"Aktion Sicherheit im Straßenverkehr" ­ klingt doch seriös, oder? Wenn so eine Organisation ein Preisrätsel macht und nicht nur Autos, Traumreisen und Computer verlost, sondern für jede richtige Lösung auf jeden Fall 20 Mark "Ihrem Konto gutschreibt", wer lässt sich das entgehen? Nichtsahnend füllten Verbraucher die bunten Postkarten aus und gaben gleich ihre Bankverbindung an, in sicherer Erwartung des Geldes, denn das Lösungswort "Auto" war kinderleicht.

Was dann geschah, verschlug vielen die Sprache: Kurz darauf wurden frech 58,50 Mark vom Konto abgebucht, von 20 Mark Gutschrift keine Spur. Stattdessen flatterte ein Schreiben der Süddeutschen Klassenlotterie ins Haus, vertreten durch die "Staatliche Lotterie-Einnahme Klaus H. Paulsen". Die 20 Mark würden lediglich "Ihrem SKL-Lotteriekonto" gutgeschrieben, das Geld für ein 3/10-Los werde vereinbarungsgemäß abgebucht.

Bis dahin konnte kein Rätselfreund wissen, dass die SKL hinter der Aktion steckte. Niemand hatte eine Einzugsermächtigung erteilt. Gipfel der Dreistigkeit: Obwohl selbstverständlich jeder Geschädigte diese illegale Abbuchung von seinem Konto kostenlos widerrufen kann, berichtete eine test-Leserin, ihr sei für diesen Fall ein Gerichtsverfahren angedroht worden. Inzwischen versprach Paulsen gegenüber test, jedem Kunden, der sich meldet, die 20 Mark auszuzahlen. Dennoch passt die Sache ins Bild: Die Stiftung Warentest bekommt ständig Protestbriefe von Lesern wegen der massiven Werbebelästigung durch die SKL.

Nun teilte die SKL mit, sie habe die Geschäftsbeziehung zum zuständigen Lotterieeinnehmer Klaus H. Paulsen gekündigt. Den Verbrauchern werde der abgebuchte Betrag erstattet, sofern sie sich gegen die weitere Spielteilnahme aussprechen.

Jeder Betroffene hat das Recht, der Abbuchung zu widersprechen. Es reicht, die eigene Bank zu benachrichtigen. Die muss das Geld kostenlos zurückbuchen. Die Lotterieeinnahme Paulsen führte das gleiche Gewinnspiel bereits für die Norddeutsche Klassenlotterie (NKL) durch. Dort kam es ebenfalls zu einer Abmahnung, die NKL brach die Geschäftsbeziehungen aber nicht ab.

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