Tablet-PCs Test

Apples iPad wurde bisher 18 Millionen mal verkauft. Nun startet die Konkurrenz eine Aufholjagd um die Kunden: Ein neues Betriebs­system von Android soll helfen, das iPad zu entthronen. Der Vergleich zeigt, ob das Motorola Xoom mithalten kann. Außerdem: Eine Gegen­über­stellung beider Betriebs­systeme.

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Tablet-PCs Test

Flache Flunder: Das Apple iPad 2 (oben) ist sicht- und spür­bar dünner als das Motorola Xoom.

Dresden, nachts um drei Uhr: Die ersten Käufer stehen nach dem iPad 2 an. Später werden Bezugs­scheine ausgegeben, einige Farb- und Ausstattungs­varianten sind ausverkauft. Einen Monat später startet die Telekom den Verkauf des Tablet-Computers Motorola Xoom: Doch unsere Einkäufer bekommen völlig problemlos ein Gerät, der Andrang hält sich sehr in Grenzen. Dabei ist das Xoom der erste erhältliche Konkurrent, der mit dem neuen Betriebs­system Android 3 dem Markt­führer Apple Kunden abzu­jagen versucht. Die auch als Honeycomb („Honigwabe“) bezeichnete Software soll Tablet-PCs noch unter­halt­samer machen und lockt mit neuen Funk­tionen. Im Test tritt das Motorola Xoom gegen das iPad 2 an.

Xoom: Chance verpasst

Der Vergleich im Prüf­institut zeigt schnell: Der Tablet-PC von Motorola schlägt weder Profit aus den Schwächen des Konkurrenten, noch punktet er mit eigenen Stärken.

Größe und Gewicht. Vor einem Jahr wurde das erste iPad als dick, schwer und unhand­lich gescholten. Apple hat auf die Kunden gehört. Der Nach­folger iPad 2 wiegt 610 Gramm und ist nur 9 Milli­meter dick. Motorolas Xoom ist mit 14 Milli­metern und 730 Gramm spür­bar unhand­licher. Auch der Akku des iPad ist besser: Er hält gut andert­halb Stunden länger durch als der im dickeren Xoom.

Tablet-PCs Test

Anschluss­freudig: Das Motorola Xoom gibt dem Nutzer Zugriff auf das Datei­system über einen Micro-USB-Anschluss.

Anschlüsse. Das iPad hat keine USB-Buchse und kann nicht mit Speicherkarten erweitert werden. Gegen diesen gravierenden Schwach­punkt setzt das Motorola mit seinem offenen Betriebs­system Android einen Steck­platz für Speicherkarten vom Typ microSD und eine Micro-USB-Buchse. Aber die einge­baute USB-Buchse benötigt einen aufpreis­pflichtigen Adapter – wo das dicke Gehäuse doch Platz für eine normale USB-Buchse böte – und der Kartenleser funk­tioniert noch nicht.

Display. Auf dem Prüf­stand leuchtet das Motorola Xoom heller als das iPad 2. Doch die grauen Bedienmenüs des Xoom schlu­cken viel Licht. Deshalb wirkt es dunkler als das iPad 2. Auch sein Blick­winkel ist kleiner.

Betriebs­system. Android steht jedem Programmierer offen. Das sorgt für eine Vielzahl von Zusatz­programmen. Doch die gab es bisher nur für Android-Smartphones. Das Xoom nutzt erst­mals die Android-Version 3 für Tablet-PCs mit großem Display, hoher Auflösung und der Möglich­keit zum parallelen Betrieb mehrerer Programme (Multitasking). Allerdings fehlt eine Einkaufs­möglich­keit, ein Markt­platz, speziell für Android-3-Apps. Fast auto­matisch landet deshalb falsche Zusatz­software auf dem Xoom: Die Anwendungen sind für Android-Smartphones programmiert und laufen auf dem großen Display des Tablet-PCs nur in einem Mini­fenster. Auch weitere neue Funk­tionen wie die Zurück-Schalt­fläche in Apps fehlen. So wird das Bedien­konzept uneinheitlich, was im Wett­kampf mit dem iPad 2 schwer wiegt.

iPad: Sieger der Herzen

Das iPad 2 von Apple hat die Käufergunst verdient. Doch es zählen nicht nur tech­nische Daten. Die Apple- und Android-Betriebs­systeme repräsentieren auch unterschiedliche Philosophien.

Geschäfts­modell. Mono­pol gegen freier Markt: Apple lockt mit Ästhetik und einfacher Hand­habung, kanalisiert aber allen Geld­fluss (Musik und Videos, Zusatz­software „Apps“) über die eigenen Konten. Das Xoom mit Android 3 ist flexibler.

Offenheit. Jeder darf alles: Das Android-Betriebs­system des Motorola Xoom kennt für App-Zusatz­software keine Beschränkungen. Das machen sich Kriminelle zunutze, die in vermeintlich harmlose Spiele und andere Apps Schadsoftware einbauen. Das ginge im Grunde auch bei Apples iOS, nur wird es seltener angegriffen.

Grenzen. Apple sperrt Programme: So ist der Adobe-Flash-Player nicht zugelassen. iPad-Besitzer können deshalb viele Videos im Internet nicht ansehen, wie sie es vom PC her gewohnt sind. Das, was zugelassen wird, funk­tioniert aber reibungs­los.

Das Motorola Xoom bietet Käufern von Tablet-PCs zwar erst­mals eine Alternative zu Apples goldenem Käfig. Es ist aber noch nicht attraktiv genug, um dem Markt­führer echte Konkurrenz zu machen.

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