Wer sich gegen einen Sturm absichern will, muss mindestens vier Versicherungen abschließen ­ und selbst dann gibt es noch Lücken.

Bäume flogen umher, Ziegel und Metallteile. Fensterscheiben zerbarsten und Autos kippten um. Orkan Lothar hinterließ im letzten Winter ganz unterschiedliche Spuren der Verwüstung. Eine einzige Versicherung, die von eingedrückten Fensterscheiben bis zum Abtransport umgefallener Bäume alles abdeckt, gibt es für Privatleute aber nicht. Sturmschäden werden je nach Art des Schadens von der Wohngebäudeversicherung, der Hausratversicherung, der Autokasko oder der Haftpflichtversicherung gedeckt.

Nach den Versicherungsbedingungen ist ein Sturm erst eine Luftbewegung von mindestens Windstärke 8. Dies entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 Kilometer pro Stunde. Sturm Lothar hatte Windstärke 12. Fällt ein schwerer Ast schon bei Windstärke 7 auf das Hausdach, hat der Hausbesitzer Pech gehabt.

Gebäudeschäden wie abgedeckte Dächer, abgefallene Schornsteine oder Schäden am Haus durch umgefallene Bäume werden durch die Wohngebäudeversicherung ersetzt. Auch Folgeschäden, wenn zum Beispiel durch kaputte Fenster Regen eindringt und Innenwände oder Fußböden Schaden nehmen, zahlt diese Versicherung. Hat man als Mieter aber Satellitenschüsseln oder Markisen auf eigene Rechnung angebracht, sind diese in der Gebäudeversicherung des Hausbesitzers nicht mitversichert. Sie können aber durch eine eigene Hausratversicherung abgesichert werden. Auch für Gartenlauben, Geräteschuppen oder Hundehütten müssen Sondervereinbarungen getroffen werden. Nur Garagen und direkte Nebengebäude können zusammen mit dem Haupthaus versichert werden.

Werden aufgrund des Sturms Teile der Wohnungseinrichtung zerstört, fällt dies unter den Schutz der Hausratversicherung. Schäden am Auto sind bereits durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt. Auch Schäden, die herumfliegende Gegenstände wie Ziegel oder Äste anrichten, werden ersetzt. Schaden durch vom Sturm beeinflusste Fahrfehler ­ man schafft es zum Beispiel nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen ­ deckt allerdings nur die Vollkasko.

Was ist nicht versichert?

Weder Hausrat- noch Gebäudeversicherung müssen zahlen, wenn Regen, Schnee oder Hagel durch nicht ordnungsgemäß geschlossene Fenster und Türen eindringt. Problematisch wird es auch, wenn der eigene Baum auf der nicht versicherten Garage des Nachbarn landet. Da nicht der Baumbesitzer sondern der Sturm Verursacher des Schadens war, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung nicht für den Schaden aufkommen. Der Nachbar bleibt auf den Reparaturkosten sitzen.

Anders liegt der Fall, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Baum erkennbar alt und morsch war und der Baumbesitzer seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen ist. Damit ist der Baumbesitzer schuld an dem Schaden und er oder seine Haftpflichtversicherung muss zahlen. Allerdings ist der Baum, auch wenn er durch höhere Gewalt auf Nachbars Grundstück gelangte, weiterhin Eigentum seines Besitzers, weshalb dieser in jedem Fall für den Abtransport und die Entsorgung der Baumreste verantwortlich ist. Dies allein kann schon über 10.000 Mark kosten.

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