Tages­cremes mit UV-Schutz Test

Erfreuliche Nach­richt für Frühlings­fans: Die getesteten Gesichts­cremes schützen die Haut gut vor UV-Strahlen – mit einer Ausnahme.

Morgens mit dem Fahr­rad zur Arbeit. Mittags­pause im Freien. Am Wochen­ende spazieren gehen und den Garten auf Vordermann bringen. Im Frühling zieht es die Deutschen wieder hinaus an die frische Luft. „Endlich Sonne“, denken die meisten, schließen die Augen und genießen die ersten wärmenden Sonnen­strahlen. Doch das Licht, das so will­kommen ist, hat auch seine Schatten­seiten.

Wer seine Haut oft und lange der UV-Strahlung aussetzt, ohne sie zu schützen, riskiert nicht nur einen Sonnenbrand, sondern lang­fristig sogar Haut­krebs. Auch drohen vorzeitige Fält­chen­bildung und Hautalterung – gerade im Gesicht.

Schutz und Pflege in einem

Tages­cremes mit UV-Schutz Test

Doppelte Wirkung. Cremes mit UV-Filtern sollen pflegen und schützen.

Die Gefahr mindern können Gesichts­cremes mit UV-Schutz. Meist liegt der auf den Packungen ausgewiesene Licht­schutz­faktor bei 15 oder höher. Die Hersteller versprechen zudem, dass die Cremes die Haut pflegen und Feuchtig­keit spenden.

Wir wollten wissen, was die Produkte wirk­lich können und haben elf Tages­cremes mit UV-Schutz geprüft. Neben der UV-Schutz­wirkung haben wir untersucht, wie sie die Haut mit Feuchtig­keit versorgen. Bei den meisten Cremes kann sich das Gesamt­ergebnis sehen lassen: Sieben schneiden gut ab, drei befriedigend. Nur ein Produkt schützt nicht ausreichend vor UVA-Strahlung, es ist mangelhaft.

Erfreuliche Entwick­lung

Tages­cremes mit UV-Schutz Test

Die erste Frühlings­sonne genießen: Aber nicht ohne guten UV-Schutz.

Ebenso wie Sonnen­schutz­mittel für den ganzen Körper enthalten die Gesichts­cremes Sonnen­schutz­filter für die unterschiedlichen Typen der ultra­violetten Strahlung, also UVA- und UVB-Strahlen.

Vor Sonnenbrand und Haut­krebs schützen die UVB-Filter. Wie hoch dieser Schutz ist, dafür bietet der aufgedruckte Licht­schutz­faktor (LSF) einen Anhalts­punkt. UVA-Filter können eine früh­zeitige Hautalterung und Fält­chen­bildung mindern.

Sämtliche Cremes im Test halten, was sie in Sachen Licht­schutz­faktor versprechen: Beim UVB-Schutz bestehen sie durchweg. Fast alle Produkte bieten zudem ausreichend Schutz vor UVA-Strahlung – bis auf die Hydra Végétal Feuchtig­keits-Creme LSF 25 von Yves Rocher. Sie erhält deshalb das Urteil mangelhaft.

Im Vergleich zu früheren Unter­suchungen der Stiftung Warentest zeigt sich ein erfreulicher Trend: 2008 testeten wir zwölf Gesichts­cremes mit UV-Schutz. Damals wies kein Produkt einen ausreichenden UVA-Schutz auf. Zusätzlich schwächelten die meisten beim UVB-Schutz. Für den aktuellen Test gilt über­wiegend: Was auf den Verpackungen steht, leisten die Cremes in puncto Sonnen­schutz tatsäch­lich.

UV-Schutz in jedem Alter sinn­voll

„Auch junge Menschen sollten schon auf einen angemessenen UV-Schutz achten“, sagt Professorin Dr. Ulrike Heinrich, wissenschaftliche Leiterin bei Derma Tronnier, Institut für experimentelle Dermatologie an der Universität Witten/Herdecke. „Intensive Sonnen­bestrahlung kann in jedem Alter verheerende Wirkungen haben – auch wenn sie sich teils erst Jahre später bemerk­bar machen. Die Haut vergisst nichts.“

Heinrich empfiehlt, im Früh­jahr und Sommer täglich eine Gesichts­creme mit UV-Schutz aufzutragen. „An dunklen Tagen im Herbst und Winter ist das in unseren Breiten Ermessens­sache und auch von den individuellen Lebens­umständen abhängig.“ Menschen, die den ganzen Tag über im Büro säßen, könnten in diesen dunkleren Jahres­zeiten eher darauf verzichten. Wer sich hingegen viel im Freien aufhalte, etwa mit dem Hund spazieren gehe, solle stets auf einen ausreichenden UV-Schutz achten.

Tipp: In den Bergen oder am Meer ist zu jeder Jahres­zeit Vorsicht geboten. Die UV-Strahlung ist dort meist intensiver. Besonders hell­häutige, empfindliche Menschen sollten ein Sonnen­schutz­mittel mit einem Licht­schutz­faktor von 30 oder gar 50 verwenden oder direkte Sonnen­einstrahlung sogar möglichst meiden.

