Reise­begleiter. Die fünf­jährige Nele und ihr kleiner Bruder Mattis dürfen auf langen Auto­fahrten ans Tablet.

Mit speziellen Apps und Bedien­oberflächen können Eltern für ihre Kleinen Tablets alters­gerecht einstellen. Doch nicht alle eignen sich für jedes Alter.

Nele und ihre Familie reisen gern. Als Nächstes gehts für die vier Berliner auf einen Berg­bauernhof in Österreich. Bevor Nele und ihr Bruder Mattis gemein­sam mit Mama und Papa Kühe füttern und Ponys reiten können, steht ihnen eine neun­stündige Auto­fahrt bevor. Für die Fünf­jährige ist das kein großes Problem. Neben Hörspiel-CDs und Malblock hat Nele auch ein Tablet im Gepäck. Darauf kann sie ihre Lieblings­serie „Bibi und Tina“ angu­cken, puzzeln oder Spiele spielen.

Eltern sorgen mit speziellen Apps und Einstel­lungen dafür, dass Kinder wie Nele am Tablet wirk­lich nur die Inhalte zu sehen bekommen, die sie sehen sollen. Sie können die Bild­schirm­zeiten begrenzen, Alters­filter einstellen oder In-App-Käufe deaktivieren.

Fünf Möglich­keiten, mit denen Eltern Tablets für ihre Kinder alters­gerecht gestalten können, haben wir geprüft. Darunter solche, die bei den wichtigsten Anbietern von Android-Tablets, Samsung, Huawei und Lenovo, bereits vorinstalliert sind. Bei Samsung heißt sie schlicht „Kinder­modus“, bei Huawei „Kids Corner“ und bei Lenovo „KidOZ“. Besitzer von Amazon-Fire-Geräten können die App „Amazon Free­time“ anwenden. Nutzer von Apples iPad finden ab iOS 12 bereits im Betriebs­system viele Möglich­keiten, es passend zu machen: unter Einstel­lungen im Menü „Bild­schirm­zeit“.

Wir wollten wissen, wie kindgerecht die Oberflächen gestaltet sind und ob die getätigten Einstel­lungen tatsäch­lich wirk­sam sind und sich nicht austricksen lassen (Testkommentare).

Unser Rat

Amazon Free­time Unlimited über­zeugt mit kindgerechten Inhalten. Die sind an ein Abo-Modell geknüpft. Samsungs Kinder­modus bietet eine kindgerechte Oberfläche, die Nutzungs­zeiten lassen sich nicht sehr flexibel steuern. Huaweis Kids Corner richtet sich eher an kleinere Kinder, Apples „Bild­schirm­zeit“ an ältere. KidOZ bei Lenovo braucht für viele Anwendungen Internet­zugang.

Zuerst müssen die Eltern ran

Bevor die Kinder sorgenfrei losspielen dürfen, müssen zuerst Mama oder Papa ran. Alle genannten Anbieter haben die Oberfläche für Kinder bereits vorinstalliert oder ins Betriebs­system integriert. Sie besteht aus zwei Teilen: einem Bereich für die Erwachsenen, der per Code geschützt ist, damit das Kind nicht darauf zugreifen kann, und dem eigentlichen Kinder­modus. Im Eltern­bereich können sie zum Teil Profile für mehrere Kinder verschiedenen Alters anlegen. Es lässt sich einstellen, wie lange der Nach­wuchs maximal spielen darf.

Nicht stunden­lang spielen

Ohne Tablet spielen. Für Augen und Motorik sind Pausen vom Gerät wichtig.

Ausgefeilte Möglich­keiten bietet Apple: Vater oder Mutter können für bestimmte App-Kategorien eine maximale Nutzungs­zeit fest­legen oder bestimmte Anwendungen nicht limitieren. So können sie sicher­stellen, dass die Kleinen jeder­zeit Kinder­bücher ansehen dürfen, aber nicht stunden­lang Spiele spielen.

Bei Amazon Free­time können Eltern auch Tages­ziele definieren, an deren Erfüllung die Nutzung anderer Inhalte geknüpft ist. Die Eltern­einstel­lungen waren bei allen Oberflächen wirk­sam und konnten im Kinder­modus nicht umgangen werden. Apple-Nutzer sollten aber wissen, dass etwa die Einstel­lungen für den Alters­filter nur für Inhalte gilt, die bei Apple gekauft wurden, nicht aber für Dritt-Apps.

So finden Eltern kindgerechte Apps

Kindgerecht. Spezielle Oberflächen machen es den kleinen Nutzern leichter.

Welche Inhalte und Apps die Erwachsenen für ihre Kinder frei­geben, müssen sie selbst entscheiden. Eine Orientierung bieten zwei Angebote von Jugendschutz.net – das ist das Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugend­lichen im Internet. Eltern können unter app-geprüft.net nach­lesen, wie das Zentrum Spiele-Apps hinsicht­lich ihrer Kinder- und Jugend­tauglich­keit bewertet. Auf klick-tipps.net veröffent­licht es konkrete App-Empfehlungen.

Wie lange am Stück sollten die Kleinen ein Tablet nutzen? Die Pädagogin Marion Lepold erforscht den Einsatz von digitalen Medien in Kitas. Sie rät: „Eltern sollten ihr Kind genau beob­achten. Nicht nur während es am Tablet spielt, sondern auch in der Zeit danach, denn Kinder reagieren sehr unterschiedlich.“ Eine Studie der Amerikanischen Akademie der Kinder­ärzte, die 2017 vorgestellt wurde, könnte Eltern hingegen verunsichern. Sie sieht einen Zusammen­hang zwischen der Nutzung von Smartphones und Tablets undeiner verzögerten Sprach­entwick­lung. Die untersuchten Kinder waren mit einem Alter von 18 Monaten allerdings recht jung.

Nele legt das Tablet häufig selbst nach einer Weile weg. Spätestens wenn sie auf dem Bauernhof ange­kommen ist, verschwindet es ganz im Koffer. Dann spielt sie lieber selbst „Bibi und Tina“.

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