Swatch-Pay Bezahlen mit analoger Uhr am Hand­gelenk

08.01.2020
Swatch-Pay - Bezahlen mit analoger Uhr am Hand­gelenk
Swatch-Uhren kommen oft sehr knallig daher. Jetzt kann man mit ihnen auch per Funk­chip bezahlen. © picture alliance / REUTERS / Arnd Wiegmann

Der Schweizer Uhren­hersteller Swatch hat den eigenen Bezahl­dienst Swatch-Pay jetzt in Deutsch­land einge­führt. Das Bezahlen funk­tioniert per Funk-Chip, der sich unter dem Ziffern­blatt der analogen Kunststof­fuhr befindet. Hier erfahren Sie, wie das Bezahlen funk­tioniert und wie es um den Daten­schutz bestellt ist.

[Update: 28.01.21] Swatch-Pay mit neuen Zahlungs­part­nern

Neustart.
Nach dem Aus von Wirecard und Boon gibt es seit Mitte Dezember 2020 für Swatch-Pay neue Zahlungs­partner – die Commerz­bank und die bereits in anderen Ländern für Swatch aktive Mobile Payment-App Vimpay. Sie arbeitet auf Basis einer Prepaid-Mastercard. Das heißt: Die Karte muss vor dem Einsatz mit Geld aufgeladen werden. Bei der Commerz­bank werden deren Visa- und Mastercard-Karten unterstützt, nicht aber die Karten der Comdirect Bank.
Onlinekauf.
Seit Mitte Dezember 2020 können nun auch alle Swatch-Pay-Uhrenmodelle sowohl online bestellt und auch online frei­geschaltet werden. Der Gang zu einem Swatch-Store erübrigt sich.
Preis.
Im Online-Shop von Swatch waren am 27. Januar 2021 die für Swatch-Pay geeigneten Uhren für 85 Euro und 105 Euro zu haben.
Wichtig.
Die Stiftung Warentest hat Swatch-Pay mit den nun neuen Zahlungs­part­nern nicht erneut untersucht und den Text dieses Schnell­tests nicht aktualisiert.

Swatch-Pay nur in Verbindung mit Boon-App

Swatch-Pay - Bezahlen mit analoger Uhr am Hand­gelenk
© SWATCH AG

Sechs Uhren-Modelle von Swatch stehen zur Verfügung, die jeweils 75 Euro kosten. Zunächst muss der Nutzer die mobile Bezahl-App Boon vom Zahlungs­dienst­leister Wirecard sowie die Swatch-Pay-App auf sein Smartphone laden. Mit Boon erstellt er dann eine virtuelle Prepaid-Mastercard, die in der Swatch-Pay-App als Zahlungs­mittel hinterlegt wird. Die virtuelle Prepaid-Mastercard kann per Kreditkarte oder Über­weisung aufgeladen werden. Im letzten Schritt müssen die Uhr und die Swatch-Pay-App miteinander verknüpft werden. Das erledigt das Personal in einem der 24 deutschen Swatch-Stores mithilfe einer Bluetooth-NFC-Box.

NFC steht für Near Field Communication, einem tech­nischen Stan­dard zum kontaktlosen Austausch von Daten über wenige Zenti­meter. Jetzt kann der Kunde mit seiner Swatch-Uhr an jedem Kassen­terminal bezahlen, das kontaktloses Bezahlen unterstützt und Mastercard als Zahlungs­mittel akzeptiert. Ab 25 Euro wird dafür die persönliche Geheimzahl zur Kreditkarte (Pin) abge­fragt.

Tipp: Alle Details zum kontaktlosen Bezahlen finden Sie im großen, kostenlosen Special Kontaktlos bezahlen auf test.de.

Güns­tiges mobiles Zahl­verfahren

Mit 75 Euro pro Uhr handelt es sich um eine güns­tige Variante des mobilen Bezahlens. Der Bezahl­vorgang ist einfach und funk­tioniert mitt­lerweile an sehr vielen Kassen­terminals im Handel. Das Bezahlen funk­tioniert – anders als beim Smartphone – auch bei leerer Uhrenbatterie. Die Energie für den Austausch der Zahlungs­informationen liefert das Kassen­terminal.

Nutzer muss sich bei Swatch registrieren

Wer das Bezahl­verfahren nutzen will, muss sich beim Uhren­hersteller registrieren. Die Modelle gibt es bisher nur in den 24 Swatch-eigenen Filialen in Deutsch­land. Der Nutzer ist momentan auf eine virtuelle Prepaid-Mastercard von Boon angewiesen, da noch keine anderen Zahl­verfahren hinterlegt werden können. Das heißt: Auch Mastercard und Boon erhalten die Trans­aktions­daten. Swatch plant nach eigenen Angaben, bald auch andere Dienst­leister zuzu­lassen.

Tipp: Die Stiftung Warentest testet laufend Kreditkarten (zum Vergleich Kreditkarten).

Mängel bei den Daten­schutz­bestimmungen

Swatch-Pay - Bezahlen mit analoger Uhr am Hand­gelenk
Ohne Smartphone geht es nicht: Erst muss die Swatch-Pay-App geladen werden. © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Über Boon kommt dann auch der Dienst adjust.com mit ins Spiel. Er bekommt die Information, welcher Netz­werk­anbieter genutzt wird. adjust.com ist ein Dienst­leister, der solche Daten für Marketing­zwecke auswertet. Die Experten von Finanztest sehen das kritisch – wie auch die Tatsache, dass sich der Nutzer im Swatch-Store registrieren muss. Für die Verwendung der Uhr ist das nicht nötig. Problematisch sind zudem die Daten­schutz­bedingungen von Swatch, in denen Swatch-Pay gar nicht erwähnt wird. Zudem gibt es Verstöße gegen die Daten­schutz­grund­ver­ordnung (DSGVO): Betroffenenrechte (Art. 13 Abs. 2 DSGVO) werden nicht klar, verständlich und umsetz­bar dargestellt. Auch die Daten­schutz­bedingungen von Boon haben deutliche Mängel. Sie können zum Beispiel nicht voll­ständig gespeichert werden.

Fazit: Bequemes und schnelles Bezahl­verfahren mit Daten­schutz­mängeln

Swatch hatte mit Bellamy schon vor dem Markt­eintritt von Apple und Google eine Bezahl­funk­tion installiert, die sich jedoch nicht durch­setzen konnte. Jetzt stehen die Zeichen besser, weil nahezu alle Kassen im Handel NFC-fähig sind. Vor allem für Personen die ein zweites bequemes und schnelles Bezahl­verfahren suchen, ist Swatch Pay geeignet. Der Uhr im analogen Design sieht man die Bezahl­funk­tion nicht an, was ein kleiner Vorteil für die Diebstahlsicherheit sein kann. Daten­spar­sam ist das Bezahl­verfahren aber nicht, weil der Nutzer sich bei Swatch-Pay registrieren muss und weil Daten über die Boon-App an Dritte fließen. Zudem sollte Swatch die Daten­schutz­bedingungen über­arbeiten.

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08.01.2020
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