Zinsen picken

In Phasen niedriger Zinsen kommt es auf jedes Zehntel an. Wir haben die ­besten Angebote für verschiedene Laufzeiten herausgepickt.

Zinsangebote sind so unterschiedlich gestrickt, dass für jeden etwas dabei ist. Sparangebote mit täglicher Verfügbarkeit, kurze Laufzeiten, längere Laufzeiten, Festzinsangebote mit oder doch lieber ohne Kündigungsmöglichkeit? Alles geht.

Am flexibelsten sind Anleger mit Tagesgeldkonten. Hier können sie täglich über ihr Geld verfügen. Im Gegenzug können aber die Banken den Zins täglich ändern.

Geeignet sind Tagesgeldkonten für jedermann, um den Notgroschen für unvorhergesehene Anschaffungen oder Reparaturen zu höheren Zinsen als auf dem Girokonto anzulegen. Außerdem bieten sich gut verzinste Angebote auch zum Geldparken an, um bei Zinserhöhungen vielleicht in eine längerfristige Anlage zu wechseln.

Anleger sollten beim Abschluss eines Tagesgeldkontos auf die Mindestanlage­summe achten. Wird sie unterschritten, gibt es keine oder deutlich weniger Zinsen.

Am besten sind Konten, die ab dem ersten Euro hohe Zinsen bringen. Dies ist beim Testsieger, der Bank of Scotland, der Fall. Die Bank zahlt 2,3 Prozent Zinsen pro Jahr, egal wie viel Geld der Sparer anlegt.

Andere Anbieter wie die comdirect bank splitten dagegen hohe Anlagebeträge und verzinsen die Teilsummen ganz unterschiedlich. Wer bei der comdirect Bank 50 000 Euro anlegen will, muss aufpassen. Für die ersten 5 000 Euro gibt es 1,75 Prozent Zinsen pro Jahr. Für Beträge darüber bis 30 000 Euro zahlt die Bank nur 1,25 Prozent Zinsen und über 30 000 bis 50 000 Euro noch weniger, nämlich 1 Prozent.

Die Rendite für diesen Zins-Mix beträgt bei einer Anlagesumme von 50 000 Euro mickrige 1,2 Prozent pro Jahr.

Variable Zinsen treffen auch die Tests

Von der Möglichkeit, den Zins für Sparangebote jederzeit zu ändern, machen die Banken regelmäßig Gebrauch. Gelegentlich trifft das auch Finanztest. Wir fragen die Zinsen für unsere Tests an einem Stichtag kurz vor Druck des Heftes ab. Bis der Leser Finanztest in Händen hält, kann die Bank den Zins schon wieder verändert haben.

Unsere Tabelle „Immer vorn“ zeigt aber, dass einige Anbieter sich trotz Zinsänderungen längerfristig an der Spitze des Marktes halten.

Anleger, die wenigstens für kurze Zeit Zinssicherheit haben wollen, sind mit Festgeld gut bedient. Die Yapi Kredi Bank, Testsieger bei Festgeld und Zweitplatzierter beim Tagesgeld, bietet für sechs Monate eine Rendite von 2,26 Prozent pro Jahr. Dies ist fast so viel wie beim derzeitigen Spitzenreiter für Tagesgeld, der Bank of Scotland.

Sparbücher liegen im Mittelfeld

Sparbücher, Sparcards oder Sparkonten sind immer noch keine Alternative zum Tagesgeld (siehe Tabelle „Die besten Sparkonten“). Sie sind nicht nur schlechter verzinst, sondern auch deutlich unflexibler.

Das beste Angebot ist die „Sparcard 3000 plus direkt“ der Postbank mit 2 Prozent Zinsen ab dem ersten Euro. Jederzeit abheben darf der Anleger nur 2 000 Euro. Höhere Beträge muss er mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Dieses Angebot gibt es nicht in den Filialen der Postbank, sondern nur über Telefon oder Onlinebanking.

