Tagesgeld und Festgeld Special

Zinsen für Erspartes, die wenigstens die Inflation ausgleichen, gibt es fast nur bei Direktbanken. Die Kontoeröffnung ist einfach.

Als die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli den Leitzins auf 0,75 Prozent absenkte, freuten sich krisengeschüttelte Euroländer wie Griechenland, Italien und Spanien. Sie versprechen sich durch nied-rige Zinsen mehr Wirtschaftswachstum. Weniger erfreut dürften Millionen Sparer gewesen sein, die ihr Geld auf Tages- und Festgeldkonten anlegen möchten. Für sie bedeutet der niedrige Leitzins, dass sie noch weniger Zinsen als bisher für ihr Erspartes bekommen.

Unter 1 Prozent betragen die Zinsen für Sparbücher und viele Tages- und Festgeldanlagen derzeit. Im Juni lag die Inflation bei 1,7 Prozent. Wer nicht möchte, dass seine Ersparnisse an Wert verlieren, sollte sein Geld bei einer Direktbank anlegen. Dort gibt es für Spargeld bis zu zwei Prozentpunkte mehr als bei Filialbanken.

Tagesgeld oft nur per Internet

Bei manchen Banken wie der Garantibank, der Denizbank oder der VTB Direktbank können Kunden Festgeldanlagen für ein- oder mehrjährige Laufzeiten auch telefonisch abgeschließen, ohne dass sie dafür einen Computer nutzen müssen (siehe Finanztest 7/2012, S. 34).

Die Eröffnung eines täglich verfügbaren Tagesgeldkontos, für das die Banken die Zinsen jederzeit nach unten oder oben ändern können, ist in der Regel aber nur per Internet möglich.

Die Mühe, auf der Internetseite einer Direktbank ein Sparkonto zu eröffnen, lohnt sich jedoch. Bei einem der besten Anbieter, der niederländischen Rabodirect, gibt es aktuell 2,43 Prozent für Tagesgeld, bei der Amsterdam Trade Bank sind es 2,75 Prozent für eine einjährige und 3,05 Prozent für eine zweijährige Festgeldanlage im Jahr (test.de/zinsen).

Attraktivere Zinsen als Filialbanken können Anbieter wie Rabodirect, Amsterdam Trade Bank oder die zur niederländischen Bank ABN Amro gehörende Onlinemarke MoneYou bieten, weil sie nur wenige Niederlassungen haben und mit wenig Personal auskommen. Direktbanken verkehren meist nur über das Internet mit ihren Kunden. Lediglich für Notfälle gibt es eine Hotline, bei der Kunden anrufen können.

Einfache Kontoeröffnung

Und das scheint gut zu funktionieren. Gerade mal 10 bis 15 Minuten brauchten wir beispielsweise, um online ein Tagesgeldkonto bei MoneYou, NIBC Direct, Amsterdam Trade Bank und Rabodirect zu beantragen. Sie bieten aktuell besonders gute Zinsen.

Die Hotline von MoneYou war auf Anhieb erreichbar und löste ein Passwort-Problem, das durch die Eingabe unerlaubter Zeichen entstanden war. Zinsen für das Tagesgeld gibt es bei vielen Anbietern schon vom Tag der Kontoeröffnung an, wenn sich der Kunde anschließend per Postident-Verfahren identifiziert.

Auch die Sicherheit ist gewährleistet. Kunden von Direktbanken geben ein Referenzkonto an, von dem aus sie Geld auf das Sparkonto überweisen können. Auszahlungen der Direktbank sind nur auf dieses Konto möglich. Das auf den Namen des Kontoinhabers lautende Referenzkonto – meist das Girokonto – verhindert, dass Rücküberweisungen auf ein falsches Konto umgeleitet werden können.

Bei den meisten Internetanbietern ist die Eröffnung eines Festgeldkontos nur möglich, wenn der Kunde vorher ein Tagesgeldkonto eröffnet. Das Tagesgeldkonto dient den Anbietern als Abrechnungskonto für weitere Zinsanlagen.

Hat der Sparer eine Festgeldanlage, fließen die Zinserträge und das angelegte Kapital bei Laufzeitende auf das Tagesgeldkonto. Von dort kann er das Geld dann entweder erneut anlegen oder auf sein Girokonto überweisen. Die Kontoführung für Tages- und Festgeldkonten ist bei allen in unseren Bestenlisten aufgeführten Direktanbietern kostenlos (test.de/zinsen).

Der Ablauf der Kontoeröffnung bei Direktbanken ist ähnlich. Allein bei der Abwicklung gibt es einige Unterschiede, die auf der jeweiligen Homepage der Anbieter meist gut erklärt werden. Die NIBC Direct verschickt beispielsweise Kontonummer, den Kode für die mobile Tan und die Geheimzahl (Pin) in drei getrennten Briefen per Post.

Rabodirect schickt Kunden zwei Briefe. Einer enthält Benutzernummer, Kontonummer, Bankleitzahl sowie einen Digipass. Im zweiten Brief schickt die Bank eine Geheimzahl (Pin), mit der der Digipass aktiviert wird. Das ist ein Gerät, mit dem der Kunde einen Zugangskode für die Verwaltung seiner Konten erzeugt. Für jede Transaktion generiert der Digipass eine neue Zugangsnummer.

100 000 Euro sind überall sicher

Das Spargeld der Kunden ist bei allen Banken mit Sitz in der Europäischen Union in Höhe von 100 000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Für Eheleute mit einem Gemeinschaftskonto sind 200 000 Euro pro Bank gesichert. Für ABN Amro und damit auch für den Online-Ableger MoneYou ist die niederländische Einlagensicherung zuständig.

Viele dauerhaft gute Anbieter für Tagesgeld und Festgeld in unseren Bestenlisten sind ausländische Direktbanken. Es gibt aber auch gute deutsche Anbieter. Die kommen vor allem für Sparer infrage, die im Fall einer Bankenpleite eine komplizierte Auseinandersetzung mit der ausländischen Einlagensicherung – womöglich in fremder Sprache – fürchten.

Geldinstitute wie Akbank, Ge Capital Direct, ING-Diba, Isbank, Oyak Anker Bank, Santander Consumer Bank oder Ziraat Bank sind eigenständige deutsche Töchter ausländischer Mutterbanken. Spargeld ist bei diesen Banken mit 100 000 Euro pro Kunde und Bank über die gesetzliche Einlagensicherung der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) abgesichert. Darüber hinausgehende Summen werden im Ernstfall vom Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) in Millionenhöhe ersetzt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 120 Nutzer finden das hilfreich.