THG-Quote Mit dem E-Auto Geld verdienen

THG-Quote - Mit dem E-Auto Geld verdienen
Emissions­handel. Mit wenigen Klicks können Interes­sierte ihr E-Auto anmelden und am THG-Quoten­handel teilnehmen. © Getty Images / Martin Pickard

E-Autos stoßen keine Treib­hausgase aus. Seit Januar können Halter die einge­sparte Emission für Hunderte Euro jähr­lich verkaufen. Wir zeigen, worauf Sie achten sollten.

Inhalt

Was ist die THG-Quote?

Treib­haus­gasminderungs­quote – hinter diesem Wort­ungetüm versteckt sich eine Chance für E-Auto­fahrer, Hunderte Euro pro Jahr zu verdienen. Die Quote, auch als THG-Quote bekannt, gilt für Unternehmen, die fossile Kraft­stoffe wie Diesel oder Benzin in den Verkehr bringen. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) verpflichtet sie, die Treib­hausgase, die ihr verkaufter Kraft­stoff verursacht, jähr­lich um einen bestimmten prozentualen Mindest­anteil zu senken. Firmen, die diese vorgegebene Reduktion nicht erfüllen, können unter anderem ander­orts einge­spartes CO2 dazu­kaufen und so ihre THG-Quote erreichen. Seit Jahres­beginn sind auch einge­sparte Treib­hausgase von Elektro­autos und E-Leicht­kraft­rädern anrechen­bar.

Das Wichtigste in Kürze

Berechtigt.
Sie können die CO2- Einsparung Ihres E-Autos oder elektronischen Leicht­fahr­zeugs, etwa eines E-Rollers, an Dienst­leister verkaufen. Dazu müssen Sie als Halter im Fahr­zeug­schein stehen, sich bei einem Dienst­leister registrieren und dort den Fahr­zeug­schein hoch­laden. Dies gilt auch für Leasing-Fahr­zeuge, sofern der Fahrer oder die Fahrerin im Fahr­zeug­schein steht.
Frist.
Spätestens im Herbst sollten Sie aktiv werden. Die Frist für die Registrierung eines E-Autos beim Umwelt­bundes­amt läuft bis 28. Februar des Folge­jahres. Der Vorgang muss aber bis dahin beim Amt durch sein. Wir empfehlen daher, sich bis spätestens Ende 2022 einen Dienst­leister zu suchen.
Anbieter­auswahl.
Es gibt verschiedene Angebots­typen. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie eine prozentuale Beteiligung am Verkaufs­erlös haben möchten, einen vorab definierten fest­gelegten Betrag oder ob Sie die komplette Zahlung beziehungs­weise Teile davon an Energieprojekte spenden wollen (siehe Tabelle).

So funk­tioniert der Verkauf

Wie viel einge­sparte Treib­hausgase einem E-Auto ange­rechnet wird, lässt sich aus Zahlen, die das Bundes­umwelt­ministerium veröffent­licht, berechnen. Es schätzt den durch­schnitt­lichen Strom­verbrauch eines E-Autos im Jahr 2022 auf 2 000 Kilowattstunden. Daraus lässt sich unter zur Zuhilfe­nahme der Regelungen einer Verordnung eine handel­bare Einsparung von 862 kg CO2 berechnen. Sie gilt nur für reine E-Autos und Leicht­fahr­zeuge unabhängig von Größe und Fahr­leistung. Ihr Preis bildet sich frei am Markt, abhängig von Angebot und Nach­frage. Für den Verkauf bietet es sich an, einen Dienst­leister zu nutzen. Diese bündeln die CO2-Minderung von mehreren Elektrofahr­zeugen und verkaufen sie im Paket weiter. Außerdem kümmern sie sich um die Registrierung des Fahr­zeugs beim Umwelt­bundes­amt. Dies ist Voraus­setzung für den Verkauf und stellt sicher, dass die Emission eines E-Fahr­zeugs nur einmal verkauft wird.

Spende oder Zahlung? Beides geht

Wir haben uns exemplarisch drei Dienst­leister mit unterschiedlichen Angebots­typen angesehen, an die man seine CO2-Einsparung verkaufen kann (Tabelle Beispielangebote). Die Dienst­leister zahlen entweder einen fixen Betrag oder eine prozentuale Beteiligung am Verkaufs­erlös. Bei anderen Anbieter können Teile oder die gesamte Auszahlung gespendet werden. Verkaufen E-Auto-Halter ihre CO2-Einsparung nicht, macht dies der Staat. Laut dem Gesetz werden nicht genutzte Mengen versteigert. Bislang fehlt hierzu eine Ausführungs­ver­ordnung. Unklar ist daher, was mit dem erzielten Geld passieren würde.