Haut­krebs immer häufiger

Tages­cremes mit UV-Schutz Test

Schutz für alle. Auch Männer sollten auf UV-Schutz achten. Abschminken muss man die Cremes übrigens nicht.

Dass Vorsorge Not tut, zeigen aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI): Danach erkranken in Deutsch­land jedes Jahr rund 20 000 Männer und Frauen an schwarzem Haut­krebs. Beim hellen Haut­krebs (Basaliome und Platten­epithelkarzinome) zählt das RKI jähr­lich knapp 200 000 neuerkrankte Bundes­bürger. Als Haupt­ursache für diese Krebs­erkrankungen gilt die UV-Strahlung.

Professorin Ulrike Heinrich macht die Lebens­gewohn­heiten und das Frei­zeit­verhalten der Deutschen mit verantwort­lich: Seit Jahr­zehnten gelte gebräunte Haut als schick. „Wer in jungen Jahren nicht aufgepasst und viel Zeit in der Sonne verbracht hat, kann jetzt, 30 bis 40 Jahre später, Haut­krebs bekommen“, so die Expertin.

Sonnen­schutz und Vitamin D

Zwar scheinen die Gefahren vielen Verbrauchern inzwischen bewusst zu sein. Abge­schlossen ist die Aufklärungs­arbeit aber noch nicht. So gaben bei einer Umfrage auf test.de rund 39 Prozent der 1 324 Teilnehmer an, beim Kauf einer Gesichts­creme auf den Licht­schutz­faktor zu achten, da dieser zum Beispiel vor Falten und Haut­krebs schütze. 52 Prozent der Befragten hingegen erklärten, auf UV-Schutz in ihrer Tages­pflege keinen besonderen Wert zu legen. Und etwa 9 Prozent der Umfrage­teilnehmer ist es sogar wichtig, dass ihre Tages­creme keinen UV-Schutz beinhaltet. Als Erklärung führten einige Vertreter dieser Gruppe an, sich auch im Gesicht mit herkömm­lichen Sonnen­schutz­produkten einzucremen, wenn sie in die Sonne gingen.

Viele Umfrage­teilnehmer befürchteten zudem, dass der tägliche Gebrauch von Tages­cremes mit UV-Schutz negative Folgen für ihren Vitamin-D-Haushalt haben könnte. Vitamin D ist wichtig für den Knochen­aufbau. Um es selbst zu bilden, braucht der Körper die UV-Strahlen des Sonnenlichts. Ob die Anwendung von Sonnen­schutz­cremes tatsäch­lich zu einem Vitamin-D-Mangel führt, ist wissenschaftlich bisher nicht eindeutig geklärt. Es mehren sich aber die Hinweise, dass deren Anwendung keine negativen Folgen hat. „Wer im Früh­jahr und Sommer eine Gesichts­creme mit UV-Schutz verwendet, muss sich über einen Vitamin-D-Mangel keine Sorgen machen“, sagt auch Professorin Heinrich.

Tipp: Selbst mit UV-Schutz im Gesicht gilt vor allem im Frühling und Sommer, aber auch im Herbst und Winter die altbekannte Regel: Intensive Mittags­sonne zum Schutz der Haut meiden und sich lieber im Schatten aufhalten.

Werbung kritisch bewerten

La Roche-Posay, Yves Rocher und Vichy werben damit, ihre Cremes seien „ohne Parabene“ hergestellt. Das könnte suggerieren, die Produkte seien besser als andere. Die Stiftung Warentest schätzt die Aussage als Verunsicherung der Verbraucher ein. Parabene werden in Kosmetika welt­weit seit Jahr­zehnten als Konservierungs­mittel einge­setzt und haben sich bewährt. Zwar hegen ihre Kritiker den Verdacht, die Stoffe könnten das menschliche Hormon­system beein­flussen. Allerdings stufen das Bundes­institut für Risiko­be­wertung (BfR) und der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommis­sion (SCCS) Methyl- und Ethyl­paraben sowie Butyl- und Propylparaben in den zugelassenen Konzentrationen als sicher ein.

Den generellen Ersatz durch andere Konservierungs­stoffe halten das BfR und andere Experten nicht für sinn­voll. Alternativen können unerwünschte Wirkungen haben und sind im Zweifel weniger erprobt und sicher als Parabene.

Ein erfreuliches Ergebnis des Tests: Unabhängig davon, welche Konservierungs­stoffe die Hersteller der elf geprüften Gesichts­cremes einsetzen, Keime waren in keinem Produkt ein Problem.

Enttäuschend dagegen fanden wir zwei Mogel­packungen. Bei dm und Clarins versprechen die voluminösen Verpackungen mehr Inhalt, als tatsäch­lich enthalten ist.

Gepflegt, geschützt, genießen

Bleibt die Frage, wie sich die Cremes auf der Haut anfühlen. Die Probandinnen, die an unserem Anwendungs­test teil­nahmen, waren mit den Produkten zufrieden. Auch die Messungen im Labor ergaben, dass der Groß­teil der Cremes die Haut gut mit Feuchtig­keit versorgt.

Wer so gepflegt und geschützt in den Frühling startet, der darf die Sonne genießen – zumindest in Maßen.

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