralbankgeld wieder reduziert, sobald sich der Geldmarkt entspannt.“

Einlagen sind gut geschützt

Neben der Angst vor dem Wertverlust ihres Spargeldes beschäftigt Anleger vor allem dessen Sicherheit. Was ist, wenn die Bank pleitegeht?

Hundertprozentige Sicherheit gibt es in Geldfragen ebenso wenig wie in anderen Bereichen des Lebens. Die Einrichtungen, die das Geld der Sparer in Deutschland schützen sollen, kommen diesem Ideal aber schon sehr nahe.

Für Spareinlagen bei Privatbanken, beispielsweise bei der Deutschen Bank oder Postbank, gilt im Falle einer Insolvenz zunächst die gesetzliche Einlagensicherung. Danach sind Einlagen bis 50 000 Euro vollständig geschützt. Hierzu gehören Girokonto-Guthaben, Sparbriefe, Festgeld und Tagesgeld. Inhaberschuldverschreibungen und Zertifikate fallen allerdings nicht unter diesen Schutz. Gleiches gilt für Fremdwährungskonten, die beispielsweise in US-Dollar oder türkischer Lira geführt werden.

Die Grundlage für die gesetzliche Einlagensicherung ist das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG). Es schreibt vor, dass alle Privatbanken Pflichtmitglied in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) sein müssen. Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken sind nicht in der EdB. Sie haben ein eigenes bundesweites Sicherungssystem. Es schützt Kundeneinlagen in unbegrenzter Höhe.

Für die Pflichtmitgliedschaft in der EdB müssen die Privatbanken einen Jahresbetrag bezahlen. Er beträgt 0,016 Prozent der Bilanzposition „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“.

Die meisten Privatbanken sind neben der Pflichtmitgliedschaft in der EdB außerdem freiwillig dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) beigetreten. Er sichert im Ernstfall pro Kunde Geldbeträge in Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank ab (siehe Tabelle „So funktioniert die Einlagensicherung“).

Im Falle einer Bankenpleite würden Privatkunden, die beispielsweise 100 000 Euro in Festgeld und Sparbriefen angelegt haben, 50 000 Euro von der EdB und die restlichen 50 000 vom Einlagensicherungsfonds erhalten. Wäre die Bank nicht Mitglied im Einlagensicherungsfonds wie die C&A-Bank oder die Umweltbank, bekämen sie dagegen nur 50 000 Euro erstattet. Finanztest empfiehlt deshalb, keine Beträge über der Sicherungsgrenze anzulegen.

6,3 Milliarden Euro Entschädigung

Erst vor kurzem hat sich gezeigt, dass die Einlagensicherung in Deutschland funktioniert. Im Jahr 2009 wickelte der Bankenverband den größten Entschädigungsfall in seiner Geschichte ab: die Pleite der Lehman Brothers Bankhaus AG.

Das Bankhaus war eine deutsche Tochter der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und hatte vor allem institutionelle Kunden, darunter Krankenkassen wie etwa die Barmer Ersatzkasse. Sie hatte dort 210 Millionen angelegt.

„Fast alle Anleger sind inzwischen entschädigt“, sagt Thomas Schlüter vom BdB. Ihr Geld war sicher, weil das Lehman Brothers Bankhaus nicht nur Pflichtmitglied in der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB), sondern auch freiwillig im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) war. Er schützte Einlagen bis zu 285,105 Millionen Euro pro Kunde.

Viele Kleinanleger, die Lehman-Zertifikate von unterschiedlichen Töchtern der Pleitebank gekauft haben, kämpfen dagegen noch um ihr Geld. Denn ihre Papiere sind Inhaberschuldverschreibungen und fallen nicht unter den Einlagensicherungsschutz.

Offizielle Zahlen über die Höhe der Entschädigungszahlungen möchte der Bankenverband nicht nennen. Eine amerikanische Internetseite, die Ansprüche auflistet, die an das insolvente Unternehmen gerichtet sind, nennt auch Entschädigungszahlungen. Danach hat der BdB bisher etwas mehr als 6,3 Milliarden Euro an die Anleger gezahlt.

Ausländische Banken sind sicher

Die ausländischen Banken im Test schützt die gesetzliche Einlagensicherung ihres Heimatlandes. Sie beträgt je nach Land 50 000 oder 100 000 Euro. Einige Institute wie die ICICI Bank sind zusätzlich Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken. Bei ihnen sind entsprechend höhere Beträge abgesichert.

Finanztest empfiehlt, bei ausländischen Banken ohne deutschen Zusatzschutz nicht mehr als 50 000 Euro anzulegen, auch wenn die gesetzliche Einlagensicherung im Land ihres Firmensitzes höher ist. Viele Staaten haben erst im Zuge der Krise die gesicherte Summe erhöht. Nicht in jedem Fall steht dahinter eine gewachsene Struktur.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz sind die Zinsanlagen der Banken und Sparkassen für sicherheitsorientierte Anleger weiter erste Wahl. Sie sind vergleichsweise sicher und verursachen auch keine Kosten, die nur unnötig die Rendite schmälern.

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