Tages­geld und Fest­geld Special

Ob Sant­ander oder Post­bank – trick­reich gaukeln Banken Sparern hohe Erträge für ihr Erspartes vor. Entscheidend bleibt aber die Rendite. Finanztest erklärt, wie Kunden die Lock­vogel-Angebote im Tages- und Fest­geldmarkt erkennen und vermeiden können – und wie sie Kredit­institute finden, die dauer­haft ordentliche Angebote machen.

So funk­tionieren die Lock­angebote

Lock­vögel helfen nicht nur Entenjägern, fette Beute zu machen. Eifersüchtige Partner buchen schon mal attraktive Menschen, um die Treue ihrer Partner zu testen. Sparkassen, Banken und Bausparkassen nutzen Lock­angebote, um neue Kunden zu fangen. Die Wüstenrot Direct bietet 2 Prozent Zinsen für Tages­geld, das ist zurzeit unschlagbar. Das Angebot ist ein Lock­vogelangebot: Es gilt nur für Neukunden oder für frisches Geld und für maximal 10 000 Euro. Altkunden bekommen die guten Zinsen nur für neueinge­zahltes Geld, also nicht für Erspar­nisse, die bereits auf einem Tages­geld­konto der Wüstenrot Direct liegen. Nach sechs Monaten läuft das Angebot für Frisch­geld von Alt- und Neukunden aus.

Nach einem halben Jahr nur noch Stan­dard­zins

Wer sein Geld nicht abhebt, erhält dann den Stan­dard­zins, der aktuell mit mick­rigen 0,75 Prozent deutlich unter der Inflations­rate liegt. Sie betrug im Februar 1,5 Prozent. Mit Topzinsen nur für Neukunden gehen derzeit auch die Direkt­banken ING-Diba, Volks­wagen Bank Direct, Cortal Consors oder die 1822direkt auf Kunden­fang (siehe Tabelle). Solche Einmal­aktionen spülen häufig viel Geld in die Kassen der Geld­institute. Geht das Kalkül der Banker auf, bescheren ihnen die Aktionen oben­drein viele neue lang­fristige Kunden. Denn die meisten haben keine Lust, sich nach kurzer Zeit wieder eine neue Bank mit guten Zinsen zu suchen.

Tipp: Die Suche ist ganz einfach. Monatlich aktualisierte Spar­angebote ohne Fußangeln von rund 90 Kredit­instituten finden Sie in den Produktfindern Zinsen auf test.de.

Nur für Depot­wechsler

Um Kunden dauer­haft an ihr Institut zu binden, knüpfen einige Banken ihre Topangebote gleich an mehrere Bedingungen. Die Direkt­banken Cortal Consors und DAB Bank bieten attraktive 3,5 Prozent für Tages­geld nur dann, wenn der Kunde neu ist und mit seinem voll­ständigen Wert­papierdepot zu ihnen umzieht. Die 3,5 Prozent gibt es bei Cortal Consors, wenn mindestens Papiere im Wert von 6 000 Euro über­tragen werden und das Depot bei der alten Bank geschlossen wird. Bei der DAB Bank muss der Depot­wert 5 000 Euro betragen. Das Angebot von Cortal Consors gilt für ein Jahr und Tages­geld von bis zu 20 000 Euro. Die DAB Bank bietet den Zins für sechs Monate und für bis zu 25 000 Euro an.

Fair geht anders

„Faires Geld“ heißt der Unter­titel im Logo der Ethik­bank, der Direkt­bank­tochter der Volks­bank Eisen­berg in Thüringen. Doch das Zins­konto der Bank ist weder empfehlens­wert noch fair. Die Zinstreppe, mit der das Institut für sein Tages­geld wirbt, ist undurch­sichtig und irreführend. Für Einlagen ab dem ersten Euro zahlt die Bank klägliche 0,1 Prozent Zinsen. Ab 5 000 Euro gibt es 0,3 Prozent, allerdings nicht für den gesamten Anla­gebetrag, sondern nur für Beträge, die 5 000 Euro über­steigen. Wir sprechen bei solchen Angeboten von einer „falschen Zinstreppe“. Bei echten Zinstreppen verzinst die Bank das gesamte Guthaben mit dem höheren Zins­satz, sobald eine Betrags­grenze über­schritten wird. In den monatlichen Hitlisten auf test.de finden Leser ausschließ­lich Angebote mit echten Zinstreppen. Außerdem darf der Zins, der für 5 000 Euro gilt, bis mindestens 20 000 Euro nicht unter­schritten werden.

„Top-Zins“ nur für kleinen Teil des Spargelds

Das „Top-Tages­geld“ der Sant­ander Bank führen wir deshalb nicht in unseren Bestenlisten auf. Die Werbung für das Angebot ist groß mit 1,5 Prozent Zinsen pro Jahr aufgemacht. Die 1,5 Prozent gibt es jedoch nur für kleine Beträge bis zu 5 000 Euro. Legt ein Sparer 50 000 Euro an, bekommt er für den Teil des Guthabens, der 5 000 Euro über­steigt, nur noch 0,5 Prozent, für Anteile über 25 000 Euro sogar nur 0,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Das ergibt eine jähr­liche Rendite von lächerlichen 0,475 Prozent für eine Anlage von 50 000 Euro. Auch das Tages­geld-Plus-Konto der Comdirect Bank ist alles andere als ein High­light. Die „hohen Zinsen – täglich verfügbar“ betragen gerade mal 1 Prozent, und das auch nur für Guthaben bis 10 000 Euro. Für Betrags­anteile über 10 000 Euro sinkt der Zins auf o,4 Prozent pro Jahr.

Täuschende Sparpläne

Beliebte Köder für Sparpläne sind steigende Boni bis zu 100 Prozent. Viele Sparkassen und Volks­banken, aber auch die Post­bank ködern Kunden damit. Der Bonus klingt hoch, ist es aber nicht. Denn er wird nicht für die Gesamt­anlage gezahlt, sondern nur für die Sparraten des jeweiligen Jahres. Das zuvor Angesparte wird ohne Bonus verzinst. Bei einer varia­blen Grund­verzinsung von aktuell 0,2 Prozent sind Boni, die von 1 Prozent im zweiten Spar­jahr auf „satte 100 Prozent“ im 25. Jahr wachsen, kaum der Rede wert. Im fünften Jahr bringt der Bonus von 4 Prozent Sparern eine Rendite auf das Gesamt­vermögen von 1,21 Prozent, im 25. Jahr erhöht der 100-Prozent-Bonus die Rendite auf klägliche 2,43 Prozent.

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