Ein Anleger, der durch die Pleite des Discountbrokers Systracom viel Geld verloren hat, erhält nun Schadenersatz. Die Münchener Anwaltskanzlei Rotter Rechtsanwälte hat für ihn einen Vergleich mit dem Insolvenzverwalter der Bank geschlossen. 

Der Anleger wollte am 20. April 2001 über sein Konto bei der Systracom Wertpapiergeschäfte machen, die ihm nachweislich einen hohen Gewinn gebracht hätten. Doch das Bundesaufsichtamt für das Kreditwesen (BAKred) hatte an diesem Tag ein Moratorium über Systracom verhängt. Damit verbot das BAKred dem Berliner Onlinebroker ab sofort, Kauf- oder Verkaufsaufträge auszuführen. Die Kunden konnten an diesem Tag keine Onlineverbindung zur Systracom herstellen.

Der Broker habe so seine Verpflichtung für eine jederzeit mögliche Erreichbarkeit verletzt, so die Anwälte. Der Grund für diese Verletzung sei nicht relevant zur Feststellung der Vertragspflichtverletzung. „Schließlich beruht das Moratorium auf dem Verhalten der Systracom“, sagt Bernd Jochem von Rotter.

Bislang wurden Onlinebanken nur bei fehlerhaften oder zeitverzögerten Buchungen von Aufträgen belangt. Im vorliegenden Fall hatte der Mandant laut Jochem Glück, dass er mithilfe von Zeugen beweisen konnte, die Transaktion an diesem Tag geplant zu haben.

Rotter-Rechtsanwälte hatten Feststellungsklage gegen den Systracom-Insolvenzverwalter eingereicht, da dieser laut Rotter die angemeldete Schadenersatzsumme nicht in die Insolvenztabelle aufnehmen wollte. Nach dem geschlossenen Vergleich werden dem Anleger voraussichtlich 65 Prozent seines Verlusts erstattet.

Dieser Artikel ist hilfreich. 301 Nutzer finden das hilfreich.