Tages- und Festgeld Test

Hoch verzinst und schnell verfügbar – kurzfristige Geldanlagen über 4 Prozent sind ein guter Fang.

Die Zinsen steigen. Die Banken reagieren auf den angehobenen Leitzins und den zunehmenden Wettbewerb. Neben dem schon lange lukrativen Tagesgeld werden einjährige Anlagen immer interessanter. Kurzfristige Anlagen lohnen auch bei steigender Inflation: Sie reagieren auf den Markt und passen Zinsen schneller an.

Bei Tagesgeld lockt neben den hohen Zinsen und der unkomplizierten Kontoführung die tägliche Verfügbarkeit. Sie macht die Konten ideal für Anleger, die sich nicht binden wollen. Dafür müssen sie allerdings in Kauf nehmen, dass die Bank den Zins jederzeit ändern kann.

Zinssicherheit für ein Jahr bekommen Anleger mit einjährigem Termingeld. Mit dem überschaubaren Zeitraum und bis zu 5,5 Prozent Zins bietet es einen guten Mittelweg zwischen Tagesgeld und längerfristigen Anlagen.

Für länger als ein Jahr anzulegen, lohnt sich zurzeit kaum. Die Zinsen sind dafür kaum höher und das Geld ist fest geparkt. Finanztest hat Monat für Monat Zinsangebote von über 60 Banken im Test (siehe Infodokument „Tagesgeldkonten und Festgelder“). Da die Banken den Tagesgeldzins ständig ändern dürfen, haben wir auch geprüft, wer eine stabile Zinspolitik treibt und seit 24 Monaten in den Top 20 vertreten ist (Tabelle Dauerhaft gut).

Aber auch neue Angebote lohnen sich. Besonders hohe Zinsen stammen oft von ausländischen Banken. Die ICICI, eine Großbank aus Indien, bietet online einen effektiven Tagesgeldzins von 4,84 Prozent an. Sie steht an dritter Stelle unser Top 20. Die Bank ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, pro Kunde sind 1,5 Millionen Euro abgesichert. Damit erfüllt sie eines der wichtigsten Kriterien für eine gute Zinsanlage.

Garantiert gesichert

Sicherheit hat bei Tages- und Festgeld Priorität. Private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland sichern die Einlagen ihrer Kunden in Millionenhöhe. Wenige Banken gehören nur der gesetzlichen Einlagensicherung an, hier sind nur 20 000 Euro zu 90 Prozent geschützt. Diese Banken erscheinen deshalb nicht in unseren Top 20.

Viele ausländische Banken sichern das Geld in der Höhe ihrer nationalen Einlagensicherung, mindestens aber 20 000 Euro zu 100 Prozent. Wenn Kunden die Sicherungsgrenze nicht überschreiten, genießen sie also vollen Schutz. Wir berücksichtigen diese Angebote in unserer Wertung.

Die isländische Kaupthing Bank lassen wir aber außen vor. Mit aktuell 5,65 Prozent Zinsen auf Tagesgeld ist sie zwar Spitzenreiterin und das Anlegergeld ist bis 20 000 Euro durch die isländische Einlagensicherung voll geschützt. Wir haben jedoch Zweifel, ob der isländische Staat im Falle einer Bankpleite in der Lage wäre, einen Ausfall in dieser Größenordnung zu stemmen (siehe Meldung Kaupthing Bank: Spitzenzins mit Vorbehalt aus Finanztest 06/2008).

Faustregeln für die Anlage

Neben der Sicherheit zählen weitere Kriterien für eine gute Zinsanlage:

  • Fallen laufende Kosten an? Manche Anbieter berechnen einen Abschlag für Porto oder die Kontoführung. Das muss nicht sein! Es gibt genug kostenlose Angebote auf dem Markt.

Manchmal gibt es den guten Tagesgeld-zins nur zu zusätzlichen Bedingungen. Der Kunde muss zum Beispiel ein kostenpflichtiges Depot- oder Girokonto eröffnen oder andere Voraussetzungen erfüllen.

Cortal Consors bietet aktuell 4,5 Prozent Tagesgeldzins. Allerdings nur wenn ein Guthaben von mindestens 2 500 Euro dauerhaft bei der Bank geparkt ist, ein Sparplan besteht oder der Anleger regelmäßig Wertpapiere über die Bank handelt.

  • Wird der Zins für den gesamten Betrag gezahlt? Bei einer Zinstreppe erhalten die Kunden den höheren Zinssatz erst ab einem bestimmten Betrag. Einige Banken zahlen den Zins auch nur für einen Teil der Anlage. Werden zum Beispiel die ersten 10 000 Euro mit 3 Prozent verzinst und nur die weiteren Euro mit 4 Prozent, liegt die Gesamtrendite unter 4 Prozent.

Bei zeitlich begrenzten Angeboten für Neukunden ist es ratsam, auf den Anschlusszins zu achten. Dieser sackt im Vergleich zum Einstiegsangebot oft deutlich ab. Die comdirect bank wirbt mit einem guten Einstiegszins von 5,09 Prozent effektiv für Anlagen bis 30 000 Euro. Der Anschlusszins nach sechs Monaten beträgt jedoch nur noch 4,06 Prozent.

  • Wie oft werden die Zinsen gutgeschrieben? Bei monatlichen oder vierteljährlichen Zinsauszahlungen ergibt sich ein höherer Effektivzins als bei jährlicher Gutschrift.

Zinsen vom Staat

Ihr Tagesgeldkonto sollten Anleger im Blick behalten, weil die Banken den Zins jederzeit ändern können und nicht dem Marktzins folgen müssen. Wer nicht regelmäßig kontrollieren will, ist mit der Tagesanleihe des Bundes gut bedient, die es seit 1. Juli gibt.

Das Angebot verbindet tägliche Verfügbarkeit wie beim Tagesgeld mit der Sicherheit einer staatlichen Anleihe. Die Besonderheit: Die Verzinsung steigt und fällt mit dem Marktzins.

Der Zins der Tagesanleihe ist an den Eonia (European Overnight Index Average) gebunden. Dies ist der Durchschnittssatz, zu dem sich die Banken untereinander über Nacht Geld leihen. Anleger erhalten 92,5 Prozent dieses Satzes, in der vergangenen Woche durchschnittlich 3,99 Prozent.

Positiv ist die tägliche Verzinsung. So kommt es zum „Zinseszinseffekt“: Die täglichen Gewinne werden gleich mitgenommen und weiterverzinst.

Die Anleihe kann über die Finanzagentur des Bundes per Post, Telefon oder Internet erworben werden (Telefon 0 800/2 22 55 62, www.tagesanleihe.de). Dort wird ein kostenfreies Schuldbuch angelegt, ein Depot für Bundeswertpapiere. Die Mindestanlage beträgt 50 Euro.

Die Tagesanleihe bietet keinen Spitzenzins, aber einen soliden Durchschnitt und garantierte Marktnähe. Unter diesem Wert sollte man kein Tagesgeld anlegen.

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