Tages- und Festgeld Test

Die Zinsen sind so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Anleger, die absolut sicher und ohne Kursschwankungen anlegen wollen, sind derzeit mit Tages- und Festgeld gut bedient.

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So viel konnten Anleger mit Tages- und Festgeld lange nicht mehr verdienen. Die Spitzenanbieter aus unseren Tabellen zahlen mehr als 4 Prozent Zinsen jährlich. Wer sein Geld zwölf Monate festlegt, erhält bis zu 4,5 Prozent pro Jahr. Zuletzt hat es Zinsen in dieser Höhe vor etwa sechs Jahren gegeben.

Viele Anleger wissen Tages- und Festgeld noch aus einem anderen Grund zu schätzen: Diese Anlage ist sicher und kann – ­anders als ein Geldmarktfonds – nicht zwischendurch ins Minus rutschen (siehe Geldmarktfonds).

Für Festgeld ist sogar die Höhe des Zinses sicher. Bei Tagesgeldkonten können die Banken den Zins zwar täglich ändern. In der aktuellen Situation sind Änderungen nach oben aber wahrscheinlicher als nach unten.

Zurzeit lohnt es sich nicht, Geld länger als höchstens zwei Jahre festverzinst anzulegen. Normalerweise bieten die Banken höhere Zinsen, wenn ihnen der Anleger sein Geld verbindlich für längere Zeit leiht. Doch im Moment zahlen Spitzenanbieter für Einmalanlagen ohne vorzeitige Ausstiegsmöglichkeit mit einer Laufzeit von drei und vier Jahren selten höhere Zinsen als für zwei Jahre.

Unbekannte Spitzenreiter

Die Spitzenreiter für Tages- und Festgeld sind überwiegend ausländische Banken. Die meisten haben eine Niederlassung in Deutschland. Sie können hohe Zinsen bieten, weil sie kein kostspieliges Filialsystem unterhalten und für die Sicherung ihrer Kundeneinlagen in den Niederlanden, Luxemburg oder Österreich weniger bezahlen müssen als hierzulande.

Im Falle einer Bankpleite ist der Schutz geringer als bei einem Institut, das Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken ist. Der deutsche Fonds sichert pro Anleger Beträge in Millionenhöhe. Die Banken aus den Niederlanden, Luxemburg und Österreich beschränken ihre Sicherung dagegen auf 20 000 Euro pro Person. Mehr als 20 000 Euro sollten Sparer bei diesen ­Banken auch nicht anlegen. Bis zu diesem ­Betrag können sie unbesorgt sein.

In den Niederlanden erhalten Anleger seit kurzem weitere 20 000 Euro zu 90 Prozent zurück, wenn die Bank pleite ist.

Gute Angebote für Neukunden

Anleger, die gerade ein neues Tagesgeldkonto eröffnen wollen, sollten sich auch die Neukundenangebote ansehen. Die Credit Europe Bank aus den Niederlanden beispielsweise zahlt ihnen bis zum Jahresende 5,0 Prozent Zinsen für Tagesgeld. Anschließend sinkt der Zins auf das Normalniveau der Bank – derzeit immerhin 4,00 Prozent pro Jahr.

Das Konto der Credit Europe Bank, die vor kurzem noch Finansbank hieß, gehört seit Jahren zu den Top 20. Damit zeigt die Bank eine stabile Zinspolitik.

Bevor sich Anleger für ein hochverzinstes Neukundenangebot entscheiden, sollten sie sich darüber informieren, wie die Zinspolitik der Bank in der Vergangenheit war und auf welchem Niveau der Normalzins der Bank liegt. Sonst laufen sie Gefahr, auf ein Lockangebot hereinzufallen, dessen Zins lediglich zu Beginn attraktiv ist.

Wo ist die ING-Diba?

Die ING-Diba, die in Deutschland die meisten Tagesgeldkonten verwaltet, gehörte viele Jahre zu den Spitzenreitern der ­Tagesgeldanbieter. Ihre Zinsen lagen lange Zeit über dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Das galt vor allem in der Zeit, als die Zinsen niedrig waren und der EZB-Zins bei 2,0 Prozent verharrte.

Nun zahlt die ING-Diba mit 3,25 Prozent pro Jahr deutlich weniger Zinsen als viele ihrer Mitbewerber. In unsere Top-20-Tagesgeldtabelle (nur in Finanztest Print) schafft sie es mit diesem Zins nicht mehr.

Ben Tellings, Vorstand des Marktführers ING-Diba, verteidigt die niedrigeren Zinsen mit anderen Vorteilen: Das Konto könne nicht nur online, sondern auch telefonisch geführt werden. Einzelne Top-Angebote sind dagegen reine Onlinekonten. Die Bank zahle allen Kunden gleich viel Zinsen und unterscheide – im Gegensatz zu einigen Konkurrenten – nicht zwischen Neu- und Altkunden. Auch Anlagen über 20 000 Euro seien voll abgesichert.

Trotzdem finden Anleger auch Banken mit den gleichen Vorzügen, die höhere Zinsen zahlen.

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