Systemkamera Lumix GH1 Schnelltest

Digitalkamera und Camcorder in einem: Panasonic hat seine Kamera­­familie Lumix G erweitert. Die große Schwester der G1, die neue GH1, kann jetzt auch filmen. In hoher Auflösung. Der Schnelltest zeigt, ob die System­kamera oscarreife Bilder macht.

Angriff auf die Königsklasse

Micro-Four-Thirds heißt der neue Standard. Panasonic und Olympus bieten ihn schon an. Dahinter stecken digitale Systemkameras mit Wechselobjektiven - aber ohne Spiegel. Der Bildchip im Format 4:3 (Four Thirds) ist deutlich größer als bei digitalen Kompaktkameras. Folge: weniger Bildrauschen, mehr Qualität. Die neuen Systemkameras von Panasonic spielen in der Königsklasse: Gute Bildqualität, Wechselobjektive und kreative Gestaltungsmöglichkeiten sind hier Pflicht. Panasonics Systemkameras konkurrieren direkt mit digitalen Spiegelreflexkameras.

Voll digital mit Klicken

Vorteil der neuen Technik ohne Spiegel: Das Kameragehäuse fällt etwas kompakter aus und die Kamera arbeitet vollständig digital. Mit elektronischem Sucher. Leichter sind die Kameras obendrein. Panasonic fertigt das Gehäuse aus Kunststoff. Die neue Lumix GH1 gibt es wahlweise in rabenschwarz oder weinrot. Der Verschluss funktioniert noch mechanisch. Er serviert das Klicken, das Fotofreunde so lieben. Nicht ganz so satt wie bei einer Spiegelreflexkamera, denn es schlägt kein Spiegel um, aber doch deutlich hörbar.

Videos in hoher Auflösung

Das eigentlich Neue an der GH1 ist ihre Videofunktion. Die Systemkamera nimmt auch bewegte Bilder auf. Nicht nur halbherzig, sondern auf Wunsch auch perfekt: In höchster Auflösung und bester Qualität. Die Panasonic Lumix GH1 ist die erste Digitalkamera die Videos in Full-HD mit 1 920 x 1 080 Pixeln aufzeichnen kann. Mit Stereoton. Die neue Systemkamera konkurriert also auch mit hochwertigen Camcordern. Das macht sie gut. Die Lumix GH1 führt die Schärfe permanent nach. Ganz wie ein Camcorder.

Gut im Bild

Der Autofokus arbeitet rasch und doch sanft. Er macht kaum Geräusche. Das eingebaute Stereomikrofon liefert fast lupenreinen Ton. Besser als mancher Camcorder. Zusätzlich gibts eine Buchse für ein externes Mikro: fast schon perfekt. Der rote Videoknopf an der Kamerarückwand startet und stoppt die Aufnahme. Auch das funktioniert komfortabel wie bei Camcordern, nicht umständlich über Schalter oder Menü wie bei vielen Kompaktkameras.

Zoom nur von Hand

Alles in allem kann die neue Lumix GH1 tatsächlich einen Camcorder ersetzen. Zumindest, wenn ein Stativ zur Hand ist. Aus der Hand geraten die Aufnahmen mit einem hochwertigen Camcorder noch besser. Der bietet dann auch ein Motorzoom und einen Kopfhörer zur Tonkontrolle. Das fehlt bei der Systemkamera von Panasonic. Die GH1 regelt zwar die Schärfe automatisch, heranfahren oder wegzoomen funktioniert aber nur von Hand. Dabei verkantet die Kamera leicht, weil eine Hand das Gehäuse hält, während die andere am Objektivring dreht.

Für Fernseher und PC

Bei den Formaten schließt die GH1 wieder zu hochwertigen Camcordern auf. Videos zeichnet die Kamera wahlweise als Motion-JPEG oder AVCHD auf. Motion-JPEG ist weit verbreitet und lässt sich fast überall abspielen. Perfekt für den PC. Auf ein Gigabyte passen allerdings nur etwa vier Minuten Video in HDready (1 280 x 720 Pixel). Der Advanced Video Codec High Definition (AVCHD) ist höher komprimiert. Die Aufnahmen belegen weniger Speicher. Jetzt passen sieben Minuten Video in Full-HD (1 920 x 1 080 Pixel) auf ein Gigabyte Speicher. Panasonic empfiehlt das AVCHD-Format für die Wiedergabe auf hochauflösenden Fernsehern und zur Weiterverarbeitung mit Videoschnittprogrammen.

Starker Sucher

Die guten Videofunktionen lassen fast vergessen, dass die GH1 vor allem eine Digitalkamera ist. Eine gute wohlgemerkt. Sie überzeugt durch hohe Auflösung und geringes Bildrauschen. Das volldigitale System hat einen entscheidenen Vorteil: Der elektronische Sucher zeigt das Motiv auch bei schwacher Beleuchtung ausreichend hell. Die optischen Sucher von Spiegelreflexkameras müssen im Dämmerlicht passen. Der Sucher der GH1 zeigt nicht nur das Motiv exakt an, sondern auf Wunsch auch alle wichtigen Informationen wie Blende, Verschlusszeit, Bildschärfe, Empfindlichkeit und gewählte Menüeinstellungen. Für Brillenträger gibts einen Dioptrinausgleich: Damit kann die Brille in der Tasche bleiben.

Mächtiges Werkzeug

Die Systemkamera von Panasonic funktioniert automatisch und intelligent: Die Automatik erkennt verschiedene Motive und Belichtungssituationen und stellt sich selbst darauf ein. So kommen auch Laien zu brauchbaren Fotos. Kreative Fotoamateure bekommen mit der GH1 ein mächtiges Werkzeug: Fast alle Parameter lassen sich manuell verändern. Das Handbuch beschreibt präzise, wie die Kamera funktioniert. Klar und verständlich - auf fast 200 Seiten. Nur eins haben die Entwickler bei Panasonic vergessen: große Fotos. Die Anleitung enthält zwar Abbildungen und Fotos, doch die sind recht klein. Groß ist dagegen der Preis: Die neue Lumix GH1 kostet rund 1 500 Euro.

Der Produktfinder Digitalkameras zeigt Alternativen:
Systemkameras mit und ohne Spiegel ab etwa 400 Euro.

Produktfinder Digitalkameras: 1653 Kameras im Test
Test: Programme für Videoschnitt
Test: HD-Camcorder und Standard-Camcorder

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