Tages­geld Test

25 Jahre Direkt­bank­geschäft: Mit einem „Jubiläums­zins“ von 1,25 Prozent für Tages­geld will der VW Konzern bei Neukunden möglichst viel Geld einsammeln.

Früher beschränkte sich das Alltags­geschäft von Auto­banken auf die güns­tige Finanzierung von Neu- und Gebraucht­wagen, um so den Verkauf von Fahr­zeugen anzu­kurbeln. Dazu besorgten sie sich Geld am Finanzmarkt. Heute leihen sich immer mehr Auto­banken Geld bei Sparern, indem sie Kunden Fest­zins­konten anbieten.

„Jubiläums­zins“ bei der VW-Bank ...

Acht Auto­bauer bieten inzwischen über haus­eigene Banken Tages- und Fest­gelder an. Jüngstes Beispiel ist die Opel Bank mit Sitz in Rüssels­heim, die erst im September dieses Jahres mit lukrativen Angeboten neu ins Zins­geschäft einge­stiegen ist. Die Volks­wagen Bank ist seit Juni 2015 bereits 25 Jahre im Direkt­bank­geschäft tätig. Gefeiert wird allerdings erst seit dem 5. Oktober mit einem „Jubiläums­zins“ von 1,25 Prozent für Tages­geld für Summen bis 100 000 Euro.

... nur für Neukunden

Das Angebot gilt jedoch nur für Neukunden und lohnt sich auch nur für sie. Sie erhalten eine Zins­garantie für vier Monate. „Normale“ VW-Bank-Kunden bekommen für ihr Tages­geld nur klägliche 0,3 Prozent Zinsen. Als Neukunden gelten Sparer, die in den vergangenen zwölf Monaten kein Tages­geld­konto, Depot-Verrechnungs­konto oder Kreditkarten­konto bei der Volks­wagen Financial Services AG hatten. Zu dieser gehören die Volks­wagen Bank und die Audi Bank.

... und nur für vier Monate

Nach Ablauf der Vier-Monats-Frist sollten Sparer ihr Geld wieder abziehen, wenn sie sich nicht mit den 0,3 Prozent Zinsen für Bestands­kunden begnügen wollen.

Tipp: Aktuelle Zins­konditionen für derzeit 91 Tages­geld­konten bietet der Produktfinder Tagesgeldkonten.

Konzern leidet unter Dieselgate

Ob sich VW mit dem Top-Zins­angebot mehr Liquidität für die durch Abgasmanipulationen an rund elf Millionen Dieselfahr­zeugen entstandenen Kosten verschaffen will, konnte eine Sprecherin der Volks­wagen Bank nicht sagen. Sie wusste auch nicht, für wie lange das Jubiläums­angebot genau gilt. Die Volks­wagen Bank leidet unter „Dieselgate“. Seit die US-Umwelt­behörde entdeckt hat, dass die Software in Dieselfahr­zeugen von VW manipuliert wurde, um unter den gesetzlichen Abgasnormen zu bleiben, hat der Konzern erhebliche finanzielle Probleme. Die Kosten für den welt­weiten Rück­ruf von Autos – unter anderem in den USA, Mexiko und Europa – sowie die Reparatur der Software­systeme soll viele Milliarden Euro betragen. Folgen des Abgas­skandals bekommt auch die Finanz­tochter Volks­wagen Financial Services AG zu spüren. Bis zum Jahres­ende wurde vor­erst ein Einstellungs­stopp verhängt.

Kunden­einlagen gut geschützt

Um die Sicherheit ihrer Spar­einlagen, die laut Geschäfts­bericht Ende 2014 rund 25 Milliarden Euro betrugen, müssen sich die rund 1,2 Millionen Tages­geld­kunden nicht sorgen. Die Volks­wagen/Audi Bank ist eine Voll­bank, die alle Bank­dienst­leistungen wie Giro­konto, Wert­papierkauf und Kredite anbietet. Kunden­einlagen sind bis zu 100 000 Euro pro Anleger über die Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB) geschützt. Darüber hinaus sind Beträge in Millionenhöhe über den Sicherungs­fonds des Bundes­verbandes deutscher Banken (BdB) abge­sichert. Schutz für Guthaben in Millionenhöhe bieten auch die BMW Bank und die Mercedes-Benz Bank. Bei allen anderen in der Tabelle aufgeführten Banken sind maximal 100 000 Euro pro Kunde gesetzlich geschützt.

Fast alle Tages­geld­konten liegen über der Inflations­rate

Auch wenn die Zinsen für Tages- und Fest­geld nun schon seit vielen Monaten sehr nied­rig sind – so schlecht sind die Zins­angebote auf den ersten Blick derzeit nicht. Fast alle Tages­geld­konten liegen über der Inflations­rate. Die Veränderung des Verbraucher­preis­index im Vergleich zum Vorjahres­monat lag laut Statistischem Bundes­amt im Oktober 2015 bei 0,3 Prozent. Ein Blick auf die Tabelle zeigt: Lohnend für Sparer sind neben dem Neukunden­angebot der Volks­wagen/Audi Bank im Moment die Tages­geld­angebote der Renault Bank direkt, der Opel Bank und der PSA Direkt­bank (Citroën/Peugeot). Mit Zinsen zwischen 0,9 bis 1,1 Prozent sind sie zurzeit unter den Top-20-Tages­geldern.

Dauer­haft gute Anbieter wählen

Doch selbst das beste Tages­geld­angebot ist nicht für jeden eine gute Wahl, weil eine Bank die Tages­geldzinsen jeder­zeit ändern kann. Für diejenigen, die auf der Suche nach einem lukrativen Tages­geld nicht ständig ihr Konto wechseln wollen, ist das ein Problem. Sie sollten lieber nach einem dauer­haft guten Anbieter suchen, auch wenn der Zins dort nicht der höchste ist. Finanztest ermittelt Monat für Monat Angebote, die „dauer­haft gut“ sind. Das sind alle Tages­geld­konten, die in den vergangenen 24 Monaten mindestens 22 Mal zu den 20 besten Angeboten ohne Befristung gehörten. (Diese finden Sie in unserem Produktfinder Tagesgeld, wenn Sie den Filter „Dauer­haft gut“ wählen). Bei diesen Direkt­banken haben Kunden zumindest die Chance, für längere Zeit ein Tages­geld­konto mit guten Konditionen zu haben.

Drei Auto­banken sind regel­mäßig unter den Besten

Drei Auto­banken sind häufig in den Bestenlisten von Finanztest vertreten. Die Renault Bank direkt in Neuss ist die Onlinefiliale der französischen Renault Bank. Sie bietet sowohl beim Tages­geld als auch beim ein- und dreijäh­rigen Fest­geld gute Konditionen. Die Fest­geldzinsen gelten ab einer Mindest­anlage von 2 500 Euro. Die österrei­chische Auto­bank mit Sitz in Wien und Zweig­nieder­lassung in Oberhaching bei München ist der einzige marken­unabhängige Auto­finanzierer in Österreich und Deutsch­land. Ihre Fest­geld­angebote können Sparer ab einer Summe von 5 000 Euro abschließen.

Opel will ins Zins­geschäft einsteigen

Die guten Angebote der Opel-Tochter des Auto­mobil­konzerns General Motors aus den USA, der Opel Financial Service aus Rüssels­heim, sind Einstiegs­angebote, um das Spar­geschäft im deutschen Markt anzu­kurbeln. Lang­fristig will die Opel Bank, die in Deutsch­land rund 200 000 Kunden hat, eine Milliarde Euro einsammeln und damit ein Drittel ihres Kredit- und Leasing­geschäfts refinanzieren.

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