Bei den Sparkonten bietet nur eine Bank eine höhere Verzinsung als der Testsieger für Tagesgeld. Es ist die Citibank mit dem „Doppelzins Plan“. Die Normalverzinsung für das Konto liegt aktuell nur bei 1,60 Prozent pro Jahr. Wer jedoch jedes Jahr mindestens 600 Euro auf das Konto einzahlt, verdoppelt seine Verzinsung auf 3,2 Prozent. Das ist vergleichsweise viel. Wie bei anderen Sparkonten auch darf die Bank die Zinsen aber jederzeit ändern.

Die Drei vor dem Komma

Die höchsten Zinsen erzielen Anleger, die ihr Geld für eine bestimmte Laufzeit fest anlegen. In der aktuellen Zinssituation empfiehlt Finanztest, nicht länger als drei Jahre fest anzulegen. Beim Testsieger, der Santander Consumer Bank, erhält der Anleger für drei Jahre mit 3,5 Prozent relativ hohe Zinsen.

Bindet sich der Anleger länger, wird er zurzeit nicht einmal durch einen nennenswerten Zinsaufschlag belohnt.

Die Spitzenreiter bei einer Laufzeit von vier Jahren, die Santander Consumer Bank, die Santander Direkt Bank und die NIBC ­Direct bieten nur 0,1 Prozentpunkte mehr, nämlich 3,6 Prozent.

Für fünf Jahre zahlt die NIBC Direct 3,8 Prozent pro Jahr. Diese geringen Zinsdifferenzen geben Anlegern keinen Grund, ihr Geld so lange aus der Hand zu geben.

Wer für mehr als drei Jahre anlegen möchte, sollte nur dann ein länger laufendes Festzinsangebot abschließen, wenn er davon ausgeht, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise andauert und die Zinsen für längere Zeit im Keller bleiben.

Ansonsten können sich Anleger mit einer Wunschlaufzeit von beispielsweise fünf Jahren auch für den Testsieger über drei Jahre entscheiden, und zunächst die 3,5 Prozent pro Jahr an Zinsen kassieren.

Für die letzten zwei Jahre müssten sie später ein Festzinsprodukt finden, das mehr als 4,25 Prozent Zinsen bringt. Dann hätten sie eine höhere Rendite erwirtschaftet, als ihnen der heutige Testsieger für eine fünfjährige Laufzeit bietet, die NIBC Direct.

Ein Zins von über 4 Prozent in drei Jahren ist durchaus vorstellbar. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise Anfang August 2008 lag der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei über 3 Prozent. Die Spitzenangebote der Banken brachten damals für ein Jahr 5,5 Prozent, für zwei Jahre Laufzeit 5,6 Prozent.

Anleger, die keine Idee zur weiteren Entwicklung der Zinsen haben oder beim Anlegen des Geldes noch nicht wissen, wann sie es ausgeben wollen, können in Einmalanlagen mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit investieren. Bekanntestes Produkt dieser Art ist der Bundesschatzbrief mit jährlich steigendem Zins.

Bei der Rendite dürfen diese Sparer aber keine Drei vor dem Komma erwarten. Die NF Bank bietet beispielsweise nach fünf Jahren 2,72 Prozent pro Jahr. Anleger können aber auch früher aussteigen. Nach drei Jahren liegt die Rendite bei 2,27 Prozent.

Gute Karten für Neukunden

Neukunden werden heftig umworben und erhalten bei der ING-Diba und der Ethikbank höhere Zinsen als die anderen Kunden. Die Neukundenangebote sind allerdings zeitlich befristet (siehe Tabelle „Tagesgeldkonten mit variablem Zins“).

Die ING-Diba garantiert Neukunden bis zum 30. Juni 2 Prozent Zinsen pro Jahr für das Tagesgeldkonto. Damit ist ihr Geld ähnlich hoch verzinst wie beim Festgeld (siehe Tabelle „Attraktive Festgelder und Festzinsprodukte“). Es gibt jedoch im Vergleich zu Festgeld keine Mindestanlagesumme und das Geld ist täglich verfügbar.

Spätestens am Ende des Aktionszeitraums sinkt der Zins bei allen Neukundenangeboten auf das niedrigere Normalniveau der Bank. Bei der ING-Diba sind dies derzeit 1,5 Prozent.

Die Neukundenangebote sind daher bestenfalls für „Zinshopper“ geeignet, die nach dem Auslaufen des hohen Zinses die Bank wechseln.

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