Tachomanipulation So kommen Sie Betrügern auf die Spur

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Tachomanipulation - So kommen Sie Betrügern auf die Spur
© Thinkstock

Sechs Milliarden Euro jedes Jahr, schätzt der ADAC, zahlen die Gebraucht­wagenkäufer in Deutsch­land zu viel für ihre Autos. Jedes dritte Gebraucht­fahr­zeug werde mit manipuliertem Tacho­stand verkauft, heißt es. Mit betrügerisch verringerter Lauf­leistung lässt sich der Wert eines Autos deutlich steigern. Für Käufer ist es schwierig, solche Machenschaften aufzudecken – aber nicht unmöglich. test.de sagt, wie Sie sich vor Betrug schützen können.

Der Tacho­stand lässt sich zu leicht manipulieren

Einfache Computer­programme für Laptops, Tablet-PCs oder universelle Service­geräte machen es zum Kinder­spiel, den Kilo­meterzähler zu manipulieren. Über den Service­stecker des Autos ist er in Sekunden­schnelle auf jede beliebige Zahl einstell­bar. Halbiert ein Betrüger den Tacho­stand eines Auto­bahn-Dauer­läufers von 180 000 auf 90 000 Kilo­meter, steigt der Markt­wert des Wagens von 6 000 auf 9 000 Euro. Experten schätzen, dass verfälschte Kilo­meter­stände im Durch­schnitt zu einer illegalen Wert­steigerung von über 3 000 Euro pro Fahr­zeug führen.

Fälschungs­sichere Tachos wären tech­nisch möglich

Weder der Tacho noch die Fahr­zeug­elektronik zeichnen Änderungen am Kilo­meter­stand auf. Tech­nisch wäre eine Dokumentation zwar möglich, doch die Auto­bauer haben bislang auf Sicherungs­maßnahmen verzichtet. Der ADAC hat den Gesetz­geber aufgefordert, fälschungs­sichere Tachos vorzuschreiben. Bislang ohne Erfolg.

Wie schütze ich mich vor Betrug?

Mit etwas Recherche können Verbraucher der Tachokosmetik dennoch auf die Spur kommen. So dokumentieren beispiels­weise Rechnungen, Scheck­hefte und Tüv-Belege den jeweiligen Kilo­meter­stand. Ist er in einem der Dokumente höher als die Tacho­angabe, stimmt etwas nicht. Hilf­reich kann auch ein Blick aufs Ölwechselschild sein. Empfiehlt es, den nächsten Austausch beim Stand von 100 000 Kilo­meter durch­zuführen, kann der Kilo­meter­stand nicht bei 50 000 liegen. Die Wechsel­intervalle betragen höchs­tens 30 000 Kilo­meter. Eine Hilfe bei der Suche nach alten Werk­statt­rechnungen ist der Fahr­zeug­brief. In ihm stehen die Namen der Vorbesitzer.

Daten­bank als Mittel gegen Tachomanipulation

Eine zentrale Daten­bank für Kilo­meterzäh­ler­angaben schlägt die Initiative gegen Tachomanipulation vor. Der Verein – eine gemeinschaftliche Gründung des Automobilclub von Deutschland (AvD), des Software­spezialisten Werbas und der Fahr­zeug­daten­bank Car-Pass – möchte erreichen, dass fahr­zeugrelevante Daten bei der HU (Haupt­unter­suchung, zum Beispiel bei Tüv und Dekra) und beim Service in den Werk­stätten routine­mäßig gespeichert werden. Mit diesen Informationen solle eine „glaubwürdige und über­prüf­bare Fahr­zeug­historie“ entstehen. Der Vergleich der Daten aus der Daten­bank und der Fahr­zeug­elektronik soll helfen Manipulationen aufzudecken. Es müsste allerdings auch gesichert sein, dass die gesammelten Daten vor Miss­brauch geschützt werden. In Belgien wurde eine solche Daten­bank 2010 bereits einge­führt. Wie es scheint, mit Erfolg: Nach Angaben des Betreibers von car-pass.be sank die Zahl der Tacho­fälschungen von zunächst mehr als 60 000 pro Jahr auf 1 239 im Jahr 2014.

ADAC ist skeptisch

Der ADAC hält den Einsatz von Daten­banken für zu unsicher (siehe Meldung Tachobetrug: Datenbanken zur Abwehr?), weil die Daten­bank­eintragungen erst mit der ersten Haupt­unter­suchung beginnen würden, also wenn das Fahr­zeug bereits drei Jahre alt ist. „Kriminelle, die ein Auto manipulieren und dadurch seinen Wieder­verkaufs­wert steigern wollen, könnten beispiels­weise vor einer HU den Kilo­meter­stand des Pkw gezielt verändern“, befürchtet man beim ADAC. „Das Ergebnis des vermeintlich echten, jedoch manipulierten Kilo­meter­standes bekommen sie dann mit der HU sogar noch behördlich bestätigt“.

Fahr­zeug­hersteller sammeln schon jetzt Daten zu Reparaturen

Bereits jetzt sammeln Fahr­zeug­hersteller Daten. Ihre Aufzeichnung beginnt früher – nämlich bei der ersten Inspektion. Für jedes Fahr­zeug, das regel­mäßig zum Service kommt, legen sie eine Reparations­historik an. In einem Rechts­streit, den das Ober­landes­gericht Düssel­dorf im Jahr 2012 entschied, verhalf diese Historik dem Käufer eines mit manipuliertem Tacho verkauften Volks­wagens zu seinem Recht.

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tachoOK am 16.11.2015 um 15:03 Uhr
Diesbezüglich kann die App TachoOK helfen

Man mit der App TachoOK Control kann man den Tachostand auch mit einem Beweisfoto festhalten! Auch sämtliche Kilometerstände bei Inspektionen können festgehalten werden.
Die Aufzeichnung muss regelmässig erfolgen sonst sinkt das Rating. Das App informiert wann der nächste Eintrag erfolgen soll. So kann man gegen die Tachomanipulation einen Schritt weiterkommen.
einfach mal ausprobieren, diese findet man im Appstore..

tachoOK am 16.11.2015 um 15:00 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Alfred.15 am 03.08.2015 um 10:29 Uhr
Schutze vor Betrug

Die Recherche an Hand von Belegen eine Tachomanipulationen zu entdecken ist zwar vorstellbar, geht dann aber in leere, wenn mit krimineller der Tachostand in kleinen Schritten mehrmals manipuliert wird. Z.B. bei 20.000 Km auf 10.000 km zurück und bei 30.000 Km auf 20.00 Km zurück gestellt wird. In den Dokumenten wie Scheckheft, Tüv etc., sind die Eintragungen dann immer korrekt. Eine Möglichkeit dem Schwindel auf die Schliche zu kommen bei Fahrzeugen mit einem Km-Stand bis ca. 50.000 Km wäre der Verschleißstand an den vorderen Scheibenbremsen.
Die Abnutzungsspuren an Scheiben kann man, gerade bei Al-Felgen ohne die Räder zu demontieren gut sehen. Bei dem ersten Belagewechsel werden in der Regel die Bremsscheiben nicht mit ausgetauscht, so dass der Verschleiß weiterhin zu erkennen ist.
Natürlich ist das nur ein grober Indikator, da die Fahrweise eine Rolle spielt außerdem muss man den Verschleißgrad beurteilen können. Hilfreich wäre ein Vergleich mit Fahrzeugen gleichem KM-Standes.