So wird die Zahlung versteuert

Alle Steuerzahler. Ob und in welchem Umfang die Zahlung steuer­pflichtig ist, hängt davon ab, welche Art von Einkünften der Halter oder die Halterin des E-Autos hat und wie hoch die Einkünfte insgesamt sind. Die Zahlung für das einge­sparte CO2 erhöht das Gesamt­einkommen. Es fallen keine Steuern an, wenn das zu versteuernde Gesamt­einkommen unter dem steuerlichen Grund­frei­betrag von 9 984 Euro (Ehegatten 19 968 Euro) liegt. Liegen die Einkünfte darüber, gilt Folgendes:

Nicht Selbst­ständige: Für Arbeitnehmer und alle anderen, die nicht über gewerb­liche oder freiberufliche Einkünfte verfügen, wie zum Beispiel Rentner, Vermieter oder Kapital­anleger ist der Verkauf der Treib­hausgas­einsparungen als „Sons­tige Einkünfte“ einkommensteuer­pflichtig. Es gilt eine steuerliche Frei­grenze von 255,99 Euro. Liegen die Einnahmen im Kalender­jahr unter diesem Betrag, fällt insgesamt keine Steuer an. Betragen die Einkünfte allerdings genau 256 Euro oder sind sie höher, ist der Gesamt­betrag einkommensteuer­pflichtig. Die Einnahmen müssen in der Einkommensteuererklärung angegeben werden.

Es gibt aber eine Besonderheit für Arbeitnehmer: Hat die E-Auto­besitzerin oder der E-Auto­besitzer keine weiteren Einkünfte (etwa aus Vermietungen oder zusätzlicher freiberuflicher Tätig­keit), sind jähr­liche Neben­einkünfte bis 410 Euro steuerfrei.

Beispiel: Arbeitnehmer ohne weitere Einkünfte: Ein privater E-Auto­halter erzielt im Jahr ausschließ­lich Einkünfte als Arbeitnehmer. Ein Dienst­leister zahlt ihm 390 Euro für die einge­sparten Treib­hausgase seines Fahr­zeuges. Er erzielt damit zwar „sons­tige Einkünfte“ und die Frei­grenze von 255,99 Euro ist über­schritten. Weil er als Arbeitnehmer aber steuerfreie Neben­einkünfte bis 410 Euro pro Jahr haben darf, ist die Zahlung für ihn steuerfrei.

Beispiel: Arbeitnehmer mit weiteren Einkünften: Ein privater E-Auto­halter oder eine E-Auto­halterin erzielt im Jahr Einkünfte als Arbeitnehmer und außerdem noch als Vermieter und erhält 390 Euro von einem THG-Quoten-Dienst­leister. Diese Zahlung erhöht das übrige steuer­pflichtige Einkommen. Ob am Ende auch Steuern fällig werden und wie hoch sie sind, hängt von der Höhe seiner übrigen Einkünfte ab und anderen Faktoren wie Familien­stand sowie anderen absetz­baren Kosten, etwa den Werbungs­kosten, Sonder­ausgaben oder außergewöhnliche Belastungen. Die Einnahme aus dem THG-Quoten­handel muss er in seiner Erklärung angeben.

Selbst­ständige: Zahlung für betrieblich genutztes Auto gehört zum Betriebs­vermögen

Beispiel Selbst­ständige: Die Zahlung für die einge­sparten Treib­hausgase gilt vom ersten Euro an als steuer­pflichtige Betriebs­einnahme. Sie muss im Rahmen der Einkommensteu­erklärung und Gewinn­er­mitt­lung angegeben werden. Eine Frei­grenze gibt hier also nicht.

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21 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.05.2022 um 09:25 Uhr
Was passiert mit nicht verkaufter CO2-Einsparung?

@josefe: Wir werden dazu berichten, wenn wir wissen, was mit der nicht verkauften C02-Einsparung passiert.

josefe am 08.05.2022 um 20:56 Uhr
Versteigert der Staat wirklich meinen Anteil ?

Zitat test: "Verkaufen E-Auto-Halter ihre CO2-Einsparung nicht, macht dies der Staat."
Ich habe da mittlerweile meine Zweifel. Es scheint derzeit eher eine Art Absichtserklärung/Option zu sein, die aber zumindest aktuell (also mindestens mal dieses Jahr) nicht gezogen wird. Die erforderliche Durchführungsverordnung fehlt.
Ich möchte nicht unbedingt dazu beitragen, einen Mineralölkonzern beim greenwashing zu unterstützen und erwäge ernsthaft, meinen Anteil nicht zu verkaufen.
Um eine kurze Info wäre ich sehr dankbar! Josef

antimatter am 01.05.2022 um 11:39 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.04.2022 um 14:22 Uhr
Härteausgleich nach § 46 EStG / Kapitaleinnahmen

@Nebokno: Danke für Ihren Hinweis. Sie haben Recht. Der Härteausgleich nach § 46 EStG gilt nicht für Kapitaleinkünfte. Wir werden das Wort "Kapitaleinnahmen" im Satz streichen. richtig heißt es also: "Es gibt aber eine Besonderheit für Arbeitnehmer: Hat die E-Auto­besitzerin oder der E-Auto­besitzer keine weiteren Einkünfte (etwa aus Vermietung oder zusätzlicher freiberuflicher Tätig­keit), sind jähr­liche Neben­einkünfte bis 410 Euro steuerfrei."

Nebokno am 10.04.2022 um 20:17 Uhr
Für Kapitalanleger gelten auch EUR 410?!

Meinem Verständnis von § 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG ist, dass Kapitalerträge für die Frage, ob EUR 255 oder 410 steuerfrei sind, unerheblich sind (im Unterschied zu z. B. Elterngeld), da die Regelung auf einkommenssteuerpflichtige Einkünfte oder Einkünfte unter Progressionsvorbehalt abstellt, und nicht auf Kapitalerträge.
Können Sie das bestätigen und Ihren Text ggf. korrigieren?