Ähnliche Ergeb­nisse, mehr Privatsphäre. Start­page über­holt Google im Test.

Mit der Qualität von Googles Sucher­gebnissen kann kein Konkurrent mithalten. Dennoch holt Start­page den Testsieg. Der Grund: Daten­schutz statt Daten­hunger.

Wer den Nach­wuchs im Designerkinder­wagen kutschieren möchte, stößt vielleicht mal auf den Anbieter „Hot Mom“ und will online mehr über dessen Produkte erfahren – etwa mit der Such­anfrage „Hersteller Hot Mom“. Die meisten Such­maschinen im Test lieferten uns dazu als ersten Treffer passende Seiten. Metager verstand „Hot Mom“ aber ganz anders und verlinkte ein Portal mit Videos, die keineswegs Kinder­wagen zeigten, sondern – bei sehr wohl­wollender Deutung – die Zeugung von Kindern durch attraktive Damen mitt­leren Alters und ihre üppig ausgestatteten Partner.

Daten­krake Google verpasst den Sieg

Porno­videos statt Kinder­wagen – Google dürfte so etwas kaum passieren. Das zeigt auch unser Test: In puncto Qualität kommt kein anderer Dienst an die Sucher­gebnisse des Internetriesen heran. Allerdings ist der Konzern auch einer der fleißigsten Daten­sammler im Netz – unter anderem wegen seines Handy-Betriebs­systems Android.

Die gute Nach­richt für Daten­schutz­bewusste: Es gibt einen David, der es mit Goliath Google aufnehmen kann. Start­page geht als Sieger aus dem Test hervor. Google hat zwar tech­nische Vorteile, doch Start­page kommt ohne Schnüffelei und Mängel in der Daten­schutz­erklärung aus. Generell bieten europäische Such­maschinen meist mehr Daten­schutz (Testergebnisse Suchmaschinen). Wer deshalb umsteigen möchte, kann in seinem Browser fest­legen, welches Portal als Stan­dard­such­maschine dienen soll (Tipps und Tricks).

Unser Rat

Start­page liegt im Test vorn. Das Portal liefert gute Sucher­gebnisse, bietet Komfort und ist daten­schutz­freundlich. Den zweiten Platz holt Google. Der US-Dienst ist zwar allen Konkurrenten tech­nisch über­legen, doch seine Apps sind zu neugierig und in der Daten­schutz­erklärung stehen viele unzu­lässige Klauseln. Auf Platz drei landet Ecosia. Die Sucher­gebnisse dieses Anbieters sind zwar nur befriedigend, dafür hat er aber kaum Mängel in der Daten­schutz­erklärung.

Gute Treffer dank präziser Anfragen

Das Verb „googeln“ geht vielen wie selbst­verständlich über die Lippen. Wir haben im Test aber nicht nur gegoogelt, sondern unter anderem auch gebingt und geqwantet. Insgesamt haben wir zehn Such­maschinen mit je 50 Anfragen konfrontiert und die Relevanz der ersten sechs Treffer bewertet (Testergebnisse Suchmaschinen).

Einfach haben wir es den Portalen nicht gemacht: Sie mussten – wie im realen Alltag – mit Tipp­fehlern, vagen Beschreibungen und Doppeldeutig­keiten zurecht­kommen. Die sind für Such­maschinen eine echte Heraus­forderung: Meint ein Nutzer mit der Anfrage „Babylon“ die Haupt­stadt Babyloniens, eine aktuelle ARD-Serie oder ein Berliner Kino? Will er mit „Dom Notre Dame“ mehr über die Pariser Kirche erfahren oder über eine katho­lische Universität in der Nähe von Chicago? Die Algorithmen der Such­maschinen versuchen, genau das – die Intention des Suchenden – zu ermitteln, statt nur nach dem Wort­laut zu gehen. Nutzer können sie dabei unterstützen, indem sie ihre Anfragen möglichst präzise formulieren – etwa „Babylon alte Stadt“ oder „Dom Notre Dame Paris“. Das erhöht die Chancen auf gute Treffer.

Direkt-Antworten liegen im Trend

Bei allgemeinen Anfragen bestehen oft nur geringe Unterschiede zwischen den Such­maschinen. Große Differenzen zeigen sich jedoch bei sogenannten Direkt-Antworten. Die präsentieren einzelne Portale – vor allem Google und Bing – etwa, wenn ein Nutzer „Schnabeltier auf Eng­lisch“ eingibt. Die Seite teilt ihm dann im Ideal­fall direkt mit, dass das Eier legende Säugetier auf Eng­lisch „Platypus“ heißt. Das ist bequem, denn so muss er die verlinkten Seiten gar nicht mehr öffnen. Auch bei Such­begriffen wie „FC Bayern“, „Aktienkurs VW“, „Uhrzeit Castrop-Rauxel“ oder Rechnungen wie „17034:3,7“ klappt das mitunter. Mit dieser Vorgehens­weise nähern sich Such­maschinen den Sprachassistenten an.

Ohne Google googeln

Direkt-Antworten fanden wir beim Testsieger Start­page zwar nicht. Doch bei der allgemeinen Suche ist Start­page – ebenso wie T-Online und Web.de – vorn mit dabei. Das liegt daran, dass diese drei Anbieter Geld an Google zahlen, um dessen Such-Technologie in ihre Portale einbauen zu dürfen. So kann der Nutzer quasi „fremdgoo­geln“ – also Google nutzen, ohne Google zu nutzen.

Eine Such­maschine komplett eigen­ständig zu entwickeln, wäre tech­nisch und finanziell eine Herkules­aufgabe. Deshalb koope­rieren auch andere „Kleine“ mit Großen: Duck­duckgo, Ecosia, Qwant und Yahoo setzen auf die Technologie der Microsoft-Such­maschine Bing. Da Bing insgesamt nur befriedigende Sucher­gebnisse liefert, gilt das auch für die Ableger. Ecosia spielt trotzdem oben mit, da die Daten­schutz­erklärung kaum Mängel hat. Der Anbieter wirbt damit, einen Teil seiner Einnahmen zu spenden, um Bäume zu pflanzen. Wir haben Unterlagen dazu geprüft, die Angaben erscheinen plausibel.

Google und Bing punkten mit Komfort

Fast genauso wichtig wie die Such­treffer sind Filter, mit denen sich die Ergeb­nisse verfeinern lassen. Am besten klappt das bei Google, weil dort viele Sonder­suchen bereit­stehen – etwa für News, Bilder, Videos, Shopping oder Bücher. Bei Google und Bing lässt sich zudem der Such­zeitraum frei bestimmen. Nur Start­page und Duck­duckgo können in puncto Komfort einigermaßen mithalten. Metager und Web.de besitzen keine separate Video­suche, bei Metager fehlte im Test­zeitraum auch eine Bilder­suche – diese Defizite haben wir mit mangelhaft bewertet, da Bilder- und Video­suchen heute zur Stan­dard­ausstattung zählen. Metager hat inzwischen nachgebessert und eine Bilder­suche integriert.

Mobile Nutzung weniger bequem

Ob der Nutzer per Computer oder Handy sucht – die Ergeb­nisse sind oft identisch. Die Hand­habung ist am Smartphone aber meist umständlicher. Über­sicht­lich­keit, Steuerung und die Integration von Filtern werden vom kleinen Display erschwert.

Alle Dienste durch Werbung finanziert

Werbeanzeigen können die Nutzung ebenfalls beein­trächtigen. Ganz ohne sie geht es nicht, da sich Such­maschinen primär über Werbung finanzieren. Unsere Tester stießen aber auf große Unterschiede: Duck­duckgo, Ecosia, Google und Qwant blendeten nur wenig Werbung ein. Bei Metager, T-Online, Web.de und Yahoo wimmelte es hingegen nur so vor bezahlten Inhalten.

Europäische Portale sind diskreter

Die digitale Privatsphäre ist für viele Nutzer ein Grund, um nach Alternativen zu Google zu suchen. Im Test zeigt sich, dass Dienste aus der EU in diesem Punkt Vorteile bieten, schließ­lich gelten in der EU strengere Daten­schutz­gesetze als in den USA.

So schneiden die Dienste aus der EU bei Daten­schutz­erklärungen insgesamt besser ab. Nur Qwant leistet sich deutliche Mängel: Der Text ist völlig veraltet, er verweist auf ein Gesetz von 1978. Von den vier US-Anbietern haben drei sehr deutliche Mängel: Die Texte von Google und Bing sind zu lang und zu schwammig, zudem räumen sie den Anbietern weitreichende Rechte ein. Die Erklärung von Duck­duckgo liegt nicht auf Deutsch vor – das ist unzu­lässig.

Auch beim Daten­sende­verhalten haben die europäischen Dienste die Nase vorn: Zwar fiel in unserem Check der stationären Websites keiner der zehn Anbieter negativ auf. Bei der mobilen Nutzung gab es aber wieder große Differenzen: Fünf von sechs europäischen Anbietern waren unkritisch – nur Ecosia kam auf „kritisch“, da die Apps den Mobil­funkanbieter des Nutzers erfassen. Unter den US-Anbietern hat nur Duck­duckgo eine reine Weste. Die Apps von Bing und Google erheben oft unnötiger­weise den Stand­ort des Nutzers und analysieren sein Verhalten. Yahoo sendet Daten an Dritte, mit denen sich Handys von Verbrauchern eindeutig identifizieren lassen. Diese Dienste durch­suchen nicht nur das Netz, sondern auch den Nutzer.

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