Super-Audio

Interview: Es gibt schlichtweg kein Argument dafür

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Inhalt

Sind die Audioformate Super-Audio-CD und DVD-Audio hörbar besser als die CD?

Nein, es wurden viele Versuche dazu gemacht. Mögliche messtechnische Unterschiede werden in der Praxis vom Hörer nicht wahrgenommen.

Aber es können dabei doch viel höhere Frequenzen aufgezeichnet werden?

Bei Musik ist dieses höhere Spektrum nur sehr selten mit ausreichendem Schallpegel vorhanden, oder Töne im normalen Hörbereich verdecken es. Niemand konnte bisher den Nachweis erbringen, dass das Gehör selbst unter besten Bedingungen diese hohen Frequenzen wahrnimmt. Zudem strahlen übliche Lautsprecher die Frequenzen im Ultraschallbereich extrem gebündelt ab. Wir mussten die Probanden bei unseren Hörversuchen geradezu fixieren, damit sie im opti­malen Abstrahlbereich der Lautsprecher blieben.

Und die größere Dynamik?

Der Dynamikumfang von SACD und DVD-Audio ist so gewaltig, dass man ihn in der Praxis nicht verwenden kann. Wer Musik hört, will nicht, dass die leisen Stellen im Hintergrundgeräusch verschwinden und bei einem Forte der Nachbar aus dem Bett fällt. Bei der Produktion wird die Dynamik deshalb eingeengt, das macht die große Kunst des Tonmeisters aus.

Was spricht dann für die neue Technik?

Es gibt schlichtweg kein Argument. Ich kenne keine haltbaren psychoakustischen oder technischen Gründe, die dafür sprechen. Ein echter Mehrwert für Verbraucher ist lediglich die Surround-Technik, gepaart mit den Möglichkeiten der DVD-Video. Das zeigt auch der stark steigende Absatz der Musik-DVDs. Die Industrie will jedoch weitere neue Medien auf den Markt drücken. Für die Tonstudios ist es ein Wahnsinn, weil die ganze Technik ausgewechselt werden muss.

Gibt es heute überhaupt schon hoch auflösende Aufnahmen auf dem Markt?

Es gibt natürlich einige Titel. Aber viele DVD-Audio- und Super-Audio-CDs, die man heute kaufen kann, sind Archivaufnahmen. Falls sie besser klingen, liegt das nur an der sorgfältigen Surround-Abmischung, nicht an der technischen Signalqualität des neuen Mediums.

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Arno77 am 09.04.2014 um 23:07 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Schleichwerbung

GRENZO am 24.09.2011 um 12:01 Uhr
es gibt doch Argumente

Stefan Bock vom Mastering Studio München meinte zu der Super Audio CD, dass nach einem Tag Musik hören die Ohren nach der Arbeit einfach nicht mehr klingeln wie bei PCM-kodierter Musik. Das ist auch für mein Empfinden so: Musik zu hören ist mit der Super Audio CD weniger anstrengend für die Ohren. Dass Probanden, denen man eine normale CD und und dann eine Super-Audio-CD vorspielt, da keinen klanglichen Unterschied feststellen können, ist wohl klar. Die Verbesserung bei einer Super-Audio-CD ist sehr subtil, aber meiner Meinung nach ein echter Gewinn für den Musikgenuss. Aber in Zeiten in denen sich die Leute schlechte mp3's auf ihren PC-Boxen anhören, wird sich so ein Format kaum auf dem Markt durchsetzen.

uurmele am 31.07.2011 um 21:50 Uhr
so nicht ganz zutreffend

1) "übliche lautsprecher": es gibt durchaus hochtöner, die nicht so sehr bündeln. außerdem gilt beim abtasten: das sampling muß *mindestens* der doppelten frequenz entsprechen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nyquist-Shannon-Abtasttheorem)
2) in hifi-kreisen ist bekannt, dass die höheren töne nicht unbedingt wahr genommen werden, dass die musik aber mit selbigen "luftiger" klingt. frequenzmessungen von chassis werden aus genau diesem grund üblicherweise bis 40khz durchgeführt
3) "dynamik eingeengt": stimmt, leider! guter artikel dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Loudness_war
wenn also bei mehr zur verfügung stehender dynamik die kompression reduziert würde, ist das ein klanglicher gewinn! vgl: "soldier side" von system of a down, versus "brothers in arms" von dire straits.
4) wenn medien mit höherer abtastung und dynamik besser abgemischt werden (weil mehr spielraum), ist das doch ein argument dafür, oder etwa nicht?