T-Shirts Unter­nehmens­ver­antwortung Test

Schre­ckens­meldungen aus Textilfabriken in Billig­lohn­ländern sind keine Seltenheit. Doch was ist dran an geringen Mindest­löhnen, unbe­zahlten Über­stunden und mangelndem Arbeits­schutz? test untersuchte, unter welchen Bedingungen 20 Modefirmen ihre T-Shirts herstellen ließen, darunter H&M, Esprit, Zara, der Textildiscounter kik und Anbieter von Ökomode.

Schwarze Damen-T-Shirts CSR 08/2010

  • armedangels Basic Black Art.-Nr. 10201100
  • C & A Clockhouse Art.-Nr. 664/33/29740/806 D
  • Ernsting`s family Gina Benotti Art.-Nr. 6304213
  • Esprit Essentials Art.-Nr. A27638
  • Gerry Weber Edition Interlock Basic Art.-Nr. 97036-5004
  • H & M L.O.G.G. Art.-Nr. 1670-545240
  • hessnatur Art.-Nr. 28718
  • kik Okay Basics Art-Nr. 83552/00
  • Mexx Art.-Nr. NW369
  • NKD Outfit Fashion Art.-Nr. 1566261
  • Otto Vivien Caron Art.-Nr. 855531W
  • panda Shirt 1/2 Arm Art.-Nr.6050 752 58
  • Peek&Cloppenburg Marco Pecci MPN-03 Art.-Nr. 6690470
  • s.Oliver Casual Women Art.-Nr. 04.899.32.0550
  • Street One Art.-Nr. 151010
  • Takko Colours of the world Art.-Nr. 28735/2
  • Tom Tailor laura stretch tee Art.-Nr. 1017776.09.70
  • trigema Wellness T-Shirt Art.-Nr. 39203
  • Zara Basics Art.-Nr. 5402/077/800
  • zero Romy Art.-Nr. 303642/6002
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H&M verweigert Auskunft

Die Abkür­zung CSR steht für Corporate Social Responsibility. Damit ist die freiwil­lige soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen gemeint. Im CSR-Test T-Shirts ging es ganz konkret um das freiwil­lige Engagement von Modefirmen für ihre Mitarbeiter und die Umwelt. Vierzehn Nähereien und neun Färbereien öffneten der Stiftung Warentest Tür und Tor – in Bangladesch, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Estland, Indien, Litauen, Mauritius, Portugal und der Türkei. Aus diesen Ländern kam ein Groß­teil der 20 schwarzen T-Shirts ohne Aufdruck, die test auch auf Halt­barkeit, Pass­form und Schad­stoffe prüfte (siehe Test T-Shirts aus test 08/2010). Doch nicht alle Modeketten legten die Produktions­bedingungen ihrer T-Shirts offen: H&M, Mexx, NKD und zero verweigerten die Auskunft. Gerade H&M enttäuscht. Die schwe­dische Modekette, für die Deutsch­land ein wichtiger Markt ist, bastelt seit Jahren an einem grüneren Image.

20 Euro Monats­lohn in Bangladesch

Wunder Punkt in der Produktion sind die kargen Löhne, von denen die Arbeiter kaum leben können. In Bangladesch etwa demons­trieren Nähe­rinnen derzeit für eine Erhöhung ihres Mindest­lohns von 20 auf 58 Euro. In Indien verdient eine Näherin 50 Euro und in der Türkei 285 Euro. Kaum eine Modefirma im Test zahlt mehr als den Mindest­lohn - und wenn dann nur leicht darüber. Ausnahme ist der Naturmodeanbieter hess­natur in Litauen. Und auch trigema bezahlt seine deutschen Angestellten über Tarif, ebenso panda in der deutschen Färberei. Ein anderes Problem sind die vielen Über­stunden. Da Modeketten oft ihre Kollektionen wechseln, brauchen sie flexible Lieferanten. In Asien sind viel mehr Über­stunden möglich als in Europa. Die Recherchen zeigten: Über­stunden sind vieler­orts an der Tages­ordnung, in den besichtigten Betrieben werden sie allerdings auch bezahlt.

kik in der Kritik

Kaum ein Textil­unternehmen ist derzeit so im Gespräch wie kik. Der Textildiscounter ließ sein T-Shirt auch in Bangladesch produzieren. Allerdings zu sehr schlechten sozial­ökologischen Bedingungen, wie kik selbst gegen­über der Stiftung Warentest zugab. Da kik die Koope­ration mit der Näherei in Bangladesch Ende 2009 beendete, konnten die Tester die Produktions­stätte nicht besichtigen und kik auch nicht bewerten. Trotz der bekannten Miss­stände hat kik das T-Shirt aber verkauft. Was viele nicht wissen: kik gehört zur Tengelmann-Gruppe, die sich seit Jahren als besonders umwelt­freundlich darstellt.

hess­natur mit hohem Engagement

Nur ein Unternehmen zeigte wirk­lich hohes Engagement für Mitarbeiter und Umwelt: der Naturmodeanbieter hess­natur. Er kann den Anbau und die Weiterver­arbeitung der Baumwolle, in diesem Fall Biobaumwolle aus Burkina Faso, souverän über­blicken. Bei C&A fällt positiv auf, dass sich beide indischen Fertigungs­stätten durch eine weit entwickelte Sozial- und Umwelt­politik auszeichnen. Nur geringes Engagement zeigen acht Modefirmen, darunter Gerry Weber, Otto und Zara.

Bioanbietern fehlen Beweise

Üblicher­weise kennen Bioanbieter die Produktions­kette besonders gut. Doch was bei Biolebens­mitteln klappt, ist bei Biomode noch nicht selbst­verständlich. CSR-Pionier Otto konnte nicht lückenlos beweisen, dass sein T-Shirt aus Biobaumwolle besteht. Und das, obwohl für jede Stufe – vom Anbau bis zum Händler – Zertifikate vorliegen müssten. Auch bei den T-Shirts von armedangels, panda und trigema, alle drei aus Biobaumwolle, blieb unklar, ob beim Anbau Biokriterien einge­halten wurden. In manchen Betrieben ist zudem die Vermischung mit konventioneller Baumwolle nicht auszu­schließen: Anders als vorgeschrieben lagerten biologisch und konventionell angebaute Baumwolle nicht getrennt voneinander. Auch die Verarbeitung erfolgte nicht separat. Somit bleiben Zweifel, ob die T-Shirts wirk­lich aus 100 Prozent Biobaumwolle bestanden. Kontrolle und Trans­parenz müssen hier noch verbessert werden.

armedangels verspricht zu viel

Auch das einzige fair gehandelte T-Shirt im Test vom jungen Modelabel armedangels konnte nicht voll­ends über­zeugen. Für sein T-Shirt zahlt armedangels zwar faire Preise für die Baumwolle, nicht aber für deren Verarbeitung. Hier stößt das Fairtrade Siegel an Grenzen, da es nur einen Teil der Kette abdeckt. Im Internet spricht die Firma auch von „unseren Baumwoll­bauern“, was nach Nähe klingt. Sie hat aber keinen engen Kontakt zu ihnen, auch nicht zur Färberei in Portugal. Dort kannte keiner armedangels.